Junge Flüchtlinge dürfen nicht zur Schule gehen

4. März 2012, 11:18
  • Asylwerber im Kurs: Ihre Integration ist unerwünscht.
    foto: heribert corn

    Asylwerber im Kurs: Ihre Integration ist unerwünscht.

Nach Unterrichtsreform für Migranten fehlen in Wien Kursplätze für Asylwerber

Wien - In Wien werden mehrere hundert Jugendliche mit nichtösterreichischem Hintergrund bald ein gravierendes Problem mit dem Schulbesuch bekommen, warnt Martin Wurzenrainer vom Wiener Integrationshaus. Nicht etwa, weil sie zum Schwänzen neigten, sondern ganz im Gegenteil: "Viele junge Asylwerber werden nicht mehr zur Schule gehen können, weil es für sie keinen Unterricht mehr gibt - konkret immer weniger Plätze in Deutsch- und Hauptschulkursen", sagt der Fachbereichsleiter Bildung der Flüchtlingshilfsinstitution.

Für die jungen Leute werde sich das "verheerend und zerstörerisch" auswirken, schreibt Heinz Fronek von der NGO Asylkoordination in einem Brief an die Stadträtin Sandra Frauenberger (SP). Denn Deutschlernen und Schulbesuch seien für junge Asylwerber derzeit die einzigen möglichen Beschäftigungen.

"Zu Untätigkeit verurteilt"

"Der Arbeitsmarkt ist ihnen de facto verschlossen, also dürfen sie keine Lehre machen", schildert Fronek dem Standard. Ohne Zugang zu Bildungsmaßnahmen wären die Jugendlichen also "in dieser für ihre Zukunftsplanung zentralen Zeit" zu absoluter Untätigkeit verurteilt - " und das vielfach über Jahre, weil Asylverfahren immer noch lang dauern".

Hintergrund des Schul- und Kursplatzmangels für Asylwerber ist paradoxerweise eine Verbesserung des Angebots für Andere. Seit Jänner 2012 können gering qualifizierte Österreicher sowie Migranten mit Niederlassungsbewilligung auf Grundlage einer Bund-Länder-Vereinbarung den Pflichtschulabschluss nachholen sowie ihre Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse aufwerten - Letzteres gratis. Asylwerber gehören nicht zur Zielgruppe: Solange sie im Verfahren sind, sollen sie sich nicht integrieren, lautet die Linie des Innenministeriums.

Verringerte Schülerhöchstzahl

Daher kamen junge Asylwerber bisher nur auf freigebliebenen Restplätzen in geförderte Maßnahmen - und solange die Betreuer-NGOs es bezahlen konnten. Diese Restplätze fehlen jetzt: Um die Unterrichtsqualität zu erhöhen, wurde in den neu finanzierten Kursen, die in Wien oft in den Volkshochschulen stattfinden, die Schülerhöchstzahl verringert.

Als Ausweg würden einzelne NGOs bereits ehrenamtlich organisierte Kurse ins Auge fassen, erzählt Wurzenrainer. Er meint, dass sich der Lernausschluss im Herbst weiter zuspitzen und auch auf andere Bundesländer übergreifen wird. Derzeit werde das Problem totgeschwiegen. Doch im Büro Frauenberger, bei der MA 17 und bei den Wiener Volkshochschulen reagiert man erstaunt: Problem habe man noch keines wahrgenommen. (Irene Brickner, DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.3.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 112
1 2 3
ad docw, armin delmenhorst, ND1 und andere F-Gläubige

Jugendliche, die es von Afghanistan bis Österreich schaffen, sind keine Wirtschaftsflüchtlinge, sondern echte Flüchtlinge im Sinne der Menschenrechtskonvention. Manche werden nach Ungarn abgeschoben, wo sie in Gefängnissen interniert werden, obwohl der EUGH und die Helsinki-Kommission dies als menschenrechtswidrig bezeichnet haben.
Die Ungarn 1956, die Tschechoslowaken 1968 und die Polen 1980 wurden umgehend nach Kanada, USA und Australien abgegeben, die waren nur sehr kurz in Österreich. Kanada freute sich über die neuen Bürger, denn sie waren durchwegs hochqualifiziert, Österreich hat bis heute nicht kapiert, dass es durch den Weitertransport viele wertvolle Menschen verloren hat. Unsere Aufnahmebereitschaft ist ein Märchen!

Im Sinne der UN-Menschenrechtskonvention hätten diese Menschen in Griechenland, Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Italien, Schweiz, Liechtenstein oder Deutschland um Asyl ansuchen müssen - und nicht erst hier bei uns.
Wir sind ausschließlich von Staaten umgeben die das Asylrecht anerkennen.

http://www.welt.de/debatte/a... te.Debatte
"die dunklen Seiten des Islam"

Hätten sie in Ungarn oder in Griechenland aus dem fahrenden Auto springen sollen um um Asyl anzusuchen?

Aha, sie meinen also, dass diese Menschen ohne einmal aus dem Auto aus zusteigen den ganzen Balkan durchquert haben? - das ist doch absurd.

Werte wiese!

Da Sie mich nicht kennen, wäre ich Ihnen schon sehr verbunden, wenn Sie es mir überlasen, meine Präferenz zu artikulieren. Zudem, aber das werden Sie wohl nicht verstehen, machen Sie sich damit nur lächerlich.

Zum Inhalt:
Hier vermischen Sie Kraut und Rüben und es gelingt Ihnen bei den paar Zeichen sogar, sich selbst zu widersprechen. Zum einen erzählen Sie uns hier in der Manier eines Hobbyhistorikers, dass sich Kanada über die hochqualifizierten Ungarn freute. Also, A böse und dumm war, weil sie sie hat ziehen lassen und wir diesen Fehler nicht noch einmal machen sollten. Und dann bieten sie uns die Afghanen an. Ein Volk, dass sich noch im Urzustand befindet. Strigent ist das nicht!

frau brickner, machen sie mir doch einmal den gefallen und schreiben sie, was ihnen an ihrem und meinem land gefällt. wahrscheinlich wird dies die kürzeste reportage, die sie je gemacht haben. als positivum werden sie wahrscheinlich hervorheben, dass sie gutes geld verdienen mit der ach so bösen ausländerfeindlichkeit der österreicher. aber vergessen sie nicht, sich bei der älteren generation zu erkundige, wie gerne österreicher wahren flüchtlingen geholfen haben: 1956 und 1968. nur lassen sich unsere landsleute nicht gerne so offensichtlich, wie es jetzt geschieht, ausnützen. und noch etwas: lernen sie den unterschied zw. flüchtlingen und wirtschaftsflüchtlingen, und warum AT das ziel vieler ist und nicht die slowakei.

Würde es ordentliche Verfahren

geben, wäre unsere geliebte Frau Brickner wahrscheinlich arbeitslos bzw. müsste sich ihr Geld bei einem Pfaffen verdienen. :-)

Mit raschen und sauberen Abwicklung, die eine Sammlung in Lagern bedingt, würden die Scheinasylanten bereits wieder in ihrerHeimat in die Schulbank drücken und jene, die bei uns bleiben dürfen, normal in die Schule gehen. Also, was soll dieser verdrehte Blödsinn?

wo ist das problem?

wir halten asylwerber vom arbeitsmarkt und von bildung fern, damit wir sicherstellen können, dass sich möglichst viele von Ihnen kriminellen tätigkeiten zuwenden und dann haben "wir" (vor allem die unnötigen arbeitslosen fpö prolos) wieder eine ausrede warum ihr ärmseeliges leben so scheiße ist: "die ausländer waren es"!!

"Junge Flüchtlinge dürfen nicht zur Schule gehen"
über diesen sachverhalt zu setzen ist schon nur noch mit dumnnheit zu erklären. lächerlichste propaganda.

p.s. hab grad gsehn: brickner... nevermind

Hintergrund des Schul- und Kursplatzmangels für Asylwerber ist paradoxerweise eine Verbesserung des Angebots für Andere. - Die "Anderen" sind übrigens nicht nur Personen mit Niederlassungsbewilligung sondern auch Personen mit Flüchtlingsstatus.

Junge Flüchtlinge dürfen nicht zur Schule gehen

Junges heimisches Prekariat (meist männlich) will nicht zur Schule gehen.
Austausch???

"Solange sie im Verfahren sind, sollen sie sich nicht integrieren, lautet die Linie des Innenministeriums."

das schlimme ist, dass diese ansicht wohl auch von einer mehrheit unterstützt wird. komme was wolle :(

...und noch dazu das "Verfahren"

dauert oft über ZEHN JAHREN!

Flüchtlinge dürfen nicht in die Schule gehen, Einheimische müssen unter Strafandrohung in die Schule gehen.
Und dazwischen gibts nichts. Erbärmlich.

Sie brauchen eine sinnvolle Beschäftigung...

Ob hier einige Jugendliche mehr in einem Kurs sitzen, zuhören und mitlernen kann doch nicht so ein Problem sein.

Gerade in dem Alter ist es wichtig sich mit ihnen zu beschäftigen, auch wenn einige nicht bleiben können haben sie zu mindest etwas gelernt.

Bei diesen Jugendlichen ist die Motivation zum Lernen noch sehr hoch, es ist schade wenn man dies nicht nützt.

"Junge Flüchtlinge dürfen nicht zur Schule gehen"

In Österreich darf überhaupt niemand "zur" Schule gehen. Hier geht man nämlich, anders als in Preußen, "in die" Schule.

Anscheinend gehen bei uns auch viele zur Schule

und dann eben nicht mehr IN die Schule rein

Im letzten Jahr hat sich Österreich zum absoluten Nummer 1-Zielland für afghanische Asylwerber entwickelt (darunter viele Minderjährige).
Im 3. Quartal 2011 entschieden sich 20% der in der EU angekommenen afghanischen Asylwerber für das kleine Österreich. Das üppige Versorgungs- und Betreuungsangebot in Österreich trägt sicherlich dazu bei.
Man sollte die Aufnahmebedingungen in Österreich so gestalten, dass es zu einer gerechteren Verteilung der Asyllasten in Europa kommt.
Und das heisst nun mal Abbau von Leistungen in Österreich.

Es ist schon witzig, wie sich Geschichte wiederholen kann

In den 70er jahren führten Gastarbeiter/innen eine Reihe inspirierenster Streiks im Kampf um soziale und politische Rechte an, während die Regierung ihnen diese Rechte verwehrte. Als die Wirtschaft den Bach runterging, warfen ihnen Regierung und Unternehmer dann "fehlende Integration" als willkommene Ablenkung von ihrer unfähigen Politik vor.

Nun ist es interessant, wie sich die Dinge immer häufiger hier in so manchen Standard-Postings wiederholen. Eifrige FPÖ-Kampfposter, Pseudo-Liberale,... werfen "Ausländern" "Integrationsunwilligkeit" vor (Deutsch lernen!) und verurteilen gleichzeitig migrantische Initiativen, wenn diese für ihre Rechte kämpfen.

http://www.linkswende.org/4749/-Int... se-Absicht

Asylwerber =! Migranten

na da klatscht der braunkack wieder begeister in die hände !!!

Denken diese sogenannten "Flüchtlinge" denn einmal, nur einmal an unser Sparpaket?

Anstatt zu maulen ein bisschen mit Problemchen beim Aufbau eines erfolgreichen Lebens kämpfen zu müssen, sollten sie lieber Verständnis und Mitleid mit ihrem neuen Land haben, weil es so unter der Wirtschaftskrise gelitten hat und nicht weiter fähig sein kann und will, diese unnötigen Brocken im Budget weiter zu tragen!

Pfoah

Ich hoffe, Ihre Aussage war sarkastisch.

DER tickt wirklich so

Posting 1 bis 25 von 112
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.