Frankreich

Datenschützer: Neue Google-Regeln verstoßen gegen EU-Richtlinien

29. Februar 2012, 10:56

Suchmaschinen-Konzern will Nutzerdaten unter ein Dach bringen

Die neue Datenschutzrichtlinie für alle Google-Dienste verstößt nach Einschätzung von Datenschutzbeauftragten gegen europäisches Recht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der französischen Datenschutzkommission (CNIL) im Auftrag ihrer europäischen Kollegen.

Verknüpfung personenbezogener Daten

Der deutsche Datenschutzbeauftragte Peter Schaar erklärte am Dienstag in Berlin, insbesondere die Verknüpfung personenbezogener Daten von Google-Kunden aus unterschiedlichen Diensten stoße auf erhebliche Bedenken. Die neuen Google-Regeln sollen ab Donnerstag gelten. Schaar forderte das Unternehmen auf, die Umstellung auszusetzen, bis alle Zweifel ausgeräumt sind.

Google hatte den veränderten Umgang mit den Nutzerdaten mit einem "einfacheren, intuitiveren Google-Erlebnis" für die Anwender begründet. Wenn ein User bei Google angemeldet sei, "können wir Informationen, die Sie bei einem Dienst gemacht haben, mit Informationen aus anderen Diensten kombinieren", erläuterte Googles Datenschutz-Chefin Alma Whitten in einem Blogeintrag. Kurz gesagt, werde man über alle Google-Dienste hinweg als ein Nutzer behandelt.

"Wir nehmen die Bedenken von Datenschutzbeauftragten sehr ernst, Google steht für Transparenz"

Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix sagte am Dienstag in Berlin, mit der Zusammenlegung der Richtlinien für 70 Google-Dienste werde es möglich, Nutzerprofile über die verschiedenen Dienste hinweg anzulegen. Dix sprach auf einer Veranstaltung der Unternehmensinitiative ICOMP (Initiative for a Competitive Online Marketplace), die vom Google-Rivalen Microsoft unterstützt wird. Dort betonte Google-Vertreter Ralf Bremer: "Wir nehmen die Bedenken von Datenschutzbeauftragten sehr ernst, Google steht für Transparenz".

Im Anschluss an die Veranstaltung sagte Dix der Nachrichtenagentur dpa, denkbar sei die Verhängung eines Bußgelds in Frankreich. "Es geht nicht darum, wie hoch die Geldstrafen sind, sondern wie hoch der öffentliche Imageverlust ist. Der könnte beträchtlich sein."

Neue Richtlinien

Die Datenschutzbeauftragten in Europa hatten Google Anfang Februar gebeten, die Umsetzung seiner neuen Richtlinien für den Umgang mit Nutzerdaten bis auf weiteres auszusetzen. In einem Brief an Google-Chef Larry Page rief der nach einer Richtlinie des Europaparlaments benannte Arbeitskreis Artikel 29 das Unternehmen zu einer Pause bis zum Abschluss der eigenen Überprüfung auf. Google lehnte daraufhin eine Verschiebung ab. (APA)

horli
00
Einfach Goolge vermeiden

Es gibt gute Alternativen die Datenschutz und Privatsphäre achten:

http://duckduckgo

BF3MesserlPrinz
12
29.2.2012, 13:11
HALLO!! Aufwachen!!!

Es gibt seit 13. Februar die Vorratsdatenspeicherung. Und nun ist Google ja soooo böse. Unser Staat überwacht uns ebenfalls. Und da gibts dann keinen "ICH WILL NICHT BUTTON" Bei Google schon.

ToMaKa
00
29.2.2012, 13:43
Also ein Übel nicht hinterfragen weil es eh noch andere gibt?

Ich sehe darin vielmehr einen Schritt in die richtige Richtung. Weitere folgen hoffentlich.

Und den Anfang mit dem Datensammler schlechthin zu machen ist sicher sinnvoll, wird aber wie üblich nicht streng genug ausfallen...

BF3MesserlPrinz
00
29.2.2012, 14:19
Übel finde ich eher wenn ich einen Dienst nutzen MUSS

Es besteht hier kein Zwang bei Google, aber
Vorratsdatenspeicherung ist Gesetz. Und das ist dann doch eher ein gewaltiger Unterschied

Maerowinger
00
29.2.2012, 12:09
Doppelmoral

Ich kann die ganze Aufregung nicht wirklich verstehen. Google möchte die Daten aus seinen einzelnen Diensten verknüpfen? - Nein wirklich, wer hätte das gedacht? Ob das die anderen Anbieter evtl. auch machen?

Sinnvoller wäre es vielleicht wenn man Regeln erlasst, die es dem User ermöglichen seine Daten aus den Services wieder zu exportieren und sein Profil und einzelne Einträge darin rückstandsfrei(!) zu löschen - und das möglichst ohne das ich lang und breit E-Mails mit Admins und/oder Service-Mitarbeitern austauschen muss. Sollte natürlich für alle Anbieter gelten.

In der Zwischenzeit gewähren die Politiker halt weiterhin bereitwillig Zugriff auf PNR-, Swift- und Polizeidaten.

brittonberkan
00
29.2.2012, 11:41
Zielt am Problem vorbei...

So sehr ich die Initiative zur weiteren Prüfung und Verschiebung der neuen Datenschutzbestimmungen von Google schätze, so bleibt bei mir doch der Eindruck, dass Daten- und Konsumentenschützer sich hier auf eine höhere Ebene begeben müssen als auf die Prüfung einzelner Unternehmen. Erstens muss ein Bewusstsein geschaffen werden, dass niemand - außer wenigen IT-Profis - anonym im Internet unterwegs ist. Siehe http://panopticlick.eff.org/ .

Zweitens müssen zumindest europaweit klare Regeln aufgestellt werden, welche Daten wie verwendet werden dürfen und Regelbrüche mit deutlichen Strafen geahndet werden.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.