Obama hält sich alle Optionen offen

6. März 2012, 08:27
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US-Präsident hielt sich nach seinem Treffen mit Israels Premier Netanjahu die militärische Option offen.

Mit lässig verschränkten Beinen sitzt Barack Obama vor dem Kamin des Oval Office. Neben dem US-Präsidenten, deutlich angespannter, der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu. Das Wort von der Schlüsselbegegnung macht die Runde, vom wichtigsten Treffen der beiden Politiker ist die Rede, von einer Weichenstellung im Konflikt mit Iran. Für den Gastgeber ist es vor allem eines: ein verbaler Balanceakt zwischen Sicherheitsgarantien für den jüdischen Staat und der Mahnung, es nicht zum Krieg kommen zu lassen.

Jeder wisse, aus israelischer Sicht sei es nicht akzeptabel, dass ein Land Kernwaffen besitze, das zur Zerstörung Israels aufgerufen habe, sagt Obama. Es liege aber auch im Interesse der Vereinigten Staaten, einen nuklear bewaffneten Iran zu verhindern. Washington wolle keinen atomaren Rüstungswettlauf in einer der unberechenbarsten Regionen der Welt. Es wolle nicht, dass ein Regime wie das iranische, ein staatlicher Sponsor des Terrorismus, als Nuklearmacht noch aggressiver auftreten könne. Zugleich betont der US-Präsident die Notwendigkeit internationaler Diplomatie.

"Wir glauben, dass es noch immer ein Fenster für eine diplomatische Lösung gibt. Letzten Endes muss das iranische Regime eine Entscheidung treffen, ob es sich in diese Richtung bewegt." Er halte sich, so Obama, alle Optionen offen, die militärische eingeschlossen. Er verstehe aber auch, welch hoher Preis bei einer bewaffneten Aktion zu zahlen sei.

Netanjahu unterstreicht seinerseits das Recht Israels, sich aus eigener Kraft gegen jegliche Gefahr verteidigen zu können. Darin bestehe ja der Sinn des jüdischen Staates: "die Kontrolle über unser Schicksal zu haben".

Es sind Sätze, die allenfalls andeuten, was sich hinter den Kulissen an Differenzen auftut. Zwölf Stunden Vorlaufzeit will Netanjahu seinem wichtigsten Verbündeten geben, so sollen es israelische Politiker US-Generalstabschef Martin Dempsey mitgeteilt haben. Falls es stimmt, dann ist die Frist so knapp bemessen, dass Obama den Angriffsbeschluss nicht mehr ernsthaft infrage stellen könnte.

Es ist das Szenario eines Hasarspiels, ein Albtraum für das Oval Office. So diplomatisch es der Gastgeber vorm Kamin formulierte, so schnörkellos hatte er es tags zuvor auf einem Kongress der stärksten pro-israelischen Lobbygruppe der USA gesagt. Es gebe schon viel zu viel "loses Gerede" über die Möglichkeit eines Krieges gegen den Iran, warnte Obama auf der Jahreskonferenz des American Israel Public Affairs Committee. Zunächst müssten die internationalen Sanktionen, die härtesten jemals beschlossenen, ihre Wirkung entfalten. "Dies ist nicht die Zeit für Getöse. Es ist die Zeit, um verstärkten Druck wirken zu lassen." (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 6.3.2012)

  • Israels Premier Netanjahu und US-Präsident Obama in Washington: Bei ihrem siebenten Treffen ging es nur um den Atomstreit mit dem Iran – ein zwischen beiden Ländern strittiges Thema.
    foto: reuters/reed

    Israels Premier Netanjahu und US-Präsident Obama in Washington: Bei ihrem siebenten Treffen ging es nur um den Atomstreit mit dem Iran – ein zwischen beiden Ländern strittiges Thema.

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