Umweltschützer und Touristiker gegen Kraftwerk an Isel

29. Februar 2012, 19:54
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Im National­park Hohe Tauern formiert sich Protest

Innsbruck - "An der Isel ein Großkraftwerk zu errichten, kann man nur als Schnapsidee bezeichnen", sagt Adolf Berger von der Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Virgental. Gerade Osttirol habe sich im Gegensatz zu vielen Regionen Österreichs seine unverfälschte Natur bewahrt. Geplant sind zwei Großkraftwerke am Oberlauf der Isel. Mit fatalen Auswirkungen: Das geplante Kraftwerk im Virgental etwa würde Iselwasser auf einer Strecke von 15 Kilometern, also im gesamten Siedlungsraum des Tales, in einen Stollen zwängen - mit massiven negativen Auswirkungen auf die wertvolle Flussnatur.

"Die Isel beherbergt neben dem Lech die größten Bestände der Deutschen Tamariske in Österreich", erklärt Wolfgang Retter, Gründer der Plattform Netzwerk Wasser Osttirol und langjähriger Kämpfer für die Isel. Außerdem biete dieser letzte frei fließende Gletscherfluss der Ostalpen weiteren seltenen Tier- und Pflanzenarten - wie dem Flussuferläufer - Lebensraum. Für Retter wäre es ein Affront, diese "Wiege der Artenvielfalt für ein paar Kilowattstunden Strom zu opfern".

Unberührtes Wasser als Tourismus-Sensation

Nicht nur der World Wide Fund for Nature (WWF), Bürgerinitiativen und Umweltschützer, auch Touristiker warnen vor dem Bau der Kraftwerke. "In Osttirol ist die Isel mit ihren Umbalfällen im Nationalpark Hohe Tauern das touristische Highlight", sagt Josef Kreuzer, Aufsichtsrat im Tourismusverband Osttirol. Er sei seit 40 Jahren Hotelier und wisse, dass das unberührte Wasser die Tourismus-Sensation sei: "Wir dürfen unsere Gewässer nicht der Geldgier opfern." Für Franz Rohrbacher, ebenfalls Touristiker, würde ein Kraftwerk an der Isel dem Osttiroler Wander- und Bergtourismus "das Herz rauben". Und zwar gerade in einer Zeit, wo vor allem das Wandern im Hauptmarkt Deutschland stark nachgefragt werde. Gerade Virgen und Praegraten sowie das gesamte hintere Iseltal lebten vor allem vom Tourismus. Das alles würde nachhaltig zerstört durch kurzsichtiges Profitdenken.

Die geplanten Kraftwerke würden zudem nur scheinbar der Energieversorgung dienen, erklärt Christoph Litschauer vom WWF: Es sei längst klar, dass die Zukunft in der Sonnenenergie liege. "Wir sind eine Nationalparkregion", sagt Umweltschützer Berger: "Irgendwann werden uns die Leute das nicht mehr glauben. Oben haben wir den Nationalpark und unten bauen wir Kraftwerke." (Verena Langegger, DER STANDARD, Printausgabe, 1.3.2012)

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    Die Nationalparkregion besticht auch an der Isel mit unberührter Natur. Es droht der Bau von Kraftwerken.

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