Ein erster Schritt zur Besserung

Kolumne29. Februar 2012, 19:51
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Wer weiß, vielleicht wird eines Tages Mensdorff, Strasser und Grasser doch noch die Würdelosigkeit ihrer Rechtfertigungen unerträglich und sie ringen sich zu ehrlichen Bekenntnissen durch

Ernst Strasser wollte also Agenten eines ausländischen Geheimdienstes entlarven. Zu diesem Zweck ist er in die Rolle eines dümmlichen, durch und durch korrupten EU-Abgeordneten geschlüpft, um seine Gesprächspartner durch Prahlereien über seine - nur vorgetäuschte - Bestechlichkeit zu provozieren.

Sein Freund Alfons Mensdorff-Pouilly wiederum hat um 1,1 Millionen Euro 2000 Stunden für die Telekom gearbeitet (bei einer 40-Stunden-Woche also praktisch durchgehend ein ganzes Jahr lang), kann sich aber an keine Details seiner Tätigkeit mehr erinnern, da er alle Unterlagen weggeschmissen hat.

Karl-Heinz Grasser hingegen stellt klar, dass seine Schwiegermutter sich nicht am "Verfolgungswahn" gegen ihn beteilige. Offensichtlich setzt die Dame statt auf leeren Wahn lieber auf harte Fakten, indem sie nicht nur die Bestätigung der Aussagen Grassers verweigert, sondern diesen vor den Finanzbehörden schwer belastet und dadurch Ermittlungen wegen Beweismittelfälschung gegen ihren Schwiegersohn auslöst.

Nein, die drei Herren haben genug Probleme, man muss nicht auch noch die juristische Folgenlosigkeit des Deliktes "Volksverhöhnung" beklagen. Wer angesichts dieser Symptome von Chuzpe-Hypertrophie gar die Frage " Wie wär's zur Abwechslung mal mit Reue?" stellt, dem ist ohnehin nicht zu helfen.

Oder doch? Ein STANDARD-Bericht lässt die Hoffnung aufkommen, dass Angeklagte vor Gericht wenigstens mit von schlechtem Gewissen angehauchter Selbsterkenntnis überraschen können. Im Zuge einer Klage gegen die Tageszeitung "Heute" wegen einer darin veröffentlichten, angeblich völlig unwahren Behauptung erklärte deren Anwalt, dass es sich bei dem beschuldigten Medium um ein "Gratisboulevardblatt" handle, dessen Geschichten nicht zwangsläufig "für bare Münze" genommen werden müssen. Die darin nur notdürftig versteckte Botschaft "Wer den Blödsinn, den wir schreiben, glaubt, ist selber schuld" mag den Hautgout des Zynischen haben, als Beispiel für ein klares Eingeständnis statt jämmerlicher Ausreden ist sie bemerkenswert. Wer weiß, vielleicht wird eines Tages Mensdorff, Strasser und Grasser doch noch die Würdelosigkeit ihrer Rechtfertigungen unerträglich und sie ringen sich durch zu Bekenntnissen wie "Sie fragen mich ernsthaft, ob ich als Waffenlobbyist mit Schmiergeld zu tun habe?", "Wenn man sich als Innenminister schon ständig mit Kriminalität beschäftigt hat, sollte man auch aus eigener Erfahrung wissen, worum es geht. Das hat schon mein Vorgänger Karl Blecha gewusst" oder "Ich war jung und brauchte das Geld ... nicht wirklich, aber für einen Klagenfurter Autoverkäufer ist der Jet-Set von Capri eine echte Herausforderung". Sie müssen ja nicht gleich so weit gehen wie Julius Meinl. Dessen Bank ließ unlängst ein Inserat schalten, das nur aus einem Satz bestand: "Unabhängige Justiz ist gefordert, in der Causa Meinl Rechtsstaatlichkeit wiederherzustellen".Eine Forderung, die auch die vielen geschädigten Anleger nicht schonungsloser formulieren hätten können und die vermuten lässt, dass Meinl bald schon mit kleinem Gepäck vor den Toren des Wiener Landesgerichtes Einlass begehren wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.3.2012)

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