Betrug bei Eigentumsrückgabe

Gabriele Lesser aus Warschau, 1. März 2012, 06:15
  • Dieses Haus in Lublin, früher eine Jeschiwa (eine Schule für orthodoxe 
Rabbiner), war in staatlicher Hand ein Krankenhaus. Das Gebäude wurde der 
jüdischen Gemeinde inzwischen restituiert
    foto: gabriele lesser

    Dieses Haus in Lublin, früher eine Jeschiwa (eine Schule für orthodoxe Rabbiner), war in staatlicher Hand ein Krankenhaus. Das Gebäude wurde der jüdischen Gemeinde inzwischen restituiert

Bei der Rückerstattung verstaatlichten Eigentums in Polen ist die katholische Kirche betrügerisch vorgegangen - Künftig soll es dazu Zivilverfahren geben. Die jüdische Gemeinde fürchtet, sich diese nicht leisten zu können

"Die Regierung in Warschau will Juden, Protestanten und Russisch-Orthodoxe dafür bestrafen, dass die Katholiken sich der Korruption schuldig gemacht haben", empört sich Piotr Kadlcik, Vorsitzender des Jüdischen Gemeindebundes in Polen. "Für uns wäre das eine Katastrophe. Die jüdische Kommission hat noch nicht einmal die Hälfte aller Anträge abgearbeitet." Kadlcik kritisiert, dass die Regierung jetzt wolle, "dass noch offene Anträge zivilrechtlich entschieden werden".

Zwar hat Polen als einziges ehemaliges Ostblockland neben Weißrussland noch immer kein Reprivatisierungsgesetz beschlossen, seit Mitte der 90er-Jahre bekommen Kirchen und Religionsgemeinschaften das von den Kommunisten zwangsverstaatlichte Eigentum dennoch zurück. Wo dies nicht möglich ist, wird eine Entschädigung ausbezahlt. Als 2010 die Medien immer häufiger von korrupten Machenschaften in der römisch-katholischen Vermögenskommission berichteten, nahmen Polizei, Staatsanwaltschaft und Antikorruptionsbüro Ermittlungen auf. Ein Jahr später wurde die Kommission stillschweigend geschlossen. Jetzt machte die linksliberale Gazeta Wyborcza den Regierungsbericht publik: Die Kommission aus zwölf Vertretern des Episkopats und zwölf Vertretern des Innenministeriums führte die Akten demnach nur in Papierform, vergaß Eingangsstempel auf Anträgen anzubringen, den Wert einer Immobilie anzugeben oder ihre Rückgabe zu vermerken.

Akten dreifach bearbeitet

Außerdem bearbeitete die Kommission manche Anträge doppelt und dreifach. Weder sind die Akten beschriftet, noch gibt es ein Register, sodass nicht mehr nachprüfbar ist, ob sie komplett sind. In 57 Fällen gingen die Akten ganz verloren. Die Vertreter des Staates akzeptierten grundsätzlich die Wertangaben der Kirche, ohne eigene Gutachter zu beauftragen. Die Entscheidungen der Kommission, die in 22 Jahren nie kontrolliert wurde, waren unanfechtbar.

So gelang es der Kommission, alle 3036 Anträge auf Eigentumsrückerstattung abzuarbeiten sowie 500 Anträge ein zweites Mal zu begutachten und der katholischen Kirche eine weitere Kompensation zuzusprechen. Nur in 142 Fällen gab es keine Einigung.

"Wir haben rund 5000 Anträge eingereicht", so Kadlcik. Darunter seien allein 1200 Friedhöfe. Anders als bei der katholischen Kommission, die ihre Arbeit inzwischen beendet hat, ist die jüdische gerade einmal bei 42 Prozent aller Anträge angelangt. "Davon wurde rund die Hälfte abgelehnt", klagt Kadlcik. Wenn die restlichen Anträge in Zivilverfahren entschieden werden, müsse die jüdische Gemeinde einen Prozentsatz des Streitwertes ans Gericht zahlen und auch diverse Termine im ganzen Land wahrnehmen.

Kadlcik geht davon aus, dass lokale Gerichte eher gegen die jüdischen Antragssteller entscheiden würden und wohl erst das Oberste Gericht ein akzeptables Urteil sprechen würde. "Diese Kosten kann unsere kleine Gemeinde gar nicht tragen. Das ist offene Diskriminierung. Sollte die Regierung das tatsächlich beschließen, werden wir laut protestieren", kündigt Kadlcik an. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.3.2012)

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14 Postings
Na Grüß Gott.

Da wünsche ich der katholischen Kirche in Polen so von ganzem reinen Herzen eine www.atheistische-religionsgesellschaft.at - Konkurrenz belebt das Geschäft! ;-)

jo ... in Ostdeutschland war's die Bundesregierung

Milliardenwerte einfach nicht restituiert, den Bürgern

geh

schickts der polnischen verwaltung doch ein paar alte commodore aus dem museum...

wen wunderts.

jesuitisch heisst verlogen, salvatorisch heisst, das vertragsklauseln (in versicherungsverträgen manchmal noch verwendet: " enthält keine salvatorischen klauseln" ) zu ungunsten des kunden sind. aus der inquisition kennen wir noch die folterknechte die dominikaner ( dominus carne ) und als verlogene ankläger und richter wieder die jesuiten. ohne anspruch auf vollständigkeit.

Frei von Vorurteilen ist der Franz natürlich nicht. Was Ihnen da so alles einfällt, wenn man den Katholiken ans Zeug flicken kann. Aber welches Vorurteil fällt Ihnen z. B. beim Begriff "jiddisch" ein?
Es ist aber so, dass auf der ganzen Welt die jeweilige Mehrheit versucht, ihre Position zu Lasten der Minderheiten weiter zu stärken. Das haben Sie im Osten bei den Orthodoxen, in Israel bei den Juden, natürlich auch bei den Katholiken in katholischen Ländern oder bei den Muslimen im arabischen Bereich aber auch bei den Kommunisten, wo dieses Phänomen besonders ausgeprägt war.

Hat jemand etwas anderes erwartet von der röm.kath.Kirche ?
Immer wenn`s um`s Geld und Besitz geht,zeigt sie ihr wahres Gesicht.

Scheint Normalzustand zu sen, da der große Aufschrei ausblieb

Würde aber erklären, wieso die sich Verhalten, als ob ihnen ganz Polen gehört. Das tut es nämlich.

ich orte da einen gesamtreligiösensumpf
da ist keiner besser als der andere
religionen eben
verdummen ihre eiferer
und der schmäh funktioniert seit tausenden von jahren.

roter baron

Deshalb: WENIGER PRIVAT. Mehr Staat für alle.

Deshalb: WENIGER PRIVAT. Mehr Staat für alle.

Und zurück zum Kommunismus. Nein. Danke

Gegen die vorhergehende Verstaatlichung sind solche Betrügereien bei der Rückgabe noch recht kleine Verbrechen.

gegen die jahrhundertelange erbschleicherei, betrügerei und sonstige kapitalverbrechen ist die verstaatlichung ein witz.

(Bewaffneter!) Raub ist allemal schlimmer als Erbschleicherei.
Ansonsten sehen Sie ja, dass Ihr famoser Staat diese aktuellen Betrügereien ja duldet bzw. aktiv mitträgt. Ohne die Mittäterschaft des Staates, den Sie auch noch stärken wollen, hätte sich hier niemand bereichern können. "Staat" heißt nun einmal meistens (außer vielleicht in einigen wenigen Staaten mit besonders hoch entwickelter demokratischer Kultur) Ineffizienz, Korruption, Ungerechtigkeit, Bereicherung einer privilegierten Elite.

Es braucht einen eingängigeren Slogan. Ich würde "mehr gemeinsam" vorschlagen.

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