Wenn der Zucker auf die Nerven geht

4. März 2012, 17:12
  • Feine Leitungen im Nervensystem sammeln Informationen in Knotenpunkten, den Neuronen, die sie ihrerseits ans Gehirn weiterleiten. Hohe Blutzuckerwerte stören das System.
    foto: apa/hans-ulrich dodt

    Feine Leitungen im Nervensystem sammeln Informationen in Knotenpunkten, den Neuronen, die sie ihrerseits ans Gehirn weiterleiten. Hohe Blutzuckerwerte stören das System.

Bei schlecht eingestellten Diabetespatienten kann es zu gravierenden Schäden an den Füßen führen - Die gefürchtete Spätfolge davon: Amputation

"Wenn ich ins Bett gehe und mich zudecke, beginnt die linke große Zehe zu schmerzen. Da spüre ich ein unerträgliches Brennen und Stechen. Wenn ich aber barfuß am heißen Sandstrand gehe, merke ich nichts. Während andere immer mit Sandalen unterwegs sind, habe ich kein Problem." Patientenschilderungen wie diese sollten beim Arzt die Alarmglocken läuten lassen. Dieses paradoxe Nebeneinander von starken Schmerzen und Gefühllosigkeit deutet auf eine diabetische Polyneuropathie hin. Eine meistens am Fuß beginnende Nervenschädigung, die bei länger andauernder schlechter Einstellung von Zuckerkranken auftritt - wenn Patienten also einen zu hohen HbA1c haben. Diese Benchmark, die durchschnittliche Sättigung des Bluts mit Zucker, liegt bei gesunden zwischen vier und sechs Prozent. Bei Diabetikern sollte sie nicht über acht Prozent liegen.

Nicht heilende Wunden

Polyneuropathie kann der Vorbote eines diabetischen Fußsyndroms sein. Dabei können aus nicht oder schlecht heilenden Wunden chronische Geschwüre entstehen. Bei schlechter medizinischer Betreuung kann dadurch Gewebe absterben, was die Patienten nicht wahrnehmen. Im weiteren Verlauf sind größere Entzündungen keine Seltenheit. Ein Zustand, für den die Medizin oft nur mehr ein Rezept parat hat, um eine lebensbedrohende Blutvergiftung zu verhindern: die teilweise oder vollständige Amputation des betroffenen Fußes oder Beins.

Vorsichtige Schätzungen besagen, dass allein in Österreich jährlich 2000 bis 2500 derartige Eingriffe durchgeführt werden müssen. In Deutschland ist die Situation nicht anders: Michael Roden, wissenschaftlicher Direktor des deutschen Diabeteszentrums, spricht von 29.000 Amputation jährlich. Diabetes sei für etwa 70 Prozent der Amputationen verantwortlich, sagt er zum Standard. Die Zahlen stammen zwar aus dem Jahr 2007. Doch Roden ergänzt: "Die Anzahl der Amputationen in Deutschland hat sich nicht verringert. Fußpflege und die frühzeitige Behandlung auftretender Fußprobleme könnten die Anzahl deutlich reduzieren."

Auch in Österreich könnte man die Situation verbessern: Experten sprechen seit Jahren von gravierenden Fehlern - und meinen dabei nicht nur Patienten, die die Anzeichen für ein diabetisches Fußsyndrom missachten und unterschätzen. Der Diabetologe Thomas Pieber erzählt von Betroffenen, die ihre Füße in siedend heißes Wasser tauchen, weil sie hoffen, danach mehr zu spüren. Er fordert aber auch eine flächendeckende Versorgung mit Fußambulanzen. Pro 250.000 Einwohner bräuchte man eine derartige Anlaufstelle, sagte er schon 2006 im Standard. Das wären also bei derzeit etwa 8,2 Millionen Einwohnern mindestens 32 Ambulanzen.

In der Steiermark gibt es fünf derartige Einrichtungen. Wie viele es in Österreich insgesamt gibt, ist derzeit schwer eruierbar, was auch Gerd Köhler, Leiter der diabetischen Fußambulanz an der Grazer Universitätsklinik, bestätigt. "Es gibt hierzulande keine einheitlichen Qualitätsstandards". Pieber fordert, die Füße von Diabetikern häufiger zu kontrollieren. "Es gibt noch immer zu viele Ärzte, die das nicht tun." Oft bestehe bei den Medizinern ein Wissensdefizit. Ärzte mit einer Zusatzausbildung des Disease-Management-Programmes "Therapie Aktiv" hätten dieses Wissen. "Leider gibt es in Österreich noch nicht genug davon", sagt Pieber.

Die Symptome für diabetische Neuropathie sind nicht immer dieselben: Nur zehn bis 15 Prozent aller Patienten spüren diese Nervenschädigung auch. "Manche haben ein Taubheitsgefühl in den Füßen", sagt Köhler. Einige spüren nichts. Experten sprechen dann von der "stummen Neuropathie". Schon deshalb müssten Diabetiker zumindest einmal im Jahr ihre Füße kontrollieren lassen. Dabei reicht nicht nur das berühmte "Lassen Sie mich auf Ihre Füße schauen". Bei einer Untersuchung muss mit der Stimmgabel das Vibrationsempfinden und mit dem Monofilament das Berührungsempfinden gemessen werden. Zum Standard zählt auch das Tasten der Fußpulse.

Heilungschancen

Kann die diabetische Polyneuropathie wieder geheilt werden? Pieber dazu: "Da hilft nur eine bessere Zuckereinstellung. Manche brauchen dafür eine Umstellung auf Insulintherapie." Dadurch könne das Fortschreiten der Nervenschädigung hintangehalten werden, vorausgesetzt die Schädigungen sind nicht zu stark. Vitamin-B-Tabletten, die in diesem Fall häufig verschrieben werden, seien vollkommen wirkungslos. Manche Epilepsie-Medikamente und neuere Antidepressiva wirken gegen die Schmerzen. Michael Roden erzählt von kurzfristiger Linderung durch Hochton-Therapie, eine Muskelstimulation durch Schwingungen. Daten über eine langfristige Behandlung würden noch nicht existieren.

Letztlich sollten die Sozialversicherungen ein großes Interesse daran haben, dass eine Polyneuropathie bei Diabetikern nicht auftritt, und wenn sie auftritt, Geschwüre und Amputationen verhindert werden: Die Eingriffe sind teuer, die Nachbehandlung der Patienten sowieso. Das Forschungszentrum Joanneum Research hat berechnet, dass sich die Kosten für die Behandlung von Zuckerkranken dadurch um 80 bis 95 Prozent erhöhen. In Ländern wie Schweden oder den Niederlanden, die mit Fußambulanzen gut versorgt sind, konnte das Sparpotenzial schon genützt werden. (Peter Illetschko, DER STANDARD Printausgabe, 05.03.2012)

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vorsicht bei einer vorschädigung durch eine chemotherapie bespielsweise: da genügen schon ganz leicht erhöhte zuckerwerte zur irreversiblen schädigung!

lowcarb-fans aufpassen: der konsum von fleischprodukten erhöht das risiko an altersdiabetes zu erkranken!

ein hoher anteil an kohlehydraten in der ernährung normalgewichtiger menschen hat überhaupt keinen effekt auf das diabetesrisiko, der konsum von verarbeitetem und rotem fleisch erhöht hingegen ganz für sich allein (also unabhängig vom körpergewicht und anderen risikofaktoren) das diabetesrisiko.

> ein hoher anteil an kohlehydraten in der ernährung normalgewichtiger menschen hat überhaupt keinen effekt auf das diabetesrisiko

Das ist schlicht falsch. Konsum von Kohlenhydrate erhöhen die Gefahr an Diabetes zu erkranken dramatisch.

Referenzen: http://j.mp/AnMkIT "Increasing intakes of refined carbohydrate (corn syrup) concomitant with decreasing intakes of fiber paralleled the upward trend in the prevalence of type 2 diabetes observed in the United States during the 20th century."

Mehr papers dazu: http://j.mp/ypv0ms

Haben Sie Studien für den Zusammenhang zwischen fleischprodukten & Altersdiabetes?

lesen!

hast du deinen eigenen link überhaupt gelesen? korrelation des auftretens von diabetes mit erhöhter zufuhr von kohlehydraten: r=0,55. korrelation mit erhöhter zufuhr von proteinen: r=0,71, mit insgesamt erhöhter energiezufuhr: 0,75, mit fett: r=0,88.

studie an 66.000 frauen: wer 5x wöchentlich verarbeitetes fleisch isst, hat gegenüber denen, die weniger als 1x wöchentlich verarbeitetes fleisch essen, bei ansonsten gleichen voraussetzungen ein um ein drittel erhöhtes diabetesrisiko.
http://tinyurl.com/8xd9kr5

studie an 25.000 männlichen rauchern: ein hoher ernährungsanteil an kohlehydraten auf kosten des fettanteils (sprich kohlehydrate statt fett) verringert das diabetesrisiko.
http://tinyurl.com/86g6x3b

Also bei noch genauerer Betrachtung stimmt das alles doch nicht ganz. Bei einer Low Carb High Fat erhöht man den Fettkonsum, weniger Kohlenhydrate, Protein bleibt gleich.

Zur 1. Studie In this large prospective cohort of French women, a direct association was observed only for processed red meat and type 2 diabetes. Unprocessed red meat was not associated with diabetes

Zur 2. Studie, bzgl. Fettkonsum: "[...] However, these associations disappeared after additional adjustment for BMI (total fat RR 0.97, CI 0.79–1.18; saturated fat 0.97, 0.79–1.20). "

Also mehr Fett erhöht das Diabetesrisiko nicht.

dass "mehr fett" für sich alleine das diabetesrisiko erhöht habe ich nirgends behauptet, und bereits in meinem obigen post habe ich von fleischPRODUKTEN gesprochen (wobei sich auch bei "rotem" fleisch mittlerweile in einer studie herausgestellt hat, dass es das diabetesrisiko erhöht - evtl. wegen zu hoher eisenzufuhr, die möglicherweise die bauchspeicheldrüse schädigt).

tatsache ist jedenfalls, dass ein hoher KH-anteil an der ernährung das diabetesrisiko nicht erhöht, fleischprodukte hingegen schon.

da haben's allerdings recht! mein Fehler. Aber mich wundert es sehr warum dann z.b. die schwedische "National Board of Health" seit letztem Jahr eine low carb diät für diabetes empfiehlt.

studie mit 40.000 männern: mind. 5x wöchentlich verarbeitetes fleisch im vergleich zu weniger als 1x monatlich: ein 46% höherer risiko an diabetes zu erkranken.

Ketogene Diäten

Low Carb funktioniert leider nicht bei allen, auch kanns auf Dauer erhebliche Komplikationen geben, kann ich nicht empfehlen, auch wenn ich Leute damit abnehmen sah, sah auch welche zusammenbrechen.

welche diät man macht oder ob man einfach nur die kcal-zufuhr einschränkt ist ziemlich egal.

das beste ist immer noch viel bewegung, weil damit nicht nur der kcal-verbrauch erhöht, sondern auch die durchblutung verbessert und diverse krankheitsrisiken vermindert werden.
viel zu fuß gehen und immer wenn möglich rad statt auto fahren, stiegen steigen, wandern, schwimmen, usw.
und zum abnehmen: bevor man eine diät anfängt, sollte man lieber anfangen, gewisse gewohnheiten dauerhaft umzustellen. zB bei durst wasser statt limonaden/saft/energydrinks. so wenig alkohol wie möglich, weniger fett (low carb funktioniert auch nur, wenn die kcal-zufuhr eingeschränkt ist), usw.

außerdem nachweislich sinnvoll bei diabetes: vegetarische ernährung

hat eine nervenschädigung wirklich mit durchblutung zu tun? ich dachte, das macht der blutzucker, der die nerven schädigt?

durch hohe Belastung, verglichen mit herumliegen, steigt der Energiebedarf um ca. 20% für die Dauer der Bewegung (bei Ausdauertraining). Das ist sehr gering - Gleichzeitig wird man durch das Training hungrig - Das ist genau das was man eigentlich vermeiden will.

Bewegung ist zwar sehr gesund, aber nicht zum Abnehmen geeignet. die Ernährung ist da wesentlich wichtiger.

wenn ich mit dem fahrrad zur uni und zurück fahre, verbrauche ich damit ca. 250 kcal mehr als wenn ich öffentlich fahre. das macht kein bisschen hungriger, verhindert aber jede woche das ansetzen von 1250 überflüssigen kcal bzw. bringt bei im vergleich zu vorher gleichbleibender kcal-zufuhr ca. alle 6 wochen 1 kg gewichtsreduktion.

Mich würde stark interessieren woran die Diäten scheitern? wieso brechen die Leute zusammen?

Meines Wissens nach sollte es keine Probleme geben wenn man aufpasst dass man genug Fett zu sich nimmt, sonst läuft man Gefahr eine Proteinvergiftung zu bekommen.

Mitochondrien

Fettstoffwechsel funktioniert bei manchen nicht so gut, die brauchen KH. Auch gibt es einen Unterschied ob jemand mehr ROTE oder WEISSE Muskelfasern hat, genetisch. Rote haben mehr Mitochondrien, weisse brauchen mehr KH. Die Art der Belastung spielt auch eine Rolle.

Ich hab mich etwas schlau gemacht, anscheinend ist das nicht so einfach. Zumindest laut http://j.mp/yy1wXv sollte man bei mitochondrialen Defekten leichten Sport machen, und Kohlenhydrate reduzieren und Fett erhöhen damit die Zellen möglichst lang in der Fettverbrennung bleiben.

Meine Erfahrung im weiteren Bekanntenkreis ist, dass sich die Leute bei Diäten zu sehr einschränken.
Es stimmt, dass ketogene (No Carb, wie z.B. Atkins) oder kohlenhydratreduzierte (Low Carb, wie z.B. LOGI) nicht für jeden die erste Wahl ist wenn es als zeitlich beschränktes Gewichtsreduktionsunterfangen angedacht ist. Einige kommen hier mit LowFat oder Mischkost-Kalorienzählen besser zurecht.

Aber bitte nicht Low Carb und No Carb in einen Topf werden (Vegetarier, Veganer, Rohköstler sind ja auch nicht das selbe). Eine Atkins Crash-Diät hat schon eine höhere Dropout-Rate als eine "lebenslange" Ernährung mit <100g KH pro Tag ohne Kalorienrestriktion.

man muss es ja nicht übertreiben

aber seit ich Beilagen wie Nudeln, Kartoffeln, Reis und Brot deutlich reduziert habe und deswegen jetzt schauen muss dass ich genug anderes zu mir nehme wie zum Beispiel viel mehr Gemüse, Salat, div. Öle, Fleisch und Fisch, Eier, Sahne und Käse hab ich erstens Bauchfett und Gewicht verloren und zwar im Gekröse hi hi und habe keine Heißhungerattacken mehr wie ich brauch jetzt was Süßes bzw. wenn dann reicht mir schon sehr wenig.

alpha liponsäure

täglich 600mg auf nüchternem magen.
andere variante: dem freundlichen internisten darauf hinweisen um in den genuss einer infusionstherapie mit ALS zu kommen.
zucker gut einstellen + diät ist natürlich die basis ohne der gar nix geht.

Was spricht dagegen als Diabetiker einfach keine kohlenhydrate mehr zu essen?

Alles. Sie würden sterben wie jeder Nicht-Diabetiker auch.

ohne KH funktioniert kein Muskel im Körper.

Kohlenhydrate sind streng genommen nicht essentiell. Der Körper kann sich das bisschen (~ 50g) was er für das Gehirn (das einzige Organ das auf KH angewiesen ist) durch Gluconeogenese aus Protein leicht selbst herstellen. Im extremsten Fall kann es auch durch Ketonkörper, aus Fettabbau, versorgt werden.

Der restliche Körper kommt mit Fett als Energielieferant gut zurecht.

Und bevor wer nach einer Woche kohlenhydratarmer Ernährung meint das funktioniert alles nicht: Je nach vorheriger Ernährungsweise kann es schon einige Zeit dauern bis sich 1. der Körper und 2. (nicht zu vernachlässigen) auch die Psyche umgestellt hat.

Und (2) bitte nicht eine kalorienreduzierte Low Carb Diät mit einer "normalen" kohlenhydratarmen Ernährung verwechseln.

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