Erste Group streicht nach Verlust Manager-Boni

29. Februar 2012, 21:30
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Partizipationskapital wird später zurückgezahlt - Bank feilt noch am Testament

Wien - "2011 war nicht das einfachste Jahr in meiner Karriere, ich habe kein Interesse an einer Wiederholung." So fasste Andreas Treichl, Chef der Erste Group, bei der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch das Vorjahr zusammen. Geprägt war das vor allem durch eine Milliardenabschreibung auf verlustreiche Töchter in Ungarn und Rumänien sowie auf das bekanntgewordene CDS-Portfolio der Bank. Nicht zu vergessen die Abwertungen der Staatsanleihen - allen voran jenen aus Griechenland.

In Summe hat das die Bank aus der Gewinnzone geworfen - das Defizit beträgt 718,9 Millionen Euro. Weil das vierte Quartal 254 Mio. Euro Gewinn brachte (siehe Grafik) fiel der Verlust nicht ganz so dramatisch aus - im Herbst war noch von bis zu 800 Millionen die Rede. Die Boni fürs Management sind für 2011 dennoch gestrichen, Dividende wird ebenfalls keine ausgeschüttet. Die Lage wird aber noch länger angespannt bleiben. So erwartet Bank-Chef Treichl in Ungarn auch in den nächsten zwei Jahren noch Verluste. An einen Verkauf des Ungarn-Geschäfts denke er aber nicht: "Ungarn ist für uns ein Kernmarkt, es wird der Tag kommen, an dem wir wieder froh sind, dort Geschäfte zu machen." Eine weitere Abschreibung in Ungarn bahnt sich bereits an, weil die OTP-Bank (Ungarns größtes Kreditinstitut) den Kommunen ein Angebot machen will, um ihre in Schweizer Franken fixierten Anleihen zu einem fixen Wechselkurs in Forint-Kredite bzw. Forintanleihen umzutauschen - ähnlich, wie das bei privaten Fremdwährungskrediten erfolgt ist. Deren Wandel hat die Bank rund 200 Mio. Euro gekostet. Der Beitrag für die Kommunen werde aber "weit darunter liegen", sagte Treichl.

Staat muss warten

Dass für die ÖVAG-Rettung die Bankensteuer um 25 Prozent erhöht wird, nimmt Treichl zur Kenntnis. "Politisch verstehe ich es, die Branche, die derzeit nicht beliebt ist, mit einer Steuer zu belasten. Da applaudieren viele." Ob sich das im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit und Kreditvergabepolitik der Banken positiv auswirke, sei aber fraglich.

Fakt ist, dass der Staat auf die Rückzahlung des Partizipationskapitals (1,2 Mrd. Euro) warten muss. Wegen der neuen Kapitalvorschriften der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) sei frühestens 2013/2014 an die Rückzahlung zu denken. Die Zinsen von acht Prozent werden aber bedient. Am Weg zum EBA-Ziel von einer Kernkapitalquote von neun Prozent habe die Bank bereits 8,9 Prozent geschafft. Um die Neun-Prozent-Quote zu erfüllen, fehlten noch 166 Mio. Euro. Der Anteil der Erste-Stiftung an der Bank ist inzwischen auf unter 25 Prozent (23,17 Prozent) gefallen.

Wie alle Großbanken in Europa muss auch die Erste ein "Testament" verfassen, das im Ernstfall eine schnelle Entflechtung der Bank aufzeigt. Man sei damit "weit fortgeschritten", sagte Treichl am Mittwoch. Viel weiter als jene, die es vielleicht anwenden müssen. Bei einer Dekonsolidierung gebe es vor allem viele IT-Fragen. (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.3.2012)

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