Die Anleitung zur Bewerberabwehr

8. März 2012, 19:08
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Wie Arbeitgeber gute potenzielle Mitarbeiter am besten vergraulen

Nach den Verhaltensregeln für Bewerber folgen nunmehr Instruktionen für die Personalverantwortlichen auf Arbeitgeberseite.

Die Ausgangssituation

Sehen Sie Kompetenzen neuer Mitarbeiter als das, was sie wirklich sind: die größte Gefahr für Ihre Allmacht als "Boss". Stellen Sie keinesfalls jemanden ein, der etwas kann, was Sie nicht besser können. Stellen Sie weiters keinesfalls jemanden ein, der etwas weiß, was Sie nicht besser wissen. In beiden Fällen wäre eine Kontrolle dieser Mitarbeiter kaum noch möglich, alles würde Ihnen entgleiten, Sie würden von vorne bis hinten ausgetrickst und betrogen werden. Es gilt das Misstrauensgebot gegenüber den Mitarbeitern.

Was also können Sie im Unternehmen tun, um bereits im Ansatz sicherzustellen, dass ausschließlich Müßiggänger und Blender aufgenommen werden? Folgende Regeln und Anregungen sollen Sie für diese diffizile Aufgabe beachten:

1. Sichern Sie sich die Dienste von extrem teuren und kompetenzfreien Personalberatern. Gehen Sie bei der Auswahl dieser Berater besonnen vor und meiden Sie die Guten der Zunft. Ahnungslose im Dreiteiler mit bunter Krawatte sind hier Ihre erste Wahl. Vornehmlich präsentieren sich diese Vertreter mit Lackschuhen und englischen Firmennamen wie beispielsweise "Top Spot Human Resource Action-Connection Superior Consulting Limited Edition", manchmal auch unter Anführung des magischen Wortes "Network". Solche Vertreter sind genau die richtigen für Ihr Vorhaben.

2. Überlassen Sie alles in Seelenruhe Ihrer Personalabteilung. Bestehen Sie darauf, dass diese ausschließlich mit Juristen besetzt ist, und legen Sie die Aufgabe der Personalauswahl in die Hände von ahnungslosen Arbeitsrechtlern. Juristen haben aufgrund ihres anerzogenen Blicks für Sachverhalt und Rechtsfrage überraschende Fähigkeiten entwickelt, Persönlichkeiten, Talente, fachliche Fähigkeiten und Führungskompetenzen auszublenden zu können. Würde man hingegen die Juristen selbst fragen, so würde man versichert, dass diese Berufsgruppe in der Lage ist, noch weit mehr - wenn nicht überhaupt alles - in der Welt zu beurteilen.

Wenn Sie imstande sind, die Ausgangslage in Ihrem Sinne zu organisieren, ersparen Sie sich wahrscheinlich viel Ärger in den darauffolgenden Schritten.

Zur Ausschreibung

Die Stellenausschreibung birgt fantastische Möglichkeiten sicherzustellen, dass sich überwiegend Ihre Wunsch-Chaoten bewerben werden. Achten Sie bei der Ausschreibung darauf, dass die Position im Unternehmen möglichst so beschrieben wird, dass selbst hoch motivierte fünfsprachige Astronauten mit Vierfachstudium und 20-jähriger Berufserfahrung im Alter um die 30 keinerlei Chance sehen, die Anforderungen zu erfüllen. Schockieren Sie und schrecken Sie ab.

Garantieren Sie so, dass sich ausschließlich Kandidaten bewerben, die mit der Einstellung an die Sache herangehen, dass es - egal wie - schon "irgendwie" gehen würde. Platzieren Sie die Stellenausschreibung ausschließlich in unbekannten Blättern mit minimaler Auflage. 

Der Ausschreibungstext sollte daher auch völlig unverständlich formuliert sein. Schreiben Sie über "tolle Aufstiegsmöglichkeiten", "motivierende Arbeitsumgebung" und andere gänzlich inhaltsfreie Vorteile. Wer darauf hereinfällt, kann auch für das Betriebsdesaster dienlich sein. Alles, was Sie im Zuge der Ausschreibung "klären" können, müssen Sie nachträglich nicht mehr "korrigieren". (Christian A. Pongratz, derStandard.at, 8.3.2012)

CHRISTIAN A. PONGRATZ, geboren 1973 in Klagenfurt, studierte Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre, war Gastprofessor an der Università Commerciale Luigi Bocconi in Mailand. Er ist als Lektor an der Donau-Uni Krems tätig und unterrichtet an der FH Villach. Pongratz ist als Unternehmensberater (durchdacht.cc) und Wirtschaftskabarettist (betriebsdesaster.cc) in Österreich, Deutschland und Italien zugange.

Buchtipp

Christian Pongratz: Betriebsdesaster. Die Anleitung zum Untergang. Verlag durchdacht.cc, 159 Seiten, 24,50 Euro.

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    Es gibt immer Mittel und Wege, um richtig gute potenzielle Mitarbeiter abzuwehren.

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