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"Erst im Unfall mit Totalschaden erreicht die vulgäre Anmut eines Porsche Cayenne ihre ekstatische Vollendung", kommentieren Folke Köbberling und Martin Kaltwasser ihren "Crushed Cayenne".
Linz - Freiheit und Schnelligkeit versus Umweltzerstörung und Raserei - kaum ein Ding der westlichen Welt ist mit so vielen zwiespältigen Attributen versehen wie das Auto. Nichts ist gleichzeitig so sehr Kult- und Hassobjekt, ein Objekt, das, während es die Umwelt zerstört, mit der Gewissheit tröstet, den Weltuntergang gerne von seinen weichen Ledersitzen aus genießen zu lassen.
Künstler, Kulturwissenschafter und Philosophen haben sich spätestens seit den 1960er-Jahren dieses omnipräsenten, zwiespältigen Alltagsobjekts angenommen. "Es handelt sich also um eine humanisierte Kunst", schreibt Roland Barthes 1964 in Mythen des Alltags über den Citroën DS (ausgesprochen Déesse, französisch für " Göttin"). "Es ist möglich, dass die Déesse einen Wendepunkt in der Mythologie des Automobils bezeichnet."
Nun findet sich allerdings keine " Déesse" - weder entmythologisiert noch hochstilisiert - unter den 23 im Lentos versammelten Arbeiten. Vielmehr steht der VW Käfer ikonografisch für "das Auto" schlechthin. Als Gimme Gummi (Autorotation) von Leo Schatzl, David Moises und Severin Hofmann hängt er an 150 Expanderbändern an einem Gerüst. Dreht man am Käfer, wird er wie ein Spielzeug aufgezogen, der anfängt zu rotieren, sobald man loslässt. Gimme Gummi war 2004 Österreichs Beitrag zur Biennale in São Paulo - und wurde zum Publikums- und Medienliebling.
Nichts anderes steht der interaktiven Arbeit in Linz bevor. Die in großen Teilen vom ZKM in Karlsruhe übernommene Schau zeigt auch einen Beitrag von ZKM-Vorstand Peter Weibel selbst: Mechanik der Organismen - Organik der Maschinen heißt dessen 1994 entstandenes Readymade. Auf dem Dach einer grünen, rostenden VW-Käfer-Karosserie liegt ein umgedrehter Schildkrötenpanzer.
Das Wirtschaftswunderauto
Thomas Rehberger ließ seinen Käfer in Thailand nach simplen Erinnerungsskizzen fertigen. Dieses Gefährt und Georg Seiberts Der Käfer - Ein Deutsches Wunder verweisen auch auf die politische Symbolkraft, die den Volkswagen umgibt; sei es aufgrund seiner Wurzeln im Nationalsozialismus, sei es als Wirtschaftswunder in der Nachkriegszeit.
Ein ebenfalls mit politischer Strahlkraft aufgeladenes Automodell ist Ecke Bonks Deutsche Einheit, Trabant E Klasse, Modell Brandenburger Tor. Es wird mit getönten Scheiben und auf Hochglanz poliert wie eine schimmernden Perle auf einer Drehbühne präsentiert. Bonk, dessen Vater 1947 den Osten Deutschlands verließ, wirft einen distanziert-ironischen Blick auf das Kultobjekt Trabbi und kehrt den Begriff Plastikbomber um: aus dem Inneren des zur unnahbaren Schönheit gewordenen E-Klasse-Modells (E für Elite, aber auch Einheit) tönen computergenerierte Stimmen. Sie lesen Marx' Das Kapital.
Ein bisschen fühle sie sich selbst wie in einem Autosalon, sagt Lentos-Direktorin Stella Rollig schmunzelnd, während sie in den offen gestalteten, ein wenig trashig und hallenartig wirkenden Saal blickt. Es sind großteils ironische Arbeiten wie S KY 2000 von Axel Philipp - ein Mercedes-Benz 280 Cabriolet, der sich quasi auto-suizidal in Öl ertränkt, oder Hannes Langeders Fahrradi FFX sowie sein Ferdinand GT 3 RS. Der goldene Ferdinand, ein akribisch ausgeführter Porsche-Nachbau, lässt sich nur per Pedaltritt in Bewegung setzen. Verkleidet als Porsche hätte man es als Radfahrer viel leichter auf den Straßen, sagt der Künstler.
Anspielungen auf den vermeintlichen Luxus in ebensolchen Karossen gibt es auch von Gottfried Bechtold. Verdichtung heißt die Arbeit, für die ein fabriksneuer Porsche Carrera 997 S zu einem Quader gepresst und seiner Lebenssäfte beraubt wurde. Folke Köbberling und Martin Kaltwasser steuern eine der bemerkenswertesten, da skulptural überzeugendsten Arbeiten bei. Den Crash zweier Porsche Cayenne haben sie aus Holz originalgetreu nachgebaut.
Die Ausstellung im Lentos ist sozusagen ein Kunst-Autofrühling. Augenzwinkernd nimmt dieser ein für viele vorstellbares und wünschenswertes Schicksal des Autos vorweg: runter von der Straße, rein ins Museum! (Wiltrud Hackl / DER STANDARD, Printausgabe, 8.3.2012)
Bis 4. 7.
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...das tonnenschwere Glitzer-Suvs wie ein CayenneS heute "nicht mehr zeitgemäß" sind. Allerdings gab es sowas vor 30 Jahren noch gar nicht! Es ist also ein Zeichen unserer Zeit, dass wir nicht zeitgemäße Autos fahren.
Grüße von einem Oldtimer-Fan!
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