Schifffahrtsexperten: "Kreuzfahrtschiffe sehr sicher"

29. Februar 2012, 08:48
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Unfälle zu 80 Prozent durch menschliches Versagen - Teamführung auf der Brücke sollte verbessert werden

Kiel - Schifffahrtsexperten haben Kreuzfahrt- und Fährschiffe trotz der jüngsten Unglücke als insgesamt sehr sichere Reisemöglichkeit bezeichnet. Wenn es zu Unfällen komme, sei in etwa 80 Prozent der Fälle menschliches Versagen der Grund, betonten die Experten am Dienstag in Kiel bei einer Podiumsdiskussion zu dem Thema "Die Havarie der Costa Concordia und die Folgen".

Um eventuelles Versagen etwa des Kapitäns oder eines hohen Offiziers aufzufangen, sollte vor allem die gemeinsame Teamführung auf der Brücke verbessert werden. Das Konzept des "Bridgeteambuilding" werde seit 2001 an deutsche Seefahrtsschulen unterrichtet, betonte die Kapitänin Runa Jörgens vom Verband Deutscher Reeder.

Schnelle Entscheidung wichtig

Wichtig ist nach Auffassung der Experten vor allem eine schnelle Entscheidung, ob ein Schiff evakuiert werden muss. Moderne Schiffe hätten zahlreiche Kameras an Bord, so dass das Ausmaß eines Unfalls wie auf der "Costa Concordia" praktisch sofort nach dem Rammen des Felsens feststellbar gewesen sei, erläuterte Jörn Wasmuth, leitender Kapitän der Reederei Scandlines.

Das Schiff sei auf etwa 70 Metern Länge aufgeschlitzt worden und mehr als drei Schiffsabteilungen seien umgehend voll Wasser gelaufen. "Das muss auf der Brücke sofort erkannt worden sein, dann muss auch schnell die Evakuierung angeordnet werden", sagte Wasmuth. Auch Kapitän Gerald Immens von den Kieler See- und Hafenlotsen nannte als zentralen Fehler bei der Havarie der "Costa Concordia" die späte Entscheidung zum Evakuieren.

Architektur der Schiffe muss überprüft werden

Als eine weitere Konsequenz aus den Unfällen nannten die Experten eine Überprüfung der Architektur von Schiffen, um eine Evakuierung im Notfall in den vorgeschriebenen maximal 60 Minuten besser schaffen zu können. Ob Notrutschen ähnlich wie bei Flugzeugen auch bei Schiffen eingeführt werden könnten, sollte ebenfalls geprüft werden, hieß es.

Das Sprachenwirrwarr der internationalen Besatzungen - auf der "Costa Concordia" sollen etwa 40 Nationen vertreten gewesen sein - stellt nach Meinung der Experten eher ein geringeres Problem dar. Denn Sicherheitshinweise seien in acht Sprachen durchgegeben worden. Zudem sei vorgeschrieben, dass alle Besatzungsmitglieder sich in mindestens einer Sprache verständigen können.

Zum Brand auf der "Costa Allegra" vor den Seychellen meinte Wasmuth, der Feuerschutz auf Kreuzfahrtschiffen sei sehr hoch. So gebe es zahlreiche automatische Sprinkleranlagen. Der Einsatz ferngesteuerter Löschanlagen sei nicht vorgeschrieben, sie seien aber nur auf offenen Decks sinnvoll. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bei den meisten Schiffsunglücken sei "menschliches Versagen" Grund für die Katastrophe. Im Bild: Die "Costa Allegra" wird abgeschleppt.

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