Aus für automatische Lohnerhöhung

15. Juni 2003, 09:39
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Bereits ab dem kommenden Jahr gilt auch in Österreich eine EU-Richtlinie, derzufolge Gehaltsunterschiede nur aufgrund des Alters diskriminierend und rechtswidrig sind

Wien - Eine Mehrbezahlung allein aufgrund eines höheren Alters ist EU-widrig. Österreich werde die entsprechende EU-Richtlinie 2000/78 zur "Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf" wie gefordert bis Ende des Jahres umsetzen, kündigte Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein am Freitag an.

Langfristig werde es damit zu einer Abflachung der Lebenseinkommenskurve kommen, "dramatische Änderungen von heute auf morgen" solle es aber nicht geben, teilte der Minister mit. Konkret werde dies höhere Einstiegsgehälter für junge Menschen bedeuten.

Keine automatischen Gehaltssprünge

Zu Ende könnten die in manchen Branchen und Berufsgruppen existierenden automatischen Gehaltssprünge sein, bestätigten Experten dem Standard. Da sie nur die "Zugehörigkeit", aber keine Leistungen honorierten, wären sie durch die neue Richtlinie hinfällig, entsprechende Kollektivverträge müssten ^adaptiert werden. Betroffen wären etwa die Beamten, die alle zwei Jahre neben den allgemeinen Lohnerhöhungen noch eine weitere Anhebung bekommen, oder Journalisten, die alle fünf Jahre zehn Prozent teurer werden.

Im Wirtschafts- und Arbeitsministerium unterstrich eine Sprecherin von Minister Martin Bartenstein, dass die Richtlinie den nationalen Gesetzgebern jedoch "genügend Spielraum" einräumen würde und der österreichische Gesetzesentwurf im Sommer in Begutachtung gehen würde. Bartenstein bestätigt den "Verzicht auf den einen oder anderen Biennalsprung".

Jüngere Arbeitnehmer würden dadurch eine bessere Bezahlung bekommen, ältere Arbeitnehmer dafür bessere Beschäftigungschancen. Gemeinsam mit den Sozialpartnern sollen jetzt die Kollektivverträge (KV) in diese Richtung überarbeitet werden, so Bartenstein. Gerechtfertigt und EU-konform sei das Senioritätsprinzip nur dann, wenn die steigende Entlohnung der steigenden Erfahrung entspricht, meinen europäische Arbeitsrechtler. In Österreich gilt das Senioritätsprinzip allerdings meist als Treueprämie für den längeren Verbleib in einem Betrieb. Bei einem Wechsel geht sie verloren. Wenn sich Jüngere wegen des Kollektivvertrags diskriminiert sehen, müssten Gerichte entscheiden, ob die höhere Arbeitserfahrung derartige Unterschiede rechtfertige oder nicht. Ebenso Sache der Gerichte werde sein, ob in bestehende Arbeitsverhältnisse eingegriffen werden kann. (mimo, APA, Der Standard, Printausgabe, 14.06.2003)

  • Um sich seine Gehaltssprünge zu verdienen, reicht es nun nicht mehr aus, einfach älter zu werden.
    foto: photodisc

    Um sich seine Gehaltssprünge zu verdienen, reicht es nun nicht mehr aus, einfach älter zu werden.

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