Schnuppertag im Märchenland

  • Spicebomb, ein Männerparfum im Flakon in Gestalt einer Granate.
    foto: hersteller

    Spicebomb, ein Männerparfum im Flakon in Gestalt einer Granate.

  • Viktor Horsting und Rolf Snoeren
    foto: apa/francois mori

    Viktor Horsting und Rolf Snoeren

Die Modemacher Viktor & Rolf gelten als die ewigen Avantgardisten - Nicht nur mit Mode, auch mit Parfum lässt sich eine Geschichte erzählen, etwa von einer würzigen Aromenexplosion

Langsam öffnet sich eine Flügeltür im Palais an der Pariser Place Vendôme. Nebel quillt. Dahinter - in rosa Licht getaucht - sind zu beiden Seiten eines mysteriösen Behälters, in dem man Gefährliches vermutet, zwei strenge Herren vom Schlage Geheimagent postiert. Bei den zwei Unbeweglichen im schwarzen Anzug und mit ebensolchen Sonnenbrillen handelt es sich um die niederländischen Modemacher Viktor Horsting und Rolf Snoeren, beim Behälter dazwischen um die Kassette, die deren neuestes Produkt enthält.

Spicebomb, ein Männerparfum im Flakon in Gestalt einer Granate. Daher der ganze Mission: Impossible-Hochsicherheitsinszenierung. Was immer Herr Horsting und Herr Snoeren unter der Kreativpersona, der Marke Viktor & Rolf, erschaffen, es ist eine Geschichte, meistens ein Märchen, in der Models zu Puppen werden und der Laufsteg zur Bühne für Fantasiewelten. Die aktuelle Herbst/Winter-Kollektion wurde von Models mit lackroten Gesichtern gezeigt, die Kleider - eine Mischung aus Samurai und Fantasy-Action-Held, fast mehr Skulptur als etwas, das Menschen am Körper tragen.

Prinzessinnen

Für die Prêt-à-porter des kommenden Frühlings sind im Hause Viktor & Rolf Prinzessinnen vorgesehen, die Disney-Märchenfilmen entsprungen sein könnten. Bustierkleider in allen erdenklichen Zuckerfarben mit üppigen Applikationen, in denen Aschenputtel auf dem Ball eine gute Figur macht. Ob echte Personen darin eine gute Figur machen, müssen sich die Avantgardisten nicht überlegen. Beim neuen Duft Spicebomb sehr wohl. Der soll sehr wohl tragbar sein und viele Männer ansprechen.

Außerdem wird er von L'Oréal produziert und vermarktet, und für den Kosmetikriesen steht die holde Kunst nicht so sehr im Vordergrund wie gute Verkaufszahlen. Die Schnittstelle zwischen Viktors & Rolfs Märchenwelt und der Realität des Parfümerieregals bildete Olivier Polge. Der Parfümeur und die Künstler trafen sich zwei Jahre hindurch regelmäßig, schnupperten sich durch die Welt der Essenzen und verglichen Ideen mit allem, was Blumen, Hölzer, Gewürze, Samen und Blätter an Olfaktorischen zu bieten haben. Das Ergebnis ist - der Name ist Programm - bei den Gewürzen zu Hause.

Explosive Kraft des Dufterlebnisses

Damit das Ganze nicht zu streng oder altvaterisch wird, hat Polge es mit Zitrus und Blüten abgerundet und damit einen recht sanften Gesamteindruck geschaffen, der gar nicht gewalttätig ist, wie Name und Handgranatenflakon vermuten lassen. "Wir wollten nur auf die explosive Kraft des Dufterlebnisses hinweisen und nicht Krieg spielen", erklären die Designer und verweisen auf den weiblichen Vorgänger von Spicebomb, die Flowerbomb, die der Gewürzgranate in ihrer rosenduftigen Sprengkraft in nichts nachsteht.

Dass die Düfte mit dem V&R-Siegel auch eine märchenhaft-künstlerische Komponente haben, beweist auch das Märchenbuch (Fairytales, Hardy Grant, Melbourne/London), das die beiden geschrieben und gezeichnet haben. Denn neben dem üblichen Märchenvolk an sprechenden Tieren, heimlichen und unheimlichen Begebenheiten kommt darin auch ein Parfum vor. (Bettina Stimeder/Der Standard/rondo/02/03/2012)

Share if you care