Wiener Riesenradplatz: Teuer, umstritten - aber erfolgreich

6. März 2012, 09:16
  • Der Riesenradplatz im Wiener Prater:
    apa-foto: herbert pfarrhofer

    Der Riesenradplatz im Wiener Prater:

Zufriedenheit bei Unternehmen am Prater-Entree - Zivil- und Strafverfahren anhängig

Wien - Der neue Platz vor dem Wiener Riesenrad gilt gemeinhin als Debakel: Das Prestigeprojekt verschlang statt 32 Mio. Euro letztendlich knapp das Doppelte. Zudem hatte das Kontrollamt im November 2008 Mängel rund um die Vergabe des Bauauftrags kritisiert. Und Architekten bewerteten das Erscheinungsbild schlicht als Kitsch. Trotzdem: Der Riesenradplatz erfreut sich - nur wenige Tage vor der Eröffnung der heurigen Pratersaison - größter Beliebtheit, jedenfalls bei den dort angesiedelten Unternehmen.

Der Countdown läuft. Am 15. März öffnet der Prater wieder seine Pforten: Der Haupteingang liegt am vor knapp vier Jahren errichteten Wiener Riesenradplatz. Als ein "angenehmes Eintreten in den Prater" beschreibt etwa Herbert Schmid, Patron des Restaurants Eisvogel, den umstrittenen Platz. "Vorher war hier nur ein Busparkplatz mit einer WC-Anlage", betonte Schmid im APA-Gespräch. Nun sei der Platz und das Riesenrad beleuchtet. Zudem würde das angrenzende Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds - das im April des Vorjahres seine Pforten öffnete - noch mehr Leute anlocken.

Mit dem Geschäft am bunten Platz ist der Eisvogel-Chef jedenfalls höchst zufrieden: "Wir sind sehr oft ausgebucht", berichtete Schmid.

Dass die "Location" dem Erfolg nicht schadet, bestätigte auch Tussauds-Geschäftsführerin Arabella Kruschinski: "Die Neubespielung des Platzes bringt viele Leute, vor allem aber liegt es gerade an den Sonderaktionen, die den Riesenradplatz beleben, wie etwa der Wintermarkt vor Weihnachten." Insgesamt würde die Zusammenarbeit zwischen der Prater Service GmbH, die den Platz betreibt, und den dort angesiedelten Unternehmen bestens funktionieren. Bei Tussauds ist man über die Besucherfrequenz im ersten Jahr jedenfalls erfreut.

"Veramerikanisierung des Praters"

Die Gestaltung des Pratervorplatzes stößt auch bei Madame Tussauds auf Zustimmung - man könnte sagen: dort erst recht. Denn von den Kritikern waren Schlagwörter wie "Veramerikanisierung des Praters" oder "Wiener Disneyland" verwendet worden. "Zu Madame Tussauds passt das Aussehen vom Vorplatz, wir haben Celebrities und brauchen ein bisschen Glamour", betonte Kruschinski.

Als ein wenig "verträumt, aber passend zu Wien" bezeichnete hingegen Thomas Züchner, Betriebsleiter der dahinterliegenden Diskothek Praterdome den Platz: "Er ist einfach schön, im Stile des 19. Jahrhunderts und weder kitschig noch amerikanisch." Auch Züchner ist mit dem Andrang in seine Großdisco zufrieden.

Veränderungswünsche würde es daher so gut wie keine geben, hieß es gegenüber der APA. Alle Unternehmen bezeichneten den Wintermarkt als gelungene Idee. Lediglich sei die Beleuchtung in den Wintermonaten Jänner und Februar sehr spärlich - besonders während der jährlichen Sperre des Wiener Riesenrads aufgrund von Revisionsarbeiten. Prater-Service-Geschäftsführer Christian Rötzer versicherte auf APA-Anfrage, dass an diesem Problem bereits gearbeitet werde.

Probleme könnte es auch noch rechtlicher Natur geben: Laut Rötzer läuft eine Zivilklage, eingebracht von einem für die Kulissenbauten zuständigen Unternehmen. Konkret geht es um eine nicht beglichene Rechnung in Höhe von 50.000 Euro. "Wir zahlen die Schlussrechnung nicht, weil die eingebauten Fenster und Türen schon bei der Übernahme extrem mangelhaft waren", betonte der Geschäftsführer. Bereits nach zwei Jahren hätten diese schon ausgetauscht werden müssen, weil es durchgezogen hätte.

Auch laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft - laut Rötzer gegen einen Mitarbeiter der Gesellschaft. Ob es zu einem Strafantrag oder einer Anklage kommt, ist noch nicht entschieden, wie auf APA-Anfrage bei der Staatsanwaltschaft betont wurde. (APA)

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Und die Verantwortliche für dieses Debakel ist jetzt fein in Pension.

Rechtzeitig vor der letzten Wahl in Wien wurde sie verabschiedet damit kein Makel auf das korrupte und mit Freunderwirtschaft durchsetzte Rote Wien kommen sollte. Dafür haben die Wiener jetzt die Vassilakou.

das einzige was mir zum prater vorplatz einfaellt...

..ist das interview des gerneralunternehmers seinerzeit im "Trend", in dem er "die Grete" als seine beste Mitarbeiterin titulierte.
in einem zivilisierten land wandern nach einem so oeffentlich ausgeprochenen gestaendnis beide ins gefaengnis, hier denkt sich niemand was dabei, weil korruption seit jahrzehnten toleriert wird und die buerger bereits kapituliert haben...

Eine Beleidigung für Disneyland,

den Platz als Wr. Disneyland zu bezeichnen.

Dem echten Wiener gewidmet

damit man was hat, worüber man gemeinsam sudern kann.

Und die Kaufleute sudern nicht einmal. Denen gefällt das sogar. Was will man mehr?

Na dann hätten sich sich den Vorplatz selbst bezahlen sollen.

Der Dreck wäre uns da wohl erspart geblieben.

..er steht bereits - also ist es kein Fehler, wenn es den Betroffenen, die sich täglich dort aufhalten, auch gefällt..

Nur weil es ein paar Architekten, die dort eh nicht ihren Arbeitsplatz haben, nicht gefällt, werden wir ihn jetzt nicht wieder niederreissen. Aber bitte erst unter Denkmalschutz stellen, wenn er nach mehr als einem halben Jahrhundert seine Funktion noch erfüllen kann. Übrigens: Sobald die öffentliche Hand einen Auftrag vergibt, wird er zu einem finanziellen Loch ohne Boden. Da können die Kaufleute nichts dafür.

... im Stile des 19. Jahrhunderts ...

auf welchen planeten?

wurscht, dann ist es halt der Stil des 21. Jahrhunderts..

Hauptsache es gefällt wenigstens den betroffenen Geschäftsleuten. Die müssen sich das ja täglich anschauen. Den Architekten mit anderem Geschmack empfehle ich, den Prater erst einmal zu meiden, oder sich an das Ding zu gewöhnen. In Wien wurde in den letzten Jahren genau von solchen Architekten Dinge gebaut, die für mich mehr als gewöhnungsbedürftig sind. Die neue, schiefe Wirtschaftsuniversität ist zwar ein gutes Symbol für diese schräge Wissenschaft, eine Augenweide ist sie für mich persönlich aber nicht gerade...

Die Wirtschaftsuni ist auch für international orientierte, geistig oder altermäßig

junge Menschen gedacht.
Die wollen in hochklassiger Architektur werken und wirken, nicht in Provinzdorfdekorationen.

Sie ist wahrscheinlich ein Symbol für die derzeitige Krise

Da in der derzeitigen Finanzwelt alles schief läuft, ist sie schief gebaut worden. Ein Turm in Pisa ist dafür sogar berühmt geworden.

..manchen gefällt es -anderen nicht...

Das war in der Architektur schon immer so. Neu ist, dass dank des Denkmalschutzes auch Bauten, die vielen Menschen nie gefallen haben, um jeden Preis erhalten werden (Beispiel: Stadthalle). Wenn der Vorplatz jenen gefällt, die ihn zwangsläufig jeden Tag anschauen müssen - nämlich den Geschäftsleuten, so ist das mehr, als viele Neubauerrichter der letzten Jahrzehnte von sich behaupten können. Sollte der Kitsch in ein paar Jahrzehnten den Betroffenen nicht mehr gefallen, so wird hoffentlich kein falsch verstandener Denkmalschutz eine Neugestaltung verhindern.

ein wort: geschmacklos

Das Wort passt zu vielen Gebäuden, die in den letzten Jahrzehnten errichtet wurden. Ich persönlich finde die Stadthalle genauso "gruselig", von Alterlaa ganz zu schweigen. Die neue Konzerthalle im Augarten und die schiefe Wirtschaftsuniversität passen da auch zu den vielen "Geschmacklosigkeiten".

dieser platz ist überhaupt kein erfolg

jeder, wirklich JEDER, mit dem ich dort zufällig vorbeigehe, schüttelt sich beim anblick dieses platzes vor grusel. die leute, die sowas gur finden, sind eher das falsche publikum für einen wiener wurschtlprater.
im übrigen bin ich der meinung, diese "gemäuer" sollen abgerissen werden!

wie kann das nicht erfolgreich sein?

dort befinden sich das riesenrad,
der prater selbst (nona), madame tussauds, der praterdome, im winter glühweinstände etc.

und das ganze liegt an einem zentralen
verkehrsknoten punkt, dem praterstern.

bei den vorraussetzungen ist es ja fast
unmöglich, dass leute wegen dem
(wirklich hässlichen) pratervorplatz
fernbleiben.
da muss man halt durch(gehen),
bleibt einem ja nix anderes übrig.

Wenn sie so nett wären

und das "wirklich hässliche" dieser Vorstadt aus ihrem persönlichen, subjektiven Ästhetikempfinden beschreiben. Ich denke, dass Kitsch auch seine Berechtigung hat, wenn darauf Kitsch in allen Facetten folgt (Schießbuden, Kulissen, Geisterbahnen, Spielautomaten etc.) . Niemand will einen COOP-Himmelb(l)au als Entree eines Vergnügungsparks. Kitsch hat schon seine Berechtigung, wie auch in der Werbung, wenn Kaufanreize platziert werden. Ein Feld, das par excellence für die sogar gezielt kalkulierte Anwendung von Kitsch ist. Und mal ganz ehrlich, wem gefallen demnächst die kitschigen Ostereierlein nicht?

wem gefallen demnächst die kitschigen Ostereierlein nicht?

moi ...

ah, Faberge?

Ich find den Vorplatz nicht schlecht, aber das ändert nichts daran, dass bei der Vergabe einiges nicht so gelaufen ist wie es sollte und die Kosten einfach viel zu hoch waren!

Man kann ein Projekt gut finden und trotzdem politische Hygiene fordern!

Stimmt genau! Ich war zuerst auch skeptisch (Wiener halt...), aber jetzt find ich den Vorplatz ganz nett und passend. Aber, und darauf kommts an, der Zweck heiligt eben nicht alle Mittel!

"Architekten bewerteten das Erscheinungsbild schlicht als Kitsch"

.
hallo?
es ist der (wurstel)prater!
und nicht das 21er-haus oder der bahnhofsvorplatz ...

völlige zustimmung - DORT passt genau dieser vorplatz.

Der Prater war schon IMMER kitschig und amerikanisiert. Das war die Gründungsidee dieses Vergnügungspark. Den ganzen Raunzern von ÖVP und FPÖ ist zu vergönnen dass der Platz so ein Erfolg wurde.

der patz ist deswegen kein erfolg..

weil eisvogel und wachsfigurenkabinett den landläufigen pratergeher gegen null interessieren.

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