Streitpunkt Zentralmatura

29. Februar 2012, 14:58
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Weder Schülern noch Eltern noch Lehrern gefällt es, dass die neue Reifeprüfung schon übernächstes Jahr kommt

PRO

In der jetzigen Form ist der Zentralmatura nicht allzu viel Positives abzugewinnen. Wie bei praktisch allen Projekten von Bildungsministerin Claudia Schmied soll ein Kompromissfleckerlwerk so schnell wie möglich umgesetzt werden. Jedoch hat die Forderung nach einer standardisierten Matura seinen Grund. Die Abschlussnoten österreichischer Schüler sind nur schwer miteinander vergleichbar. An unterschiedlichen Schulen haben sich unterschiedliche Niveaus eingebürgert. Eine Leistung, die an einer Schule mit einem "Sehr gut" beurteilt wird, ist an einer anderen Schule nur ein "Befriedigend" wert - wie auch der Pisa-Test gezeigt hat. Die Idee der Zentralmatura ist gut. Der Lehrer verliert die Kontrolle über die Maturaaufgaben und wird dadurch mit der Klasse auch jene Stoffgebiete erarbeiten, die er zuvor als weniger wichtig einstufte. Jedoch sollten die abgefragten Level gesenkt werden. Ansonsten wird die Quote jener, die bei der Matura oder kurz davor schulisch scheitern, in den nächsten Jahren rasant ansteigen. (Nikolaus Trimmel)

KONTRA

Weder Schülern noch Eltern noch Lehrern gefällt es, dass die neue Reifeprüfung schon übernächstes Jahr kommt. Die Angst, dass man Aufgaben bekommt, die man noch nie zuvor gesehen hat, ist bei den Schülern spürbar. Immerhin teilen sie ihre Nervosität mit den Lehrern, denn auch diese wissen nicht, ob sie ihre Schützlinge optimal vorbereitet haben. Als Schüler hat man bislang nicht das Gefühl, sich gut vorbereiten zu können. Die Unterrichtsmethoden- und Materialien und die Lehrbücher sind großteils noch nicht angepasst. Auch gab es an den meisten Schulen bislang keinerlei Einführungen in das vorwissenschaftliche Arbeiten, das für die kompetenzorientierte Matura verpflichtend geworden ist. Ein weiterer Nachteil der gemeinsamen Matura ist, dass jede Chance auf Individualität zunichtegemacht wird. Die Lehrer können noch weniger auf die Stärken und Schwächen sowie Interessen und Bedürfnisse der Schüler eingehen. Der Lehrplan muss bis zum bitteren Ende durchgepeitscht werden. (Tarek Diebäcker, DER STANDARD-Printausgabe, 29. Feber 2012)

 

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