Wiener Riesenradplatz: Teuer, umstritten - aber erfolgreich

  • Der Riesenradplatz im Wiener Prater:
    apa-foto: herbert pfarrhofer

    Der Riesenradplatz im Wiener Prater:

Zufriedenheit bei Unternehmen am Prater-Entree - Zivil- und Strafverfahren anhängig

Wien - Der neue Platz vor dem Wiener Riesenrad gilt gemeinhin als Debakel: Das Prestigeprojekt verschlang statt 32 Mio. Euro letztendlich knapp das Doppelte. Zudem hatte das Kontrollamt im November 2008 Mängel rund um die Vergabe des Bauauftrags kritisiert. Und Architekten bewerteten das Erscheinungsbild schlicht als Kitsch. Trotzdem: Der Riesenradplatz erfreut sich - nur wenige Tage vor der Eröffnung der heurigen Pratersaison - größter Beliebtheit, jedenfalls bei den dort angesiedelten Unternehmen.

Der Countdown läuft. Am 15. März öffnet der Prater wieder seine Pforten: Der Haupteingang liegt am vor knapp vier Jahren errichteten Wiener Riesenradplatz. Als ein "angenehmes Eintreten in den Prater" beschreibt etwa Herbert Schmid, Patron des Restaurants Eisvogel, den umstrittenen Platz. "Vorher war hier nur ein Busparkplatz mit einer WC-Anlage", betonte Schmid im APA-Gespräch. Nun sei der Platz und das Riesenrad beleuchtet. Zudem würde das angrenzende Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds - das im April des Vorjahres seine Pforten öffnete - noch mehr Leute anlocken.

Mit dem Geschäft am bunten Platz ist der Eisvogel-Chef jedenfalls höchst zufrieden: "Wir sind sehr oft ausgebucht", berichtete Schmid.

Dass die "Location" dem Erfolg nicht schadet, bestätigte auch Tussauds-Geschäftsführerin Arabella Kruschinski: "Die Neubespielung des Platzes bringt viele Leute, vor allem aber liegt es gerade an den Sonderaktionen, die den Riesenradplatz beleben, wie etwa der Wintermarkt vor Weihnachten." Insgesamt würde die Zusammenarbeit zwischen der Prater Service GmbH, die den Platz betreibt, und den dort angesiedelten Unternehmen bestens funktionieren. Bei Tussauds ist man über die Besucherfrequenz im ersten Jahr jedenfalls erfreut.

"Veramerikanisierung des Praters"

Die Gestaltung des Pratervorplatzes stößt auch bei Madame Tussauds auf Zustimmung - man könnte sagen: dort erst recht. Denn von den Kritikern waren Schlagwörter wie "Veramerikanisierung des Praters" oder "Wiener Disneyland" verwendet worden. "Zu Madame Tussauds passt das Aussehen vom Vorplatz, wir haben Celebrities und brauchen ein bisschen Glamour", betonte Kruschinski.

Als ein wenig "verträumt, aber passend zu Wien" bezeichnete hingegen Thomas Züchner, Betriebsleiter der dahinterliegenden Diskothek Praterdome den Platz: "Er ist einfach schön, im Stile des 19. Jahrhunderts und weder kitschig noch amerikanisch." Auch Züchner ist mit dem Andrang in seine Großdisco zufrieden.

Veränderungswünsche würde es daher so gut wie keine geben, hieß es gegenüber der APA. Alle Unternehmen bezeichneten den Wintermarkt als gelungene Idee. Lediglich sei die Beleuchtung in den Wintermonaten Jänner und Februar sehr spärlich - besonders während der jährlichen Sperre des Wiener Riesenrads aufgrund von Revisionsarbeiten. Prater-Service-Geschäftsführer Christian Rötzer versicherte auf APA-Anfrage, dass an diesem Problem bereits gearbeitet werde.

Probleme könnte es auch noch rechtlicher Natur geben: Laut Rötzer läuft eine Zivilklage, eingebracht von einem für die Kulissenbauten zuständigen Unternehmen. Konkret geht es um eine nicht beglichene Rechnung in Höhe von 50.000 Euro. "Wir zahlen die Schlussrechnung nicht, weil die eingebauten Fenster und Türen schon bei der Übernahme extrem mangelhaft waren", betonte der Geschäftsführer. Bereits nach zwei Jahren hätten diese schon ausgetauscht werden müssen, weil es durchgezogen hätte.

Auch laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft - laut Rötzer gegen einen Mitarbeiter der Gesellschaft. Ob es zu einem Strafantrag oder einer Anklage kommt, ist noch nicht entschieden, wie auf APA-Anfrage bei der Staatsanwaltschaft betont wurde. (APA)

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