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Die alte Semmeringbahn steht unter Naturschutz. Gilt das auch für den Umgang der Politik mit den Prüfungsverfahren zum Bau des umstrittenen Basistunnels?
Anfang dieser Woche wurden bereits, in Vorbereitung des im April geplanten Spatenstichs für den milliardenteuren Basistunnel, etliche Häuser abgerissen. - Zu voreilig, meint ein Ökologie-Experte.
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Zur Erinnerung: Schon beim alten Tunnelprojekt begannen die Bagger in Mürzzuschlag aufzufahren, ohne dass die naturschutzrechtliche Genehmigung hiefür vorlag. Der Sondierstollen wurde vorangetrieben, bis es zum befürchteten Wassereinbruch kam. Seither müssen auf Kosten des Steuerzahlers Millionen Liter Wasser täglich ausgepumpt werden.
Seinerzeit wurde von 75 Litern pro Sekunde gesprochen; beim neuen Tunnelprojekt sind es bereits 450 l/s. Bis zu 38 Millionen Liter Wasser sollen demnach täglich dem natürlichen Wasserhaushalt des NÖ Landschaftsschutzgebietes "Rax-Schneeberg" entzogen werden. Dennoch gibt es einen positiven Naturschutzbescheid der BH Neunkirchen, angefochten von den Semmeringer Bürgerinitiativen. Denn sie stellen zurecht die Frage, weshalb seinerzeit ein Sechstel der Wassermenge ausgereicht hat, dass das Land Niederösterreich negative Naturschutzbescheide ausgestellt hat, nun aber - bei der sechsfachen Wassermenge - alles naturverträglich sein soll.
Der geologische Aufbau des Semmerings und seine hydrogeologischen Eigenschaften können sich jedenfalls im Zeitraum von zwanzig Jahren kaum derart geändert haben, dass nun die Naturverträglichkeit gegeben ist. Ganz im Gegenteil - der Semmering ist nach wie vor ein geologisch äußerst sensibles Gebiet, in dem auf engstem Raum drei geologische Großeinheiten, das Ober-, Mittel- und Unterostalpin, aufeinander treffen. Deshalb müssen auch täglich 2 bis 11 Millionen Liter Wasser aus den S6-Schnellstraßentunnels abdrainagiert werden, damit diese nicht absaufen. Wenn nun auch noch die 38 Millionen Liter Wasser aus dem Semmering-Basistunnel abgeleitet werden sollen, hat dies gravierende Auswirkungen auf das Europaschutzgebiet "Nordöstliche Randalpen: Hohe Wand - Rax - Schneeberg".
Nur wurde diese kumulative Wirkung im naturschutzrechtlichen Verfahren nicht geprüft, weshalb die Umweltorganisation "Alliance For Nature" Berufung eingebracht hat. Denn gemäß NÖ- Naturschutzgesetz hat eine derartige Prüfung zu erfolgen. Sie wurde jedoch unterlassen, womit auch gegen EU-Recht verstoßen wurde. Ähnliches gilt für die unterlassene Strategische Umweltprüfung, wie sie die EU-Richtlinie 2001/42/EG und das österreichische Bundesgesetz über die strategische Prüfung im Verkehrsbereich (BGBl. I Nr. 96/2005) vorschreiben. Somit wurde das Projekt "Semmering-Basistunnel neu" nicht allen gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungsverfahren unterzogen. Der Baubeginn des " Semmering-Basistunnels neu" würde somit ebenso gesetzeswidrig erfolgen wie jener des alten Tunnelprojekts. Das letzte Wort werden wohl wieder die Höchstgerichte (VwGH und VfGH) zu sprechen haben, die aber selbst gerade bei einer wichtigen Zuständigkeitsfrage bezüglich Umweltverträglichkeitsprüfung uneinig sind. (Christian Schuhböck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.3.2012)
Autor
Christian Schuhböck, Gerichtssachverständiger für Naturschutz, Landschaftsökologie und Landschaftspflege, ist Generalsekretär der NGO " Alliance for Nature", die das Semmeringtunnel-Projekt beeinsprucht hat.
kann man zwar das Wasser wegleiten aber nicht unterhalb des Tunnels wieder dem Berg zuführen? Ich verstehe das nicht.
Ist das bloß zu teuer oder fehlt es da nur an Phantasie?
Außerdem: irgendwo tritt das Wasser ja auch jetzt wieder zu Tage, das bleibt ja nicht ewig im Berg.
Nix für ungut, aber das Wasserproblem muß doch lösbar sein, die Errichtung der alten Semmeringbahn war ja auch kein reines Honigschlecken seinerzeit!
Der Abgang von ca. 60 Mill. m3 Trinkwasser jaehrlich ueber die 1. Wiener Hochquellenleitung nach Wien ist fuer den Hochschwab angeblich kein oekologisches Problem.
Die ca. 10 Mill. m3 Wasser aus Rax-Schneeberg
bringen einen grossen oekologischen Schaden.
Irgendwie passen die beiden Aussagen nicht zusammen. Es haengt doch nicht damit zusammen, dass in einem Fall die Steiermark und im anderen Fall NOe betroffen ist ?
Zu diesem Schluss muss man kommen, sieht man sich den Werbekalender 2012 von Schuhböck und seiner Allliance for Nature an:
http://www.bild.de/reise/eur... .bild.html
Das erinnert mich eher an Josefine Mutzenbacher, denn an seriöse Umweltkampagne! Wenn man mit solchen Fotos für ein Weltkulturerbe wirbt, hat man einen ganz schönen Pascher!!!
aber es verdienen zu viele Manager und Politiker an derartigen Projekten - je größer, desto mehr und da ist das Thema ökologische Katastropen nicht mehr so wichtig, denn da leidet nur die Bevölkerung bis hin nach Wien (schließlich kommt zB das Hochquellwasser ausschließlich aus der Gegend)
das sind wie im Artikel beschrieben täglich bis zu 50 Millionen Liter Wasser die dem Gebiet verloren gehen (S6 + Basistunnel)
dabei gäbe es billigere und verträglichere Lösungen, die aber eben den geschmierten Entscheidungsträgern nicht so viel Geld bringen (es gab von Anfang an Alternativen, die außen um den Semmering führen würden und den selben wirtschaftlichen Nutzen bringen würden bei viel geringeren laufenden Kosten)
Das Wiener Hochquellenwasser hat mit dem Tunnelgebiet nichts zu tun.
Was allerdings richtig ist, ist daß die Wiener Hochquellenwasserleitung der größte Wassereingriff in der Gesamtregion ist, da dieses Wasser nicht im Gebiet kleinräumig umgeleitet, sondern großräumig abgeleitet wird.
Der Umkehrschluss - egal, ob zulässig oder nicht, - ist, dass sich im karstigen Semmering-Gebiet die Dolinen mit Wasser füllen und das Bergmassiv irgendwann absaufen wird. Die Semmering-Straßentunnel und Eisenbahntunnel (2 x Scheiteltunnel, 1 x Basistunnel) werden sicher dazu beitragen, dass Wasser aus dem Berg quillt, die "Befürchtungen" des Ausrinnens sind aber übertrieben.
es gab damals noch genug Alternativen.
Nur ist Trinkwasser - noch dazu in dieser Qualität - eine immer seltener werdende Kostbarkeit.
Vergessen sie auch nicht, daß das Wasser Jahrzehnte benötigt um zu den Quellen zu sickern - die langfristigen Auswirkungen kommen erst auf alle zu.
dass Tunnels der seelischen Gesundheit der Menschen abträglich sind. Der Stress, in einem Berg mit rasender Geschwindigkeit durchzufahren bleibt imho nicht folgenlos. Eine gewisse klaustrophobische Neigung ist schon in unserer Natur angelegt. Wir brauchen Fluchtwege, und die sind in einem Tunnel nur sehr beschränkt vorhanden.
"zu den Fenstern schauten lebendige Menschenköpfe heraus, und schrecklich schnell ging's, und ein solches Brausen war, daß einem der Verstand stillstand"
"Draußen in der Nacht rauschte und toste es, als wären wir von gewaltigen Wasserfällen umgeben, und ein ums andere Mal hallten schauerliche Pfiffe. Wir reisten unter der Erde"
aus:
"Als ich das erste Mal auf dem Dampfwagen saß"
von Peter Rosegger
http://members.nanet.at/jirout/da... wagen.html
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