Weltweit erhält jedes dritte Schulkind zu wenig Jod

Südostasien und Afrika am stärksten betroffen

Zürich - Immer mehr Länder versorgen ihre Einwohner mit genügenden Mengen des wichtigen Spurenelements Jod. Trotzdem sind weltweit noch 241 Millionen Schulkinder unterversorgt - die meisten in Südostasien und Afrika, wie eine Studie von Forschern der ETH Zürich zeigt.

Die Forscher um den Ernährungswissenschafter Michael Zimmermann werteten in ihrer Untersuchung die aktuellen Jod-Daten von 148 Ländern aus, teilte die ETH Zürich am Donnerstag mit. Die Werte verglichen sie mit Erhebungen, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den Jahren 2003 und 2007 durchgeführt hatte.

Wie die Wissenschafter im Fachmagazin "The Journal of Nutrition" berichten, sind die Bewohner von 32 Ländern ungenügend mit Jod versorgt. Im Jahr 2003 hatte die WHO noch 54 Staaten mit einer Unterversorgung gezählt. Die Studie zeigte aber auch, dass weltweit jedes dritte Schulkind mehr Jod braucht.

Prekäre Situation

Insbesondere in Südostasien und Afrika ist die Situation prekär: In diesen Regionen erhalten 76 Millionen respektive 58 Millionen Kinder zu wenig Jod. Zudem hat sich die Versorgung zum Beispiel in Russland seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verschlechtert. Mittlerweile ist die russische Bevölkerung unterversorgt.

Auch westliche Industrienationen wie Australien, Neuseeland und Großbritannien leiden unter Jodmangel. Der Grund: Großbritannien zum Beispiel hat nicht staatlich verordnet, dass Kochsalz mit Jod angereichert werden muss. Zudem sind in einigen Staaten die Menschen ungenügend informiert oder zunehmend skeptisch gegenüber Lebensmittelzusätzen.

Jod ist ein lebenswichtiges Element. Nahrungsmittel haben aber natürlicherweise einen so tiefen Jodgehalt, dass es für Menschen schwierig ist, ihren Bedarf zu decken. Jodmangel schadet der Gehirnentwicklung und führt zu einer Vergrößerung der Schilddrüse, die einen Kropf verursacht.

Gerade in Bergregionen war der Kropf früher häufig, weil Jod in diesen Regionen über die Jahrtausende aus dem Boden ausgewaschen wurde und deshalb in den Nahrungspflanzen fehlte. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten in bestimmten Schweizer Alpentälern drei von vier Personen einen Kropf, wie die ETH schreibt. (APA)

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