Helge Schneider und der Frost

  • Das ist Kater Mogli aus Rum in Tirol. Das Bezirksgericht Hall hat ihm untersagt, ein fremdes Grundstück zu betreten. Bis zu den Wiener Katzen hat sich dieses Urteil leider noch nicht herumgesprochen.
    foto: apa/zeitungsfoto.at

    Das ist Kater Mogli aus Rum in Tirol. Das Bezirksgericht Hall hat ihm untersagt, ein fremdes Grundstück zu betreten. Bis zu den Wiener Katzen hat sich dieses Urteil leider noch nicht herumgesprochen.

Bei einer ersten Garteninspektion nach der Eiszeit erwarten den Autor unliebsame Funde

Idyllisch waren die zwei Wochen tiefsten Winters. Kompakt und schwer legte sich eine dicke Schicht eisigen Wassers über Wiesen, Wälder und Auen und brachte die Heizungen zu heimeligen Höchstleistungen. Was bis dahin an nicht ganz frostfesten Pflanzen nicht hineingebracht wurde, stand vor seiner letzten Prüfung. Minus vierzehn Grad sind selbst für frostresistente Mediterrane ein, zwei Grad zu wenig, um zu überleben.

Trotzdem wurden im Social Web Wetten auf dieses Überleben abgeschlossen, Fotos dokumentieren den Status des Verfalls und werden gegebenenfalls im Frühjahr das Überleben beweisen. Minus vierzehn Grad, armer Oleander. Bis minus zwölf Grad soll er es angeblich schaffen, aber das war doch deutlich weniger und deutlich zu lange. Die Blätter waren bei minus zehn Grad noch saftig grün, jetzt sind sie braun. Tot, wahrscheinlich. Aber was für die Blätter gilt, muss nicht für Stamm und Stängel gelten, und überhaupt, die Hoffnung stirbt zuletzt, dum spiro spero, wird sich der mediterran-tropische Flussrandbewohner wohl denken. Bei minus vierzehn Grad haben auch Gärtner nicht mehr ganz den notwendigen Drive.

Warten

Sie drücken maximal ihre Nasen am Fenster zum Garten platt, seufzen Unverständliches und nippen am Tee. Denn es heißt warten. Warten darauf, was das Auftauen freigeben wird, warten darauf, was unter der dichten Schneedecke überlebt haben wird, und warten darauf, dass endlich die ersten grünen Spitzen sich durch die Erde schieben und das Frühjahr ankündigen. Wem es bei minus vierzehn Grad offensichtlich nicht zu kalt ist, sind die üblichen Gartenbesucher. Die Vogerln pfeifen nach wie vor ihre Lieder, und die Katze aus der umgebenden Nachbarschaft schaut auch immer zur Dämmerung vorbei, schleicht um das Haus und genießt scheu die wohlmeinenden Blicke durch die Scheibe.

Der regelmäßige Besuch weiß das Gärtnerherz in der warmen Wohnung zu erfreuen. Was sie wohl da draußen treibt? Gedanken überlagern sich, und so driftet man in Richtung Nacktschneckenfalle ab, ein ewiger Heuler unter den winterlichen Gartengedankenwolken. Als gute Schneckenfalle haben sich im feucht-warmen Winter nämlich die Natursteine und Holzplanken erwiesen, die am frisch aufgeschütteten Erdreich lagen und eine magische Anziehungskraft auf die Nacktschnecken ausübten. 

Einen Oleander gegen alle Nacktschnecken

Man brauchte sie nur noch regelmäßig abzusammeln und im Freigehege Hundeklo jenseits des Zauns freizulassen. Doch bei minus vierzehn Grad picken die Holzplanken und Natursteine wie festzementiert am Untergrund, die Falle funktioniert nur oberhalb des Gefrierpunkts. Aber dieser Frost gibt durchaus Anlass zur Hoffnung, dass es die Schleimlinge eh nicht bis ins Frühjahr schaffen, sondern als Eislutschker bereits auf den ewigen Jagdgründen ihrem zerstörerischen Auftrag nachkommen. Gegönnt! Tausche einen Oleander gegen alle Nacktschnecken, möge der Frost ruhig beide mit hinüber nehmen, den Preis zahle ich gerne.

Vierzehn Tage minus vierzehn Grad bedeuten aber auch vierzehn Tage keine Rundgänge, keine Kontrolle der Beete, kein Stierdeln und Nesteln in den Rabatten und kein Schneckenpflücken am erdigen Abhang. Doch jede Phase hat ihr Ende, es ist wieder warm, die Katze schleicht nach wie vor zur Dämmerung ums Haus, und es ist an der Zeit, wieder Patrouille zu gehen, nachzusehen, was sich getan hat und was zu tun ist. Und da lichtet sich auch das romantische Geheimnis um die Katze. Rund alle vierzig Zentimeter liegen säuberlich aufgefädelt Häufchen neben Häufchen in unterschiedlichen Verwitterungszuständen. Es ist doch ein beruhigendes Gefühl zu wissen, was der so geliebte Garten für manche Besucher darstellt: ein Häusl, schön blickdicht gestaltet und mit endlos viel Einstreu. Wenn ich das Vieh erwisch ... (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/02/03/2012)

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