"Lesen am Bildschirm bleibt kostenfrei"

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Die schwarz-gelbe Koalition in Deutschland hat den Beschluss gefasst, News-Aggregatoren für die Verbreitung von Zeitungsartikeln künftig zahlen zu lassen

Das Leistungsschutzrecht (LSR) hatte sich die deutsche Bundesregierung bereits in den Koalitionsvertrag geschrieben. Sonntagabend fasste die Koalition aus CDU/CSU und FDP den Beschluss, die umstrittene Maßnahme auch umzusetzen. News-Aggregatoren wie Google News aber auch Presse- und Feuilletonschauen wie Perlentaucher sollen künftig von einer Verwertungsgesellschaft zur Kasse gebeten werden. Die private Nutzung von Presseerzeugnissen im Netz sei "nicht vergütungspflichtig", steht im Beschlusspapier des Koalitionsausschusses:

"Gewerbliche Anbieter im Netz, wie Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren, sollen künftig für die Verbreitung von Presseerzeugnissen (wie Zeitungsartikel) im Internet ein Entgelt an die Verlage zahlen. Damit werden die Presseverlage an den Gewinnen gewerblicher Internet-Dienste beteiligt, die diese - mit der bisher unentgeltlichen - Nutzung der Verlagserzeugnisse erzielen. Auch die Urheber sollen eine angemessene finanzielle Beteiligung an der Verwertung des Leistungsschutzrechtes erhalten. Einzug und Verteilung der Entgelte soll über eine Verwertungsgesellschaft erfolgen. Die Schutzdauer soll ein Jahr betragen.

Die private Nutzung von Presseerzeugnissen im Internet wird nicht vergütungspflichtig, normale User werden also nicht betroffen sein. In der gewerblichen Wirtschaft bleiben das Lesen am Bildschirm, das Speichern und der Ausdruck von Presseerzeugnissen kostenfrei."

Zustimmung kommt vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Ein solches Recht sei im digitalen Zeitalter unverzichtbar, um die Leistung von Journalisten und Verlegern zu schützen, heißt es in einer Erklärung. Weiters sei es eine Bedingung für den Erhalt der freien und staatsunabhängig finanzierten Presse.

"Die Zeit des verschenkten Journalismus ist vorbei", kommentierte Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer für den Bereich "Public Affairs" der Axel Springer AG, die Einigung, die allerdings nicht von allen positiv gesehen wird.

"Axel Springer kauft Leistungsschutzrecht bei Koalition", schreibt Markus Beckedahl, Vorsitzender des Vereins Digitale Gesellschaft e.V., in seinem Blog netzpolitik.org. Als "schwarzen Tag für das Urheberrecht in Deutschland" bezeichnet Philipp Otto die Entscheidung der Koalition im Blog iRights.info.

"Dem Vorhaben fehlt jede innere Logik", kritisiert Journalist und Blogger Stefan Niggemeier. "Das ist etwa, als müssten die Gelben Seiten den Unternehmen dafür zahlen, dass sie ihre Informationen aufnehmen dürfen. Als müsste der Busfahrer dem Kirmesbetreiber Geld dafür geben, dass er die Kunden zu ihm bringt."

Die "Bundesregierung erspart Verlegern Innovation" kommentiert Kai Biermann von Zeit Online. Er sieht im geplanten Leistungsschutzrecht auch eine Gefahr für die Informationsfreiheit und eine Einschränkung des Zitatrechts. 

Eric Schmidt, früherer CEO von Google, befürchtet, dass die Regulierung die Verbreitung des Internets bremsen könnte, berichtet meedia.de.

Mögliche Auswirkungen auf die Bloggeria zeigt Rechtsanwalt Stephan Dirks im Branchenblatt W&V auf. Ein Blog das sich mit Werbeeinblendungen finanziere, könnte auch unter den Geltungsbereich des Leistungsschutzrechtes fallen. Dass Urheber die Verwendung von Snippets (Textauszügen) dulden müssen, Verlage aber eine Vergütung durch das Leistungsschutzrecht bekommen würden, könnte  sogar verfassungswidrig sein, erklärt Dirks.

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17 Postings
da hat wohl eine Regierung Angst vor News

und möchte deren Verbreitung behindern

Server in Österreich aufstellen, liebe geknechtete Bundesbürger!

hihi und was, wenn google sagt, nö, dann zeigen wir eure seiten eben nicht mehr an, wenn wir dafür zahlen müssen?

In Belgien haben's das schon gemacht.

http://www.golem.de/1107/85019.html

haha

danke für den artikel
was für eine doppelmoral der verleger:

nein, bitte auf google news darfst du unsere website nicht auslesen und auf uns verlinken (!) aber bei der normalen websuche darfst du das schon

google reagiert richtig, wenn es die medien auf eigenen wunsch ausschließt

opt-in

ich bin dafür, dass google die onlineportale deutscher zeitungen opt-in macht.

Wie bitte... was?

Ich dachte, das läuft so:

Jeder, der eine Internetseite hat, baut darauf, viele Leser zu erhalten. Unter anderem, weil damit die Erträge aus den Werbeschaltungen steigen.

Also war Google "gut".

Jetzt auf einmal ist es ganz genau deswegen "böse"?

Nun. Dann wird eben Google nicht mehr auf die Seiten verweisen, weniger Leute werden diese finden, und die Erträge aus Anzeigen gehen zurück.

Ehrlich: Wer was er schreibt nicht lesen lassen will, soll es nicht gratis online stellen. Pasta. Die Möglichkeit gibt es ja, seine Kunden zur Kassa zu bitten.

Ich stells mir grad vor, dass jeder für Google-Werbung zahlen müsste...

was für ein "Eulenspiegel - Gesetz"

Fassen wir zusammen:
- Die Verlage stellen ihre Inhalte ohne Zugangshürden ins Internet. Jeder Mensch und jede Maschine kann darauf zugreifen und die Verlage tun auch nichts um das zu verhindern.
- In der robots.txt könnten die Verlage festlegen, dass Google und andere Suchmaschinen ihre Inhalte nicht durchsuchen sollen. Die Verlage tun das nicht.
- Viele Verlage beauftragen Firmen um bei den Google Suchergebnissen weiter oben zu stehen und so mehr Klicks zu bekommen.

Schlussfolgerung: Google ist böse und muss den Verlagen Geld zahlen.

Logisch finde ich das nicht.

Willkommen im letzten Jahrhundert.

S.g. Redaktion+Forum

der link zu iRights:
http://www.irights.info/

besten Gruß
T.

Sabine Bürger
00

Korrigiert. Besten Dank für den Hinweis!

wie absurd ist das denn ?!
Die Verlage stellen die Nachrichten ja frei verfügbar ins Netz, wieso soll eine Seite die darauf verlinkt zahlen?? Und bekommen BloggerInnen dann auch Geld?

Ist eigentlich verlinken schon eine "Verbreitung von Presseerzeugnissen" oder bezieht sich das nur auf das (heraus)kopieren des Textes?

Zu alt und zu behäbig.

Wenn Du zu alt und zu behäbig bist, um Dein Geschäftsmodell der Zeit anzupassen, dann passe die Welt an Dich an.

Es geht immer nur um Kohle ...

Ich hoffe Google listet die Seiten nicht nur aus, sondern sperrt sie auch noch ;)

Und zudem sind es ja nicht einmal ganze Artikel, sondern eben nur Auszüge aus selbigen. Wer es komplett lesen will, muss weiterhin auf die Seiten wechseln - auf denen die Nachrichten veröffentlicht wurden.

Da geht es wohl offensichtlich darum, ein wenig Geld am dürren Online-Markt zu lukrieren, der durch die geblockte Werbung immer schwerer erzielbar ist. Und da hat man nun eine gewiße Handhabe - Auszug gegen Geld, für den Aggregator.

Ein Hoch auf die Lobbyisten!

Wer den Wandel der Zeit verpasst, der braucht eben Hilfe vom Gesetzgeber.

Das habe ich mir auch gedacht, nur die sollten

aufpassen, dass das Gesetz nicht dazu führt, dass die News"erzeuger" nach der Reihe eingehen.

Sollte Google ihre "Werbung" (die zeigen doch immer nur minimale Ausschnitte der News und verweisen dann auf die Quelle) einstellen, sinken augenblicklich die Besucherzahlen auf den Seiten der Newserzeuger und kurz darauf deren Werbeeinnahmen.

Rechnen dürften die nicht können.

Man schaltet den Verlegern ja die Rechner auch an ..

.. woher sollten die denn auch wissen, wie das Teufelszeuchs so funktioniert?

Genau... das ist dieses:

"Ahhh, die Maus bewegt sich nicht, ruf den Systemadministrator an!" -Ding.

Oder das:

"Nun hab ich alle Verknüpfungen auf die DVD gespeichert, und wenn ich die Daten auf einem anderen Rechner aufmache, sind sie nicht da." - Ding

Klingt vielleicht böse, aber ich meine: Menschen, die bis zu ihrem 25. Lebensjahr nicht mit einem Computer auf Du & Du waren, sollten keinerlei Politik darum treiben. Leider ist die 50+ Generation aber grad am "wirken" und glaubt, weil sie sich das Greibl mit 40 ins Wohnzimmer stellten, kennen sie sich aus.

Bin gespannt wieviel Werbekunden abspringen, von Seiten die sich von Google auszahlen lassen... denn Google ist deren Freund.

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