Ein Toter bei Lawinenabgang in Obertauern

29. Februar 2012, 13:54
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44-Jähriges Mitglied der Lawinenwarn-Kommission hat bei Gefahrenbeurteilung in freiem Gelände Schneebrett losgetreten - 200 Meter in die Tiefe gerissen - Kollegen bargen Verschütteten

Salzburg - Bei einer Kontrollfahrt der örtlichen Lawinenwarn-Kommission in Obertauern (im Salzburger Bezirk Pongau) ist heute, Mittwoch, um 9.25 Uhr ein Lawinen-Experte aus Tamsweg selbst von einem Schneebrett mitgerissen und getötet worden. Der sehr erfahrene 44-Jährige war mit einem Kollegen mit Skiern in freiem Gelände im Bereich der Seekarspitzbahn bei einer kommissionellen Begehung, um feststellen, ob die Hänge abseits der Pisten sicher wären und ob Liftanlagen gesperrt werden müssten. Kurz vor Ende dieser Sicherheits-Begehung trat er selbst ein Schneebrett los.

"Beide Männer sind sehr erfahrene Leute", sagte der Chef des amtlichen Salzburger Lawinenwarndienstes und Katastrophenreferent des Landes, Norbert Altenhofer, im Gespräch mit der APA. Der Verunglückte war seit 25 Jahren bei den Liften beschäftigt und seit 2007 auch Obmann-Stellvertreter der Lawinen-Subkommission.

Besonderes Augenmerk legten die beiden Männer der Liftgesellschaft bei ihrer Gefahrenbeurteilung auf jene pistennahen Hänge, die von Variantenfahren besonders häufig benutzt werden. Vor allem auch deshalb, weil für den Verlauf des Tages ein Anstieg der Lawinenwarnstufe von 2 auf 3 angekündigt war. Wie aus dem Polizeibericht hervorgeht, hat sich beim Befahren eines dieser Hänge im sogenannten Trog ein 50 Meter breites Schneebrett gelöst und den Lawinen-Experten 200 Meter weit ins Tal mitgerissen. "Das ist kein Fehlverhalten des Mitarbeiters, sondern eine Form von Restrisiko", erläuterte Altenhofer.

Eineinhalb Meter tief verschüttet

Das Schneebrett verschüttete den 44-jährigen Pistenchef der Liftgesellschaft etwa eineinhalb Meter tief. "Der extrem nasse Schnee wiegt bei diesen Temperaturen rund 2,5 Tonnen pro Kubikmeter", sagte Heinz Lammer von der Bezirkshauptmannschaft Tamsweg.

Mehrere Skifahrer, die den Unfall beobachtet hatten, sowie der 42-jährige Kollege des Verschütteten schlugen Alarm. Alle verfügbaren Kräfte des Liftbetreibers fuhren mit Lawinensuchgeräten und Sonden zur Unglücksstelle und konnten den Tamsweger, der mit einem Lawinenpieps, Sonde und Schaufel ausgerüstet war, bereits nach 15 bis 20 Minuten orten und nach weiteren zehn Minuten bergen. Helfen konnten sie dem Mann aber ebenso wenig wie die Bergrettung Obertauern, die Alpinpolizei und der Notarzt.

Der für die Sicherheit der Pisten verantwortliche Lawinen-Experte wurde bewusstlos aus den Nassschneemassen geborgen. Selbst diese relativ kurze Zeit war zu lange - alle Reanimationsversuche des Notarztes blieben erfolglos, das Opfer starb an Ort und Stelle. "Er hat für die Sicherheit der Skifahrer sein Leben gelassen", so Lammer. Der Mann hinterlässt zwei Kinder. (APA)

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