Nashorn-Hörnerdiebe schlugen in deutschen Museen zu

29. Februar 2012, 14:06
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Vorfälle auch in Österreich

Frankfurt/Main/Wien - Die Ermittler der Offenburger Polizei haben derzeit einen für sie bisher einmaligen Diebstahl aufzuklären: Am helllichten Tag stahlen Unbekannte im städtischen Museum die Hörner eines knapp 75 Kilo schweren Rhinozeros-Präparats. Die Museumsleitung vermutet dahinter organisierte Schwarzhändler. Diebe haben in jüngster Zeit schon in mehreren Museen im gesamten Bundesgebiet zugeschlagen. Auch in Österreich kam es zu solch ungewöhnlichen Diebstählen. Heimische Beamte würden über Europol mit den deutschen Kollegen zusammenarbeiten, sagte eine Wiener Polizeipressesprecherin.

Bei dem jüngsten Coup in Deutschland kamen am Samstag vier Besucher in das an diesem Tag spärlich besuchte Museum. Zwei von ihnen lenkten die Museumsaufsicht ab. Ihre beiden Komplizen hoben unterdessen binnen Minuten den Tierkopf von der Wand, zerrten ihn in einen Nebenraum und entfernten ihm dort beide Hörner. Mit der Beute entkamen sie unerkannt, das zerstörte Präparat ließen sie zurück.

wurde das ramponierte Rhinozeros-Kopfpräparat wieder an Ort und Stelle in vier Metern Höhe befestigt. Dafür seien vier starke Männer nötig gewesen, sagte Museumsleiter Wolfgang Gall. Jetzt hängt der Kopf ohne Horn an der Wand des Offenburger Museums im Ritterhaus.

Potenz- und Heilmittel

Der Handel mit den Hörnern gilt als äußerst lukrativ. Vor allem in Ostasien lässt sich demnach damit viel Geld verdienen: Der Umweltschutzorganisation WWF zufolge werden in Vietnam für 100 Gramm gemahlenes Horn bis zu 2.000 Euro gezahlt. Das Pulver gilt dort als begehrtes Potenz- und Heilmittel, etwa gegen Krebs, Malaria oder Epilepsie.

Der Offenburger Polizeisprecher Patrick Bergmann will zwar nicht den Begriff Mafia in den Mund nehmen, sagt aber: "Wir gehen schon davon aus, dass die Täter genau wussten, was sie machten." Seit gut eineinhalb Jahren treiben Horn-Jäger in Deutschland ihr Unwesen: Sie waren schon im oberfränkischen Bamberg und in Sebnitz in Ostsachsen. Sie stahlen die Hörner aus dem kleinen Jagdmuseum im niedersächsischen Oerrel und aus der großen zoologischen Sammlung der Universität Hamburg.

Bereits in November wurde in Österreich eine Nashorn-Trophäe aus dem Wiener Dorotheum entwendet. Die beiden Täter wollten dort eigentlich zwei Hörner stehlen, verloren eines jedoch bereits auf der Flucht. Einen Tag später schlugen Horndiebe erneut zu und stahlen einem Tierpräparator sein am Vortag im Auktionshaus ersteigertes Nashorn-Horn. Zwei Männer kamen in das Geschäft des Präparators. Sie erkundigten sich in englischer Sprache nach Tierpräparaten aus Afrika. Der Geschäftsinhaber begab sich daraufhin mit den Männern in seine Wohnung und zeigte ihnen das Horn des Rhinozeros, welches er am Vortag bei der Auktion ersteigert hatte. Als der Präparator einen Anruf erhielt, nützten die beiden Unbekannten den für sie günstigen Moment und flüchteten mit der Nashorn-Trophäe. (APA)

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    Dem präparierten Nashornkopf wurden beide Hörner mit einem kolportierten Gesamtwert von 50.000 Euro entfernt.

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