Kontrollamt hat einiges an Wiener Wohnen zu beanstanden

29. Februar 2012, 17:17
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Mängel bei Gasanlagenüberprüfungen - Geldflüsse ohne Prüfung

Wien - Das Ressort von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SP) nahm das Kontrollamt bei seiner aktuellen Prüfungs-Reihe unter die Lupe. Dabei gab es so einiges zu beanstanden; am deutlichsten fiel die Kritik an der Zusammenarbeit der städtischen Gemeindebau-Verwaltung Wiener Wohnen und ihrer hundertprozentigen Tochter, der Wiener Wohnen Kundenservice GmbH, aus. Diese ist Anlaufstelle für die Beschwerden der Gemeindebaubewohner und werde von Wiener Wohnen viel zu wenig kontrolliert, meinen die Prüfer. Diese hatten den Eindruck, dass alle Kosten des Kundenservice bezahlt würden, ohne zu prüfen. Außerhalb der allgemeinen Leistungsvereinbarung würden Zusatzverträge abgeschlossen, was die Gebarung sehr schwer nachvollziehbar mache.

Das Kontrollamt empfiehlt Wiener Wohnen, viel genauer hinzuschauen anstatt sich "darauf zu beschränken, die von der Kundenservice GmbH geforderten Beträge (...) zu genehmigen". Grundsätzlich sei zu hinterfragen, ob die ausgelagerte GmbH überhaupt notwendig sei. Wiener Wohnen verspricht in seiner Stellungnahme, die Kritik in den Neuausrichtungs-Prozess der Tochtergesellschaft einfließen zu lassen.

Risiko von Explosionen

Nachlässigkeit ortet das Kontrollamt bei der Überprüfung von Gasanlagen in Gemeindebauten. Die zum Teil 50 Jahre alten Leitungen würden nur im Fall eines Gebrechens überprüft, und nicht - wie gesetzlich vorgesehen - zumindest alle zwölf Jahre. Der Notdienst funktioniere gut, räumt das Kontrollamt ein; es empfiehlt Wiener Wohnen gleichzeitig, "mit der flächendeckenden Überprüfung der Gasanlagen in ihren Wohnhausanlagen umgehend zu beginnen", schließlich könnten undichte Leitungen zu Gasexplosionen führen". Die Stadt sagt dazu, die Ausschreibung für einen solchen Großauftrag solle im ersten Halbjahr 2012 erfolgen, der Zuschlag im zweiten Halbjahr.

Bereits zum zweiten Mal hat das Kontrollamt den Umgang mit Sat-Schüsseln in städtischen Wohnhausanlagen überprüft; diese seien oft nicht ordnungsgemäß angebracht und überprüft worden, ergaben Stichproben 2010. Wiener Wohnen begann daraufhin damit, den Ablauf des Genehmigungsverfahrens zu ändern, Mieter müssen nun nachweisen, dass die Sat-Schüssel von einer Fachfirma errichtet und an die Blitzschutzanlage angeschlossen wurde.

Nur schleppend geht es laut Kontrollamt mit der thermischen Sanierungen der Gemeindebauten voran. Wiener Wohnen fühlt sich dafür gar nicht so richtig zuständig, ist dem Bericht zu entnehmen: Vorrangiges Ziel sei die Schaffung von Wohnungen für sozial einkommensschwachen Wiener; man fühle sich dem Klimaschutz zwar verpflichtet, diesen müsse man aber "eindeutig hintanreihen". Das Kontrollamt ließ diese Begründung nicht gelten: Gebäudesanierungen hätten eine soziale Komponente, schließlich würden schlecht gedämmte Wohnungen und damit hohe Heizkosten eine zusätzliche finanzielle Belastung für einkommensschwächere Mieter" darstellen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 1.3.2012)

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    Wenigstens bei der Montage von Sat-Schüsseln durch Mieter hat sich laut Kontrollamt einiges zum Besseren gewendet.

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