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Wien - Melancholisch und düster fließt die Musik des Prologs dahin, nur hier und dort lassen kurze, markante Motive erahnen, was für ein tragischer Machtkampf sich hier anbahnt. Unter den Händen mancher Dirigenten kommt da wenig Spannung auf, bleibt es bei lyrischer Idylle, die nicht so recht zu den martialischen Vorgängen auf der Bühne passen will.
Nicht so bei Paolo Carignani, der an der Staatsoper eine Simon Boccanegra-Serie leitet. Noch das kleinste Detail versieht er mit Attacke und lässt so das Unheilschwangere in Verdis Partitur ebenso deutlich werden wie das Irreale der verklärten Atmosphäre, die er ebenso feinsinnig wie spannungsgeladen ausgestaltet.
Durchgestaltet ist jede Phrase, jeder Ton, und das hochkonzentrierte Staatsopernorchester folgte ihm dabei am Montag auf wunderbare Weise: nicht nur wohltönend, sondern auch mit geradezu schmerzvoller Expressivität. Aus sich heraus gingen auch die Sänger rund um den Rollendebütanten Dmitri Hvorostovsky in der Titelpartie, der seinen nicht überdimensionierten, aber vollen Bariton bis an die Grenze forderte. Immer noch fulminant ist Ferruccio Furlanetto (Fiesco), rollendeckend Francesco Meli (Adorno).
Mit Schwärze in Stimme und Erscheinung, aber zuweilen unerklärlicherweise nicht mit dem Orchester zusammen war Marco Caria (Paolo). Und für Hausdebütantin Marina Poplavskaya (Amelia) begann der Abend zwar mit hörbarer Nervosität, und nur stellenweise klang ihr Sopran in exponierter Lage wirklich frei. Dank einer berückend volltönenden Mittellage sowie technischer und darstellerischer Sicherheit war das aber ein mehr als respektabler Einstand. (Daniel Ender, DER STANDARD - Printausgabe, 7. März 2012)
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