Eine Muse und vier Rektorinnen

7. März 2012, 17:19

Mehr als die Hälfte der Studierenden sind Frauen, doch die akademische Karriere bleibt Männersache - Die Unis versuchen mit Quoten und Mentoring entgegenzusteuern

Wien - Mit einem Anteil von 53 Prozent stellen Frauen heute die Mehrheit der Studierenden, in der universitären Laufbahn stehen sie jedoch weiter im Schatten ihrer männlichen Kollegen. "Frauen stoßen sich schnell den Kopf an der gläsernen Decke. Je höher die Stufe der wissenschaftlichen Karriereleiter, desto geringer wird der Frauenanteil", sagt Angelika Gruber (VSStÖ) vom ÖH-Vorsitz.

Barrieren werden bereits in weiterführenden Studien spürbar. Dort dreht sich das Verhältnis um: 47 Prozent der Master- und Doktoratsstudierenden sind Frauen. Wie die Studierendensozialerhebung zeigt, tendieren Frauen eher zu einem weiteren Bachelorstudium. Da das Stipendiensystem nur den ersten Abschluss fördert, "führt das zu einer strukturellen Benachteiligung, weil Frauen bei gleicher Studiendauer weniger Förderungen bekommen", sagt Gruber.Während der Professorinnenanteil an den Unis nur 19 Prozent beträgt, finden sich im übrigen wissenschaftlichen Personal noch 40 Prozent Frauen. Seit letztem Wintersemester teilen sich vier Rektorinnen mit 17 Männern die Uni-Spitzen.Frauenquoten sollen dieser Unterrepräsentation entgegenwirken. "Dass wir eine Quote brauchen, ist eine traurige Tatsache", meint Sonja Hammerschmid, Rektorin der VetMed Wien. "Wie ist es möglich, dass auf hervorragend ausgebildete Frauen verzichtet wird?" Auch bei den Gehältern tut sich ein Graben auf. "Gleiche Löhne sind zwar vorgeschrieben, bei Drittmittelprojekten gibt es aber einen enormen Unterschied, weil Männer tendenziell höhere Löhne angeboten bekommen oder ausverhandeln", betont ÖH-Vorsitzende Janine Wulz (Gras). Um diesen Einschnitt in der Laufbahn zu durchbrechen, bieten die Universitäten Mentoring- und Frauenförderungsprogramme an. Darin sieht Wulz nur einen Schritt: "Wichtig ist vor allem, eine Bewusstseinsbildung an den Universitäten voranzutreiben." Das meint auch Hammerschmid: "Wir müssen Vorbilder schaffen, sonst entwickeln wir uns nicht weiter."

Sichtbare Forscherinnen

An der Uni Wien wurde diese Bewusstseinsbildung 2009 mit dem Kunstwerk Der Muse reicht's gestartet. "Das Abc zu Frauen in der Bildungsgeschichte" soll ab heute, dem Internationalen Frauentag, in Sonderführungen vermittelt werden. "Die Geschichte von Frauen in der Wissenschaft wird in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Viele denken, dass sie gar nicht stattgefunden hat, nur weil man sie nicht sieht und nichts darüber weiß", meint Marlene Gerber, Tourguide der Uni Wien. Um dieser Unsichtbarkeit entgegenzuwirken, sollen berühmte Frauen porträtiert werden - auch um Vorbilder zu schaffen: "Junge Frauen müssen die Möglichkeit haben, sich im öffentlichen Raum wiederzufinden." (Oona Kroisleitner, DER STANDARD, Printausgabe, 8.3.2012)

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"Mit einem Anteil von 53 Prozent stellen Frauen heute die Mehrheit der Studierenden"

Komisch, das scheint nie ein Problem zu sein, obwohl es weniger Frauen als Männer gibt...
Und Gratulation als alle Frauen, die in Österreich nicht in den Wissenschaftsbetrieb einsteigen und stattdessen in die Privatwirtschaft gehen.

generell gibt es mehr frauen als männer.
rein demographisch sind 52% aller menschen weiblichen geschlechts...

was ich als heterosexueller mann gut finde :)

Nein. Es werden mehr Männer als Frauen geboren - ergo sind auch die Mehrheit der Menschen Männer. Die kratzen nur früher ab, weshalb es als Momentaufnahme in Österreich (weltweit gibt's übrigens mehr Männer!) dann eben mehr Frauen gibt.
Aber wie gesagt: der Überhang kommt alleine von älteren Jahrgängen, bei jüngeren Jahrgängen - wie Studenten - überwiegen zahlenmäßig Männer um etwa 5%.

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