Deutsche Telekom will Gebühren für analoge Anschlüsse erhöhen

13. Juni 2003, 16:44
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Mit Preisanhebung könnte Konzern einer milliardenschweren Geldstrafe durch EU entgehen

Die Deutsche Telekom will zum Herbst dieses Jahres die Preise für ihre rund 29 Mio. analogen Telefon-Anschlüsse sowie die Gebühren für Bereitstellungen drastisch erhöhen. Mit der Preisanhebung könnte der Konzern einer milliardenschweren Geldstrafe durch die Europäische Union entgehen.

Saftig

Ein Unternehmenssprecher sagte am Freitag in Bonn, dass die Telekom möglicherweise den derzeit bei 11,82 Euro im Monat liegenden Anschlusspreis um mehr als 1,41 Euro erhöhen werde. Er bestätigte damit Aussagen von Telekom-Vorstandsmitglied Josef Brauner in einem Interview mit der Nachrichtenagentur vwd. Auch bei den einmalig von den Telekom-Kunden zu zahlenden Entgelten wie etwa für die Bereitstellung eines Anschlusses oder für die Übernahme vom Vormieter seien Preisanhebungen geplant, bestätigte der Unternehmenssprecher.

Genehmigung

Die Telekom muss sich die geplanten Preiserhöhungen von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post genehmigen lassen. Damit ist nicht vor Herbst zu rechnen. Die beabsichtigten Preiserhöhung für die Monatsgebühr für analoge Anschlüsse und die Einmalentgelte waren weitgehend erwartet worden. Denn Ende Mai hatte die EU gegen die Telekom rückwirkend ein Strafgeld in Höhe von 12,6 Millionen Euro verhängt, da sie mit unter den eigenen Kosten liegenden Preisen für ihre Endkundenanschlüsse den Wettbewerb behindere. Falls die Telekom nicht auf die Forderung der EU nach Preiserhöhung reagiert, droht ihr eine weitere Geldstrafe, die bis zu zehn Prozent des Umsatzes von zuletzt knapp 54 Milliarden Euro betragen kann.

Möglichkeiten

Wegen des angedrohten abermaligen Bußgeldes will die Regulierungsbehörde der Telekom einen außerordentlichen Spielraum für Preiserhöhungen bis Ende 2004 ermöglichen. So soll die Telekom die monatlichen und einmaligen Anschlussentgelte zusammen um voraussichtlich rund zehn Prozent anheben dürfen. Da von der Preiserhöhung die Monatsgebühren für digitale Anschlüsse wie ISDN und DSL ausgenommen sind, könnte die Preisanhebung der Monatsgebühren für die analogen Anschlüsse auch deutlich mehr als zehn Prozent betragen. Die möglichen Mehreinnahmen für die Telekom könnten sich bis Ende 2004 auf über 600 Millionen Euro summieren. (APA/Reuters)

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