Ö1-Redakteure klagen über Kostendruck

29. Februar 2012, 14:14
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Redakteurssprecherin Frank: Senkung der Pro-Kopf-Kosten sorgt für Probleme - Amon sieht ebenfalls Spardruck

Wien - Die Redakteure des ORF-Senders Ö1 machen sich Sorgen über zunehmenden Kostendruck. Wie Dorothee Frank, Redakteurssprecherin des Bereichs Kultur/Feature/Musik, sagte, leiden die Ressorts des Kultursenders immer stärker unter den Sparvorgaben. Einer der Gründe sei die vom Gesetz vorgeschriebene Senkung der Pro-Kopf-Kosten im ORF. Dies müsse repariert werden und der Sender darüber hinaus mit mehr Programmbudget ausgestattet werden, so die Redakteurssprecherin. Radiodirektor Karl Amon räumte ebenfalls Spardruck ein.

Frank spricht formal für 43 wahlberechtigte Redakteure und betont, auch die Positionen anderer Ö1-Redakteurssprecher - für Wissenschaft, Online und Religion - zu vertreten. Sie sieht "Ö1 nun endgültig am Limit angelangt", wie sie sagte. Der ORF habe in den vergangenen vier Jahren 14 Prozent des Personals abgebaut. Diese Sparmaßnahmen würden "naturgemäß überall dort voll durchschlagen, wo die Programmkosten in erster Linie Personalkosten sind - wie eben in Ö1". Mit konkreten Folgen: "Wenn, wie jetzt, die Grippe grassiert, wissen wir zum Beispiel in meiner Stammredaktion, der Aktuellen Kultur, kaum mehr, wie wir den Betrieb aufrechterhalten sollen."

Personalressourcen in jüngster Zeit noch stärker reduziert

Durch die im ORF-Gesetz 2010 verordnete Senkung der Pro-Kopf-Kosten seien die Personalressourcen in jüngster Zeit sogar noch stärker reduziert worden, schilderte die Journalistin. Der Grund: Bei einem großen Teil der 2004 neu angestellten Mitarbeiter handle es sich um Teilzeit-Angestellte, die früher bis zu einem gewissen Grad Mehrstunden leisten konnten, womit oft Aufträge anderer Redaktionen abgedeckt wurden.

Für den Sender hat dies laut Frank gravierende inhaltliche Folgen: "Dieses 'Querarbeiten' ist absolut unverzichtbar für Ö1, da nur so bestimmte Themen in den unterschiedlichen Sendungen von den passenden Fachredakteuren mit Spezialkenntnissen abgedeckt werden können", sagte Frank. Diese Möglichkeit sei durch die vorgeschriebene Senkung der Pro Kopf-Kosten stark eingeschränkt worden.

Zuletzt hatten die Freien Mitarbeiter des Senders mit der Forderung nach besserer Bezahlung von sich reden gemacht. Die Redakteure schließen sich dem an, sagte Frank: "Dass sich immer mehr Freie nicht leisten können oder wollen, für den ORF tätig zu sein, beschädigt die Programmarbeit und nimmt den Redaktionen die Möglichkeit, hoch qualifizierten Nachwuchs nicht nur heranzuziehen, sondern auch langfristig zu binden."

Aufstockung unabdingbar

Für sie ist unabdingbar, dass die Programmbudgets "in Bereichen wie Ö1 dringend aufgestockt werden müssen", so das Fazit. "Ansonsten würde schon allein die Anhebung der Freien Mitarbeiter-Honorare dazu führen, dass das Programm nicht mehr in der Qualität produziert werden kann, die uns das Renommee eines der besten Kultursender Europas verschafft."

ORF-Hörfunkdirektor Amon sieht ebenfalls eine budgetäre Enge, wie er einräumt: "Es stimmt, dass die MIZ-und Pro-Kopf-Kosten-Vorgaben (Maßnahmen, Indikatoren und Zielvorgaben, Anm.) einen Spardruck mit sich bringen. Dass sich alle und natürlich ich auch mehr Budget wünschen würden, ist auch eine Tatsache." Allerdings müsse überall sparsam gewirtschaftet werden, nicht nur im ORF, gibt er zu bedenken: "Ich werde aber unter anderem auch dafür bezahlt, dass die Arbeitsfreude und Kreativität der Mitarbeiter nicht allzu sehr darunter leidet und dass das Sparprogramm das Programm nicht schwächt. Ich weiß mich hier unterstützt von den anderen Direktoren und dem Generaldirektor."

Grundsätzlich würden ihn Sparprogramme begleiten, "seit ich im ORF in Führungspositionen tätig bin", wie Amon sagte. "Wir müssen jetzt natürlich auch schauen, wohin sich die Radios international entwickeln, vor allem im Hinblick aufs Internet als Verbreitungsmöglichkeit für Radiocontent. In diesem Bereich wird der technologische Fortschritt Kostenerleichterungen bringen, die dann wiederum dem Programm zugutekommen müssen." (APA)

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