Chamberlains legendäres 100-Punkte-Spiel

Nach einer durchgefeierten Nacht schrieb der 2,16-m-Gigant vor 50 Jahren Geschichte

New York City - Die Vorgeschichte ist schon legendär, das Basketballspiel von NBA-Superstar Wilt Chamberlain am 2. März 1962 ist es seit nunmehr 50 Jahren. Sage und schreibe 100 Punkte erzielte der 2,16-m-Gigant beim 169:147-Triumph der Philadelphia Warriors über die New York Knicks. Keiner der späteren Stars in der National Basketball Association (NBA) kam seitdem auch nur annähernd an diesen Rekord heran. Kobe Bryants Bestmarke steht bei 81 Punkten, Michael Jordan schaffte 69 Zähler.

"Ich habe damals alle existierenden Wurfrekorde zerstört. Ich denke, das war mein größtes Spiel", sagte Chamberlain. Der "Herr der Körbe" wurde später je einmal NBA-Champion mit Philadelphia und den Los Angeles Lakers, eigentlich zu wenig angesichts seiner damaligen Dominanz.

Etliche weitere Rekorde

Lakers-Star Bryant ist immerhin die Nummer zwei in der Rangliste für die meisten Punkte in einem Spiel, Jordan nur die Nummer elf. Chamberlain dagegen ist in den Top Ten dagegen gleich sechsmal vertreten und 13-mal unter den Top 20. Der 1999 im Alter vor nur 63 Jahren verstorbene Center hält noch etliche weitere Rekorde.

So holte er in einem Match 55 Rebounds, spielte im Schnitt 45,8 Minuten pro Partie, absolvierte 47 Spiele nacheinander ohne Auswechslung und erzielte während einer Saison in 45 Spielen jeweils mindestens 50 Punkte. Mit 31.419 Zählern ist er viertbester Punktesammler in der ewigen NBA-Rangliste. Sportgeschichte schrieb Chamberlain jedoch an jenem Freitagabend in Hershey/Pennsylvania.

Die Warriors tingelten zuweilen durch die Provinz, um mehr Fans zu gewinnen. Chamberlain hatte allerdings einen besonders weiten Weg, denn er wohnte nicht in Philadelphia, sondern in New York City. Der damals 25-Jährige genoss das Leben im "Big Apple" in vollen Zügen und verhehlte nie, dass er außer Basketbällen vor allem Frauen nachjagte.

Lockere Vorbereitung

"Weil der Grunddurchgang fast vorbei war und unser Platz vor den Play-offs bereits feststand, nahm ich mir am Abend vorher Zeit, um ein bisschen Spaß zu haben", erzählte Chamberlain. Morgens um acht trat er die eineinhalbstündige Zugfahrt nach Philadelphia an. Dort traf sich das Team um 13.00 Uhr. "Ich hatte in der Nacht davor überhaupt nicht geschlafen. Und ich habe im Zug nicht geschlafen, weil ich Angst hatte, erst in Washington wieder aufzuwachen", berichtete Chamberlain.

In Philadelphia traf er Freunde, mit denen er ausgiebig essen ging. Auf der knapp 140 Kilometer langen Busfahrt nach Hershey redete er mit seinem besten Freund Vince Miller. Um 15.30 Uhr kam die Mannschaft an, die Zeit bis zum Spiel vertrieb sich Chamberlain mit einem Luftgewehr in einer Spielhalle.

In der Stadt, nach der die bekannteste US-Schokolade benannt ist, deutete nichts auf das NBA-Spiel hin, und so kamen zu der Partie nur 4.124 Fans. Keiner von ihnen sollte es bereuen. Zwar erzielte Chamberlain schon 41 Punkte zur 79:68-Pausenführung, doch für den 2,16 Meter langen und 120 Kilogramm schweren Star war dies nicht ungewöhnlich. "Ich kam oft mit 30, 35 Punkten in die Kabine, deswegen waren 41 nichts Besonderes", erzählte er.

"Gebt Wilt den Ball!"

Doch im Laufe des dritten Viertels wurde ihm bewusst, dass er seine bisherigen Bestmarken auslöschen könnte: 73 Punkte in normaler Spielzeit, 78 Punkte nach dreimaliger Verlängerung. Die Drei-Punkte-Regel gab es damals übrigens noch nicht. Der Hallensprecher sagte deshalb nun nach jedem Korb die aktuelle Punktzahl von "Wilt the stilt" an. Wilt, die Stelze, bekam immer wieder den Ball und scherte sich nicht darum, ob drei oder vier Knicks-Akteure ihn bewachten. Auch Fouls halfen diesmal nicht, um ihn zu stoppen.

Denn der sonst als schwacher Freiwurfschütze bekannte Chamberlain verwandelte an jenem Abend 28 von 32 Versuchen. 36 von 63 Würfen aus dem Feld rutschten durch das Netz, beide Marken sind noch immer NBA-Rekorde. Die anfangs im Gegensatz zu Chamberlain schläfrigen Fans waren inzwischen total aus dem Häuschen, viele forderten lautstark: "Gebt Wilt den Ball!"

Das Geschehen auf dem Parkett glich zu diesem Zeitpunkt bereits einer Farce. Um Chamberlain so selten wie möglich an den Ball kommen zu lassen, spielten die Knicks nicht wie eine Mannschaft, die einen Rückstand aufholen muss. Sie schöpften die Angriffszeit aus und zwangen alle anderen Warriors-Akteure mit Fouls zu Freiwürfen. Diese verzichteten auf einfache Würfe, um Chamberlain zur magischen Marke zu verhelfen. 46 Sekunden vor Ende gelang ihm der historische Korb zu den Punkten 99 und 100.

Fernsehbilder existieren nicht

Zuschauer rannten auf das Feld und wollten Chamberlain umarmen, es dauerte neun Minuten, bis die Partie beendet werden konnte. Es gab sogar Aussagen, sie sei gar nicht zu Ende gespielt worden. Fernsehbilder existieren nicht, nur eine kurze Radioreportage und ein paar Fotos. Auf einem hält Chamberlain einen Zettel mit der handgeschriebenen Zahl 100.

Berühren wollte er den Ball nach seinem letzten Korb angeblich nicht mehr. Zur Begründung soll er gesagt haben, 100 Punkte klinge besser als 102. Nach New York fuhr er mit einigen Knicks-Akteuren zurück und schlief im Zug ein. "Doch immer, wenn ich aufwachte, hörte ich sie sagen: Könnt ihr Euch vorstellen, dass dieser Dreckskerl 100 Punkte gegen uns gemacht hat?" (APA/dpa)

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Drazen petrovic hatt 112 punkte in einem Spiel gemacht! nur so by the way ! :)

(ja, allerdings gegen das B-Team von O. Laibach, die mit nur Jugendspielern angetreten waren. Und zu der Zeit gab es schon die 3Pkt. Regel.)

Petrovic hat auch mal in einem Spiel gegen Olimpia Milano 45 Punkte und 25 Assists gehabt.

Weils grad passt möcht ihr der Community

die Doku "Once Brothers" empfehlen.

Unbedingt anschaun!

1985 yugoslawische liga

Trotzdem gehts um die NBA und nicht um irgendeine Nudelliga ;)

nudelliga war dies aber dennoch keine. jugoslawien hatte einige der besten spieler der welt und ganz sicher europas in dieser liga beschaeftigt.

Würd ich auch sagen.

hab' heute wieder mit meinen kumpels gespielt

aber diese orange kugel in den verflixten korb zu kriegen ist echt eine aufgabe. v..a wenn ein paar deiner gegenspieler technisch und größenmäßig klare vorteile haben. aber trotzdem war's echt genial...

passt vielleicht nicht hierher, trotzdem möchte ich diese gelegenheit benutzen um den meiner und jordan's ;-) meinung nach besten center zu würdigen...

ich habe gelesen dass wilt dominant war wie shaq und das vor allem durch seine physis.

so etwas hat es aber nur 1x gegeben und ich weiss nicht ob es jemals wieder so einen spieler geben wird:
http://www.youtube.com/watch?v=K7tPZ-KljR0

stat-freaks sollten an 50% der je erreichten quadrupledoubles denken (nämlich 2/4) und die souveräne führung bei 5x5s

Quadruple-double

Da muss ich dir leider widersprechen.
Hakeem hat nur 1 QD geschafft.
Die anderen 3 waren von Nate Thurmond, Alvin Robertson und David Robinson.

Das ist jetzt aber kein Beweis das The Dream auch den 4. aufgestellt hat...

eh net ich konnte mich nur daran erinnern und wusste nichts von dem von robertson.
also bin ich davon ausgegangen dass es 2x dream, 1x thurmund und 1x robinson waren. my bad.

unglaublich, da bekommt man feuchte augen

2,13m (habs grad nachgeschaut) beweglich wie ein guard und ein sagenhaftes repertoir an moves und würfen.

btw. ich war nie ein fan von Shaq. Sein "Schneepflug" Spiel gefällt mir überhaupt nicht (denke auch, dass er heutzutage mehr Offensive Fouls kassieren würde ... ich weiß hättiwari) - aber seine Dominanz war unbestritten.

Warum mehr Offensive Fouls? Sie sollten sich mal damit beschäftigen was das genau ist.

Wem glauben sie eher, dass er einen Gegenspieler mit reinem Drücken wegschieben kann, einem Shaq oder einem gleichathletischen Angriffer wie Verteidiger?

Offensive Foul ist ja im LowPost-Game vorallem dann, wenn man mit der Schulter voraus auf Körperkontakt geht oder mit "Anlauf schubst" und natürlich wenn der Verteidiger bereits seine Haltung mit 2 Beinen auf dem Boden unbeweglich eingenommen hat, bevor der Angreifer auf diese Position "ankommt"

"unbeweglich" muss gar nicht sein. allerdings ist das ein irrtum der sich so tief im ö basketball verankert hat, dass es sogar die meisten refs glauben.

ein OF kann man als verteidiger auch annehemen, wenn man sich seitlich oder rückwärts bewegt. die richtige verteidigungsposition ist ja nicht statisch.

danke fürs dozieren. darfst auch ruhig "Du" zu mir sagen ;-)

Ich spiele schon auch selber einigermaßen regelmäßig Basketball. Aber das rumgeschiebe im Low-Post ist nicht meins - das gebe ich unumwunden zu :-)

Ah kein Problem, beim Du sind halt einige haglich, ich sprech bei offensive Fouls halt aus Erfahrung, spiele zwar mittlerweile nicht mehr im Verein, aber damals (Jugend) schafft in einer Saison an sich selbst 10 off. Fouls gepfiffen zu bekommen und selbst ca. 20 verursacht zu haben (in dem Alter und den Größenverhältnisen war ich in etwa Shaq's Statur recht nahe ^^) weiß man irgendwann was die Schiris als OF ansehen, ich hab aber noch nie eines bekommen als es wirklich im Low-Post ums wegdrücken (mit der Hüfte zb).

Wobei ich sagen muss, dass so ziemlich 50% der Blocks die in der NBA gesetzt werden, laut Regelauslegung von damals in Europa alle gepfiffen hätten gehören (das mitgehen mit dem Verteidiger in Blockhaltung etc.) aber ja I<3BB

Ich denke immer, dass Chamberlain, Russel, aber auch West, Havlicek, usw. gehören einfach in eine andere Ära, in eine eigene Liste.

Hakeem zählt mMn neben Kareem zu dem besten C aller Zeiten (Russel und Wilt mal außen vor genommen). Da kommt weder ein Shaq, noch eine Naturgewalt wie Ewing mit und ein D12 schon gar nicht. Hakeem war einfach in vielerlei Hinsicht mMn ein gottgegebenes Außnahmetalent und seine Beinarbeit muss heute noch jmd. mal nachmachen können. Da kommt keiner mit und hier kann ich auch verstehen, wenn du in dieser Hinsicht die 90er der NBA vermisst.

Bin voll bei dir!!!
Der Vollständigkeit halber muss man in die Centerdiskussion zwar auch noch unbedingt Kareem erwähnen (Bill Russel wurde unten schon erwähnt), aber ja, ich sehe auch Hawkeem als Nummer 1...

shaq war auch nicht wirklich unbeweglich für seine masse.

63 FGAs in einem Spiel. Jeder der das Spiel Basketball verstanden hat und es respektiert, weiß was davon zu halten ist.

aber wenn man schon one-man-Rekorde auflistet sollte das 99 Pkt (mit 11 von 14 FTs) Spiel von Radivoj Korac nicht unerwähnt bleiben.

http://www.euroleague.net/features/... -99-points

63 FGAs, war auch mein erster gedanke. zach, ein schwarzes loch sozusagen

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