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vergrößern 800x600Sakai-San und sein Montagmittagsbuffet
Unkai zum Durchkosten, Menü für 31 Euro

Der Yakuzen-Tee. Nicht verwechseln mit Yakuza

Neuneinhalb Sushi-Wochen (wer den Basinger-Film noch kennt, Müller fand sie damals sehr jung sehr toll)
Im Jalousienbild (von links): Donburi Sushi mit Lachsflocken, Nigiri mit Tintenfisch und, ja, mit Thun

Tintenfisch gebacken (ja, so sagte der Maitre), Huhn und Lachsrogen, geräuchert

Das muss der Aal gewesen sein, sehr fein

Thunfisch. Der beste, den Müller bisher hatte, sagt er. Schon sehr gut

Die Sardine laut Chef, laut Karte Sillago


Dreimal Dessert - Creme Brulee vom schwarzen Sesam, unser beider Favorit, daneben Anmitsu-Gelee mit frischen Früchten und Miso Panna Cotta

Und schon wegen der schönen Farbe, freigelegt noch einmal - das Anmitsu-Gelee

Und das war noch der Bonus-Track - Creme vom Grünen Tee mit Karamellschaum

Szenenwechsel ins Daihachi - das sollte Janometeikon gewesen sein. Schmeckt entgegen der Ankündigung gut, lässt Google aber rätseln
Sushi Daihachi
Hessgasse 7
1010 Wien
01 317 99 81
Zu zweit mit viel Tee, wenig Wein, Wasser und Kaltfisch satt: 76,50 Euro

Kamabok. Auch nicht so unverständlich wie angekündigt

Aal eine Freude, Lachs auch sehr fein
Warum lädt mich Tobias Müller zum Essen ein? Der Tobias Müller. Ja, die zeitgemäße österreichische Antwort auf Günter Wallraff, die deutsche Inkognito-Aufdeckerlegende. Jener Kollege also, dem der HaCehEss letztens bei dieser doch etwas umstrittenen Tanzveranstaltung erklärte, dass die rechten Recken hier die neuen Juden seien. Was wollte mir der Müller entlocken, als er vorschlug, das Chef's Menü im Unkai zu testen? Da heißt es: Hüte deine Zuge - was beim Essen natürlich besonders schwer fällt. Perfid.
Inside Schmecks? Igitt!
Hat Müller nicht zwischen Spicy Tuna und Reiskeksmitlachsflakes mehr zu sich etwas von "Inside Schmeck's" gemurmelt? In dem Moment war mir alles klar. Ich hätte ihm nicht erzählen sollen, dass ich nun doch begonnen habe, das Grüne Buch zu lesen. Jenes Grüne Buch, das mir eine Expertin für internationale Beziehungen, Menschen- und Tierrechte am 19. August 2010 mit aufklärerischer Verve zugesteckt hat.
Das Grüne Buch
Nein, nicht den Koran. Auch kein Schlüsselwerk von Herrn Gaddafi. Hier grünt: Jonathan Safran Foers "Tiere essen". Ich bin immerhin schon auf Seite 230. Meine Freude an Fisch, Huhn und Schwein ist nicht ganz ungetrübt, muss ich zugeben. Der Schmeck's-Rabiator zeigt einen Anflug von Innehalten, womöglich Reue, gar Erkenntnis?
Die Nadel im Rückenmark
Doch das reicht Müller noch nicht. "Aber geh, man findet doch für alles anständige Produzenten", stachelt er mich an. Jener Müller, der letztens im Aubergine zwanglos von japanischen Fischtötungsmethoden berichtete, bei denen, wenn ich mich recht erinnere, eine Nadel im Rückenmark (des Fisches) eine wesentliche Rolle spielt.
Kopf abreißen
Ich gehe prompt in seine Falle. So sehr mich der brutale Umgang mit Schlachttieren erschüttert, so sehr hat mich mitten in Foers Schilderung eines seiner Beispiele etwas überrascht: Dass Schlachter Hühnern schon den Kopf abgerissen hätten, ist natürlich alles andere als ein feiner Zug, vor allem bei langsamer Ausführung, über deren Geschwindigkeit sich Foer aber nicht äußert. Aber nach meiner Beobachtung war die Tötung von Federvieh auf Bauernhöfen per Kopf nehmen und rasch Hals umdrehen kein Einzelfall. "Fidler reißt Huhn Kopf ab", entwirft Müller eine Headline. Im Scherz, bedeutet er mir. Na, hoffentlich macht er nicht Ernst.
Schnitt
Schnitt. Strache ist zu ernst, um über ihn zu blödeln. Tierleid auch. Wenn ich mir das bisher bei Foer so Gelesene durch den Kopf gehen lasse, von Schleppnetzen und Langleinen und Ringwadenfischerei und sogenanntem Beifang und Medikamentenlachs, dann bin ich hier eigentlich ganz falsch - großes, wirklich großes Montagsbuffet von Chefkoch Sakai-San, das unten in der Erdgeschoßdependance stattfindet. Fisch, sehr sehr viel Fisch. Viel Thunfisch zudem. Und Huhn. Und ich kann nicht widerstehen.
Fidler zeigt Schwäche
Im Gegenteil. Ich koste mich durch Oktopus gebacken (mit einer überraschenden Bratlfettnote, finde ich, aber im Vergleichen bin ich ähnlich gut wie im Essen mit Anstand) und mit eingelegtem Gemüse, Huhn mit Teriyaki-Sauce und Mayo, ebenfalls auf einem fetten Maki wie eingelegter Lachsrogen, japanischer Schwarzwurzelsalat und Krabben mit Krautsalat, die, wenn ich das noch richtig identifiziere, knallfrühlingsgrün daherkommen. Und wie "Spicy Tuna", dessen cremig-spicige Begleitung mich ein bisschen an würzigeren Liptauer erinnert. Wie gesagt, die Vergleiche ...
Ich koste mich in meiner Gier - wie Müller mit etwas mehr Anstand - durch die Reisteigschüsselchen, auch wenn sie sich gar ungern von ihrem Unterteller trennen. Muss wohl Klebreis mitgespielt haben. Die Schüsselchen beherbergen viel Reis, wie Müller anmerkt, und unterproportional viel Fisch. Wobei mir der Negi-Toro (schon wieder Thunfisch, mit gleichnamiger Zwiebel) am spannendsten schien, auch der Aal mit Gemüse sehr erfreulich, für den alten Aalfreund Müller sogar noch sehrer. Bei den Lachsflocken fiel das reisige Übergewicht besonders auf.
Wenn der Wasabi auskommt
Nigiri Sushi wär auch noch zu verkosten. Den Lachs ließ ich mit Absicht aus (ein schwacher Trost bei diesem Fischmassaker), den Tintenfisch leider. Wie konnte das passieren? Müller war davon schließlich ziemlich begeistert. Hin und weg der Kollege freilich von - schon wieder - den Thunfisch-Sushi. Für Sardinen, eigentlich mein Favorit in dieser Disziplin, schien ihm nicht der Tag zu sein. Mich störte daran (wie ihn am Tintenfisch), dass dem Sakai-San da und dort der Wasabi ausgekommen schien. Schon recht scharf, die Sache, stellenweise.
Wir meckern hier auf recht hohem Niveau, stelle ich gerade fest. Vielleicht hatten wir uns aber auch mehr erwartet. Überraschendere Geschmäcker. Oder, ich jedenfalls, weil der Müller ja zum Glück nicht dabei war, überraschende Beschreibungen wie letztens im Daihachi, das ich nun endlich doch einmal probiert habe.

Zwischenschnitt: Daihachi
Während der Chef dort neben der Sushischnitzerei versucht, zwei junge, überraschend trink-, jedenfalls aber sitzfeste Japanerinnen mit Rotwein einzutrankeln und später auch noch mit Wodka, erklärt uns die überaus nette Servierkraft: Was wir da gerade bestellen wollen, wird uns Europäern ziemlich sicher nicht schmecken. Das wollen wir jetzt aber genau wissen.
Immerhin: Auch "Japanfoodaddict" beschreibt Itawasa alias Kamboko als "vermutlich eine der am schwersten zugänglichen Speisen". Weiß nicht, warum recht hart gedämpfte Surimistückerln in sattem Pink so ein Problem sein sollen, und meine ebenso charmante wie beherzte Mitesserin schon gar nicht.
Macht Google sprachlos
Noch schwerer zugänglich findet unsere Fachkraft hier freilich Janometeikon. Google jedenfalls bringt das Wort komplett aus dem Konzept - kein einziger Treffer in dieser Schreibweise. Nicht einmal Vorschläge in anderer. Danke, Daihachi! Dass ich das noch erleben darf! Und mit so einfachen Mitteln: ein bisschen Reis, ein bisschen getrockneter, geschabter Fisch (wenn ich mich da jetzt nur richtig erinnere), darauf Fischrogen. Sehr gut. Vielleicht sind wir ja weniger Europäer, als wir dachten.
Die Probierfreude meiner Begleitung verlangt nach Aal, den sie bisher nicht auf Sushi kannte. Und nicht nur Müller würde ihr diese Entscheidung danken. Es gibt ziemlich übles Sushi mit kaltem, hartem, unerfreulichem Aal. Und es gibt diesen warmen, cremigen, wundervollen Artgenossen. Eine Pracht.
Koste sie, was sie wolle
Kostende soll man nicht aufhalten, im Gegenteil: In einem mir weitgehend unbekannten Anflug von Selbstlosigkeit dränge ich ihr meinen - meist - Liebling unter den Kaltfischreiskombinationen auf, den ich trotz aller Liebe noch immer nicht benennen kann. Also, Kundige vor: diese rot-weiße, sehr knackige (ich vermute) Muschel - wie heißt die noch mal?
Ich bin in Gedanken noch ganz bei den schönen Kostproben im Daihachi, als Müller mir praktisch nebenbei das bestgehütete Geheimnis von Schmeck's entlockt: Ja, ich esse Desserts. Wenn sie a) nicht so fürchterlich süß sind wie die meisten ihrer Art. Und wenn ich sie b) spannend finde - wie zum Beispiel Anmitsu-Gelee mit frischen Früchten. Ein Miso-Panna-Cotta. Dann auch noch als Draufgabe eine Grüntee-Creme mit Karamell-Milch und -Schaum. Und vor allem eine Crème brulée von schwarzem Sesam. Die loben Müller und ich im Chor. Das könnte ihn davon abhalten, meine allerdunkelsten Seiten preiszugeben. Die mit den Hühnerköpfen. Und die mit den Desserts.
Und wo bleibt die Yakuza?
Und wo bleibt jetzt die Yakuza? In der Kanne. Was Google mir nämlich dann doch wieder erklärt, ist der feine Unterschied zwischen der japanischen Mafia, die man aus auch eher brutalen Filmen kennt, und medizinisch gemeinten Speisen.
Der Hot Sake Yakuzen hätte vermutlich wesentlichere Wirkung entfaltet, wenn ich ihn mittags mit Reiswein konsumiert hätte, wie das die kleinen Reklameschilder auf den Tischen nahelegen. Zwängler, der ich bin, trinke ich a) mittags lieber keinen Alkohol, wenn ich noch arbeiten will, und b) in der persönlichen Fastenzeit ohnehin nicht. Geht auch mit Tee, erfahre ich, und erprobe ein doch ziemlich süßes Heißgetränk mit ordentlich Goji-Beeren und Datteln. Interessant, aber dann doch bitte lieber gleich ein Dessert.
Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
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