Bedrohliche Geldschwemme

Kommentar |

Die EZB hat bereits mehr Mittel ins Finanzsystem gepumpt als ihr US-Pendant Federal Reserve

Das Aufatmen in Europa und vielen anderen Teilen der Welt ist groß: Mit ihren historisch einmaligen Aktionen scheint die Euro-Zentralbank eine Eskalation der Schuldenkrise verhindert zu haben. Die für die Refinanzierung bedrohlich hohen Zinsen auf Staatsanleihen in Italien und Spanien kehrten auf einigermaßen erträgliche Niveaus zurück. Und an den Rohstoff- und Aktienmärkten werden die Liquiditätsspritzen ebenfalls gefeiert. Der wichtige New Yorker Börsenindex Dow Jones übersprang erst am Dienstag die Marke von 13.000 Zählern und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2008.

Auch wenn sich niemand gern die Party vermiesen lassen möchte: Beim aktuellen Höhenflug deutet alles auf eine künstliche Blase hin. Die EZB hat - trotz aller Bekenntnisse zur Stabilität - bereits mehr Mittel ins Finanzsystem gepumpt als ihr US-Pendant Federal Reserve. Längst verbindet die Notenpresse die beiden Gelddrucker, Unterschiede gibt es nur in der Verteilung der Scheine: Washington verteilt sie direkt an das Schatzamt, Frankfurt verschleiert das, indem die Zentralbank die Staaten via Banken flutet.

Angesichts der gewaltigen Schwemme leitet das System viel Geld in die Aktien- und Rohstoffmärkte ab, wo die Preise enorm anziehen. Szenario A: Die Blase platzt, und die nächste Finanzkrise ist perfekt. Szenario B: Sie platzt nicht, dafür belastet die Inflation Konsumenten wie Unternehmen. Man hat schon von lustigeren Partys gehört. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.3.2012)

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