Rechnungshof kritisiert Flugrettung

7. März 2012, 13:55
  • Der Rechnungshof kritisiert die Organisation der Flugrettung vor allem in Westösterreich.
    foto: michael matzenberger/derstandard.at

    Der Rechnungshof kritisiert die Organisation der Flugrettung vor allem in Westösterreich.

Unterschiedliche Verrechnung der Einsätze - RH fordert Neugestaltung - Kritik an fehlender Reformbereitschaft

Wien - Rechnungen von bis zu 7.000 Euro für Einsätze der Flugrettung könnten für den Patienten gravierende bis existenzgefährdende finanzielle Belastungen zur Folge haben, erklärte der Rechnungshof (RH) in einem am Mittwoch veröffentlichen Bericht. Darin geht es um die Flugrettung mit Schwerpunkten in Salzburg und Tirol.

Die Verrechnung derartiger Einsätze erfolgte nämlich unterschiedlich, konstatierte der RH bei seiner von März bis Mai 2011 durchgeführten Überprüfung: Wurde der Einsatz durch ein vom Land gefördertes Unternehmen durchgeführt, erhielt der Patient keine Rechnung. Ausnahmen sind alpine Sport- und Freizeitunfälle. Gefördert waren fünf von den 19 Hubschraubern in Tirol und Salzburg. Der Patient konnte weder die Art des Rettungsmittels noch die Auswahl des Flugrettungsunternehmens beeinflussen, rügte der Rechnungshof.

Hubschrauberzahl seit 2000 verdoppelt

Überhaupt bestehe ein ziemliches Wirrwarr: "Die gleichzeitige Relevanz von bundes- und landesgesetzlichen Bestimmungen für das Flugrettungswesen, aber vor allem die bei den Ländern bestehende Gesetzgebungs- und Vollziehungskompetenz erschwerte die Entwicklung eines österreichweit einheitlichen Rettungswesens wesentlich", so der RH, der auch einen Reformwillen vermisst. "Die länderweise Gestaltung der Flugrettung war weder aus der Sicht des Transportierten noch im Licht des länderübergreifenden Einsatzes von Hubschrauber für Rettungsflüge nachvollziehbar", heißt es in dem Bericht.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht gibt es in Salzburg und Tirol zu viele Rettungshubschrauber, 2010 doppelt so viele wie im Jahr 2000. Das habe den Druck verschärft, Flüge auch bei nicht lebensbedrohenden Ereignissen durchzuführen bzw. die Tarife zu erhöhen. Eine "Standortoptimierung" war laut RH durch den Umstand erschwert, dass die Aufgabenbereiche der Flugrettung nicht festgelegt waren: Sollte der Rettungshubschrauber vorrangig bei lebensbedrohenden Ereignissen eingesetzt werden oder als gängiges Rettungsmittel. Welche Kosten der Krankenversicherungsträger übernimmt, war laut RH unterschiedlich: Die in einer Mustersatzung des Hauptverbands getroffenen Regelungen wären nämlich nicht ausreichend praxisgerecht. (APA)

Kommentar posten
12 Postings
Eines ist offensichtlich: Flugrettung lohnt sich ....

...für die Betreiber.

Wenn man sich ansieht, wie - z.b. in den Salzburger Gebirgsgauen - sich private Hubschrauberunternehmen um eine Rettungslizenz gerauft haben, kann man nur den Schluß ziehen, dass das ein (sehr) gutes Geschäft sein muss.

Bezahlt wird dieses gute Geschäft - nona - von den Versicherungen und damit von uns allen, egal ob "nur" öffentliche Versicherung (GKK) oder Privatversicherung.

das die regelung ein trauerspiel ist und manch glücksritter geld verdient ja. das es für patienten auch von vorteil ist wenn es die hubschrauber gibt sollte man dabei aber nicht vergessen.

Soweit mir bekannt zahlen sich die schnellen Einsätze

richtig aus. Wenn nicht viel zu machen ist. Einladen und weg. Auch sind die Tarife unterschiedliche - Freizeitunfall, Autounfall, Unfall auf der Autobahn usw.

Die Gipsbomber dürften richtig Geld abwerfen.

Kleine Einschränkung: Flugrettung zahlt sich *im Westen* Österreichs aus. Und da vor allem im Winter.

Nicht umsonst gibt's im Winter zahlreiche zusätzliche "Stützpunkte", die im Sommer aufgelassen werden.

Das Problem ist, dass diese "Mini-Unternehmen" mit einem Hubschrauber im Winter abcashen und ansonsten nicht zur Verfügung stehen.

Der ÖAMTC bietet dagegen beispielsweise die Hubschrauberrettung flächendeckend für ganz Österreich an und muss die defizitären Standorte im Osten Österreichs mitfinanzieren.

Verluste verstaatlichen & Gewinne privatisieren !

Ketzerische Frage .......

.....das sieht dann ja wiedereinmal wie eine Variante des "Verluste-verstaatlichen-&-Gewinne-privatisieren-Spiels" aus.

Oder ?

Hätte doch Sinn für die Allgemeinheit, wenn der ÖAMTC am "Wintergeschäft" gut verdient und damit dann das "normale" Rettungsgeschäft (Sommer, Ost-Österreich) mitfinanziert ?

solche sachen lassen sich halt nur mit entsprechendem gesetzlichem rahmen sinnvoll privatisieren. ich kann auch keine krankenkassa privatisieren ohne festzulegen dass auch für 88jährige teure behandlungen bezahlt werden *müssen*.

Der ÖAMTC ist ja nicht "staatlich", sondern auch "nur" ein Verein.

Die flächendeckende Hubschrauberrettung wird von einigen Sponsoren unterstützt, zudem von den Mitgliedern, sonst wäre die in der derzeitigen Form meines Wissens nach nicht möglich (vor allem, wenn - wie es oft passiert - die Notrufstelle einen Hubschrauber anfordert, im Nachhinein die Krankenkasse den Einsatz aber nicht zahlt).

Aber klar ist auch, dass hier seit einigen Jahren, seit die "Privaten" im Winter im Westen aus dem Boden geschossen sind, weniger Geld zur Querfinanzierung da ist...

Wie man das sinnvoll löst, weiß ich auch nicht, da müssen sich die Spezialisten was ausdenken...

Natürlich ist das ein lukratives Geschäft.

Manchmal muss man ja fast glauben, dass die mit den Ärzten irgendeine Vereinbarung haben weil die mittlerweile ja schon fast wegen jedem "Lächerlschass" von Skiunfall einen Helikopter holen.

Verrechnung

Die Flugrettungsunternehmen sollten an Private auch den Kassentarif verrechnen dürfen, damit wäre vielen Patienten schon sehr geholfen.

In einer funktionierenden Sozialdemokratie koennte man ja das Ganze sozial gerecht regeln. Zu bloed.

Die Sozialdemokratie

ist mit Kreisky und Brandt gestorben.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.