Lagerhallenmord: Schütze muss lebenslang in Haft

29. Februar 2012, 19:02
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Schuldsprüche wegen Mordes mit jeweils 7:1 Stimmen - 20 Jahre für Witwe wegen Beteiligung

Wien - Mit zwei Schuldsprüchen wegen Mordes ist am Mittwochabend der Prozess um den sogenannten Wiener Lagerhallenmord zu Ende gegangen. Die Witwe eines am Abend des 11. Februar 2011 in Wien-Donaustadt erschossenen 36-Jährigen wurde im Straflandesgericht zu 20 Jahren, ihr 37 Jahre alter Cousin zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Geschworenen gingen mit 7:1 Stimmen davon aus, dass dieser entgegen seiner Unschuldsbeteuerungen aus einer Entfernung von einem halben Meter dem Opfer am Abend hinterrücks einen Kopfschuss versetzt hatte.

Die 42 Jahre alte Frau wurde wegen Beteiligung, nicht aber - wie von der Anklage angenommen - als Anstifterin verurteilt. Bei der Strafbemessung wertete das Gericht (Vorsitz: Georg Olschak) die "sorgfältige Planung" sowie die "heimtückische Begehungsweise" als besonders erschwerend.

Die Urteilsverkündung, bei der aus Sicherheitsgründen nicht weniger als elf Justizwachebeamte, eine Ärztin des Landesgerichtlichen Gefangenenhauses sowie ein Sanitäter zugegen waren, verlief ohne Zwischenfälle. Auch die Witwe, die während des Verfahrens oftmals in Tränen ausgebrochen und einmal mit einem Weinkrampf zusammengebrochen war, bewahrte die Fassung. Die Urteile sind nicht rechtskräftig, die Verteidiger erbaten Bedenkzeit.

Mordkomplott mit "Kopfgeld"

Laut Anklage soll die Ehe zwischen dem Opfer und seiner Frau, die sich im Sommer 2006 kennengelernt und bereits im Oktober desselben Jahres geheiratet hatten, sehr schlecht verlaufen sein. Der Mann habe sich am Ende eine eigene Wohnung suchen wollen und in diesem Zusammenhang befürchtet, ihm könne etwas "zustoßen", falls er sich von seiner Frau löse.

Im Dezember 2010 sollen die 42-Jährige und ihr Cousin begonnen haben, ein Mordkomplott gegen den Ehemann zu schmieden. Dem Staatsanwalt zufolge erwarb der Cousin zu diesem Zweck eine Pistole. Er soll von der Ehefrau ein "Kopfgeld" von 40.000 Euro versprochen bekommen und außerdem die Zusicherung erhalten haben, nach geglückter Tat auch die insgesamt drei Fahrzeuge des Opfers verkaufen und damit zu Geld machen zu dürfen.

Der Staatsanwaltschaft zufolge wurde der 36-Jährige in einer Lagerhalle am Agavenweg, in der er alte Elektrogeräte reparierte, um diese in Serbien zu verkaufen, in einen Hinterhalt gelockt und von dem 37-jährigen Mann, der ihm zuvor regelmäßig beim Arbeiten geholfen hatte, hinterrücks erschossen. Der Cousin und die Witwe hatten während der mehrtägigen Verhandlung stets betont, am Abend des 11. Februar zwar am Tatort gewesen zu sein. Doch der Getroffene habe noch gelebt, als sie das Gelände verließen. Mit dem Mord hätten sie nichts zu tun.

Widerruf nach Schock

Nach ihrer Festnahme, die rund drei Wochen nach der Bluttat erfolgt war, hatte die Witwe allerdings in einer ausführlichen polizeilichen Einvernahme ein Geständnis abgelegt. Sie gab zu, ihr Cousin habe ihr vorgeschlagen, auf ihren Mann zu schießen. In der Lagerhalle habe sie dann einen "Knall" gehört und gewusst, dass er ihn erschossen habe, hatten die Kriminalisten im Polizeiprotokoll ihre Angaben festgehalten.

Diese widerrief die Frau vor dem Schwurgericht, indem sie erklärte, sich habe sich damals in einem "Schock" befunden und deshalb nicht die Wahrheit gesagt.

Der Psychiater Werner Brosch bezeichnete diese Darstellung heute, Mittwoch, als "in psychiatrischer Hinsicht wenig plausibel". In seinem Gutachten, in dem er der Frau volle Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt bescheinigte, ging er davon aus, dass ein Schockzustand allgemein die Reaktion auf ein plötzliches Ereignis sei. Eine wochenlang anhaltende Schockstarre sei mit den Erkenntnissen seiner Wissenschaft "nicht wirklich vereinbar". (APA)

  • Lebenslang und 20 Jahre lauteten die Urteile im Lagerhallenmord.

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