Beate Klarsfeld, Präsidentschaftskandidatin der Linken

29. Februar 2012, 19:35
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Weltberühmt mit einer Kanzler-Ohrfeige

Der Stolz von Beate Klarsfeld ist unüberhörbar. "Du wirst lange warten, bis sich Deutschland erkenntlich zeigt. Es wird erst passieren, wenn du alt bist." Das habe ihr Mann Serge 1968 zu ihr gesagt, als sie den deutschen Kanzler Georg Kiesinger ohrfeigte und als "Nazi" beschimpfte.

Jetzt ist es so weit. Jetzt bekommt die 73-Jährige endlich Anerkennung - zwar nicht von ganz Deutschland, aber doch von der Linkspartei, die sie als Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl aufstellte. "Es ist eine große Ehre", sagt Klarsfeld 43 Jahre nach der "Watschn".

Diese Ohrfeige, man kommt nicht darum herum. In ihr manifestieren sich die beiden Lebensthemen der Berlinerin Klarsfeld: der Kampf gegen untergetauchte Nazis und der weitgehend erfolglose Kampf um Anerkennung in Deutschland.

In den USA, in Israel, auch in ihrer Wahlheimat Frankreich wurde Klarsfeld mit höchsten Ehren ausgezeichnet. Nur Deutschland verweigert ihr das Bundesverdienstkreuz. Denn Klarsfeld schreckte auch vor illegalen Aktionen nicht zurück. Kurt Lischka, der in Frankreich für die Deportation von Juden verantwortlich war, versuchte sie in den Siebzigerjahren von Köln nach Frankreich zu entführen.

Nach Paris geht Klarsfeld 1960 als Au-pair. Dort lehnt sie ihren Mann kennen, einen Historiker und Anwalt mit jüdischen Wurzeln. Sein Vater wurde in Auschwitz ermordet, Klarsfeld versucht eine "gute Deutsche" (Eigenbeschreibung) zu werden: "Ich wollte dazu beitragen, ein neues Bild von Deutschland zu schaffen."

Dass der im Burgenland geborene Alois Brunner, ein Handlanger Adolf Eichmanns, 2001 von einem französischen Gericht in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, geht auch auf die Aktivitäten Klarsfelds zurück. Gefasst ist er allerdings immer noch nicht.

Doch außer ihrem Kampf gegen Nazi-Verbrecher hat Klarsfeld wenig zu bieten. Wofür sie sich als Bundespräsidentin denn einsetzen wolle, wird sie am Mittwoch in Berlin bei einer Pressekonferenz gefragt. Ihre Antwort: "Im Augenblick kann ich noch kein Programm festlegen, weil ich noch nicht gewählt worden bin."

Die Linke ist darüber womöglich gar nicht so unglücklich. Klarsfeld unterstützt in Paris den konservativen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Der findet die deutschen Sozialreformen ("Hartz IV") gut, die Linkspartei hingegen möchte diese gänzlich abschaffen. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.3.2012)

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