Kinder-Asthma: Auf die Schulung kommt es an

  • Eine Impfung gegen Allergien als Nasenspray verabreicht, ist derzeit noch Zukunftsmusik.
    foto: derstandard.at/marietta türk

    Eine Impfung gegen Allergien als Nasenspray verabreicht, ist derzeit noch Zukunftsmusik.

Sinnlose Medikation bei falscher Handhabung der Inhalationsmethoden - Keine wirksame Prävention, die Allergien verhindert

Saalfelden - Ohne Schulung geht es nicht: Beim kindlichen Asthma sind Information der Eltern und Training für die richtige Anwendung der zumeist in der Form von Sprays vorliegenden Arzneimittel zur Dämpfung der Entzündung in den Bronchien und zu deren Erweiterung entscheidend. Dies erklärte Mittwochabend Josef Riedler vom Kinder- und Jugendspital in Schwarzach im Pongau bei der 45. Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden (bis 9. März). Die Tagung konzentriert sich diesem Jahr auf die Pädiatrie.

"Asthma ist eine chronisch entzündliche Erkrankung mit Hyperreagibilität der Bronchien und wiederholten Episoden von pfeifender oder keuchender Atmung. Die Obstruktion der Atemwege ist häufig reversibel - üblicherweise spontan oder durch Behandlung", sagte Riedler.

Eine Studie, welche der Experte vor einigen Jahren in Salzburg durchgeführt hat, brachte bei den Sechs- bis Achtjährigen etwa eine Häufigkeit der Lungenerkrankung von zehn Prozent und von zwölf Prozent bei den 13- bis 15-Jährigen zutage. Riedler: "Von den im Alter von vier bis fünf Jahren 'pfeifenden' Kindern bleiben später etwa 30 Prozent übrig." Bei 70 Prozent der im Vorschulalter Betroffenen verschwinden die Symptome wieder.

Mit inhalierbaren Cortison-Präparaten, sogenannten Leukotrien-Inhibitoren in Tablettenform, die eine Alternative in der Entzündungshemmung darstellen, und den kurz wirksamen Bronchien-Dilatoren im Bedarfsfall (Betamimetika oder Sympathomimentika - ebenfalls zum Inhalieren) stehen hoch wirksame Arzneimittel zur Verfügung. Der Experte: "Damit ist das kindliche Asthma bei 92 Prozent (schon bei Standarddosierungen, Anm.) der Kinder beherrschbar."

Falsche Inhalation

Doch es gibt ein Riesenproblem: Das Inhalieren der Wirkstoffe in Aerosol- oder in Pulverform ist für Babys und Kleinkinder schwierig. Dabei sollten die Substanzen möglichst tief in die Bronchien gelangen. Jeder Zwang aber führt beispielsweise dazu, dass die Kinder blockieren. Wird falsch inhaliert, bleibt der Wirkstoff im Mund oder an den Stimmbändern hängen. Riedler: "Dann kommen Null Prozent der Dosis in die Bronchien."

Oft liegt es an der mangelhaften Schulung für Eltern und betroffene Kinder. Zu einem nicht unbeträchtlichen Teil dürften sich nicht einmal die behandelnden Ärzte über die richtige Handhabung der verschiedenen Inhalationsmethoden Bescheid wissen. Der Experte: "Ich habe eine Untersuchung mit Kinderärzten durchgeführt. Da war kein einziger dabei, der das konnte."

Eine schier endlose Diskussion besteht darüber, ob man durch bestimmte Ernährung (Stillen), Vermeidung von Allergen-Belastungen (Hausstaubmilben, Haustiere) die Ausbildung von allergischem Asthma verhindern könnte. Hier " gibt es keine wirksame Methode. Riedler: "Es gibt keine Prävention, die alle Allergien vermeiden könnte. Aber das Vermeiden von Passivrauchen vor und nach der Geburt wäre wichtig. Kinder von Müttern auf Bauernhöfen, die während der Schwangerschaft und danach im Stall arbeiteten, haben weniger Allergien." Kinder von solchen Müttern, die selbst im ersten Lebensjahr häufig eine gewisse Zeit im Kuhstall verbringen, sind noch besser geschützt.

Das wollen Riedler und anderer Wissenschaftler für die Entwicklung einer präventiven und per Nasenspray zu verabreichenden Impfung gegen Allergien nutzen. Erprobt werden Lösungen mit Acinetobacter-Keimen und Zucker. Doch hier laufen erst die Entwicklungsarbeiten. (APA)

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