Den Schimpansen fehlt es an Kooperation

1. März 2012, 20:15
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Tests von US-Forschern mit Kindern und Primaten zeigen, warum wir evolutionär erfolgreicher sind

Washington/Wien - Im Vergleich zur natürlichen Evolution der Arten vollzieht sich die kulturelle und technische Entwicklung des Menschen nachgerade in einem Affentempo. Möglich wurde diese kulturelle Evolution auch durch unsere exklusive Errungenschaft der Sprache und das Teilen und Weitergeben von Wissen in der Gemeinschaft.

Letzteres kommt zwar auch bei einigen Tierarten vor - etwa bei Affen, die gelernt haben, Kartoffeln zu waschen, und die diese nützliche Information an die nächste Generation weitergeben. Im Vergleich zur menschlichen Kulturentwicklung nehmen sich diese Manifestationen tierischer Traditionsbildung allerdings eher bescheiden aus.

Der Kognitionsforscher Michael Tomasello (Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig) hat in mehreren einflussreichen Büchern - zuletzt im Band "Warum wir kooperieren" (2010) - einige Theorien darüber aufgestellt, was Schimpansen im Vergleich zu uns dafür fehlt: Vor allem können unsere nächsten Verwandten laut Tomasello keine interpersonale Beziehung zu ihren Artgenossen eingehen und sich nicht so auf sie einstellen, um zu kooperieren.

Einen experimentellen Beweis für diese These liefert nun ein Forscherteam um Rachel Kendal von der Universität in Durham, die drei- und vierjährige Kinder sowie dutzende Schimpansen und Kapuzineräffchen zu Tests antreten ließ. Die Probanden wurden an eine Box gesetzt, die sich nur in drei aufeinander aufbauenden Schritten öffnen ließ. Für jeden Schritt waren zwei parallel ausgeführte Aktionen nötig. Als Belohnung lockten jeweils Leckereien - speziell abgestimmt auf die jeweiligen Studienteilnehmer.

In fünf von acht Kindergruppen gab es mindestens zwei Kinder, die bei den Tests Stufe 3 lösten. Die Kinder verstanden die zweieinhalb Stunden lang präsentierte Aufgabe dabei als Gemeinschaftsprojekt: Sie hätten sich unterstützt, belohnt, nachgeahmt und untereinander Anweisungen gegeben, schreiben die Forscher im Fachblatt "Science" (Bd. 335, S. 1114). Die Schimpansen und Kapuzineraffen hingegen agierten in einer gänzlich eigennützigen Art und Weise, größtenteils unabhängig vom Tun der anderen Tiere.

Nach 30 Stunden hatte nur ein einzelner Schimpanse Stufe 3 "geknackt", bei den Kapuzineräffchen schafften auch nach 53 Stunden nur zwei immerhin Stufe 2. Bei den Kindern seien zudem 215 altruistische Ereignisse erfasst worden, bei den Affen kein einziges, erläutern die Forscher.

Resümee der Forscher: Kooperatives, imitierendes und kommunikatives Verhalten bereits im Kindesalter erleichtert die Anhäufung von Wissen. Quod erat demonstrandum. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. März 2012)

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    Junge Vertreter der Gattung Homo sapiens helfen und imitieren einander. Schimpansen hingegen sind nur eigennützig.

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