Schönstes Blendwerk

28. Februar 2012, 19:57
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Die verschmitzt-verschlagenen Helden sind als Taschendiebe selbst Meister in der Kunst des Tarnens

Wenn Kei (Simon Yam) nicht arbeitet, dann postiert er sich mit seinem altmodischen Fotoapparat in den Straßen von Hongkong und hält flüchtige Momente fest. Eines Tages gerät ihm dabei eine Unbekannte vor den Sucher seiner Kamera. Die Zeit bleibt kurz stehen, aber die scheue Schöne (Kelly Lin) flüchtet. Ein Köder ist ausgelegt, und wer hier wen an der Leine hat, das wird Kei und seine drei Kollegen noch eine Zeit lang beschäftigen.

Die verschmitzt-verschlagenen Helden von Johnnie Tos "Sparrow" (im Original: Man Jeuk) sind als professionelle Taschendiebe eigentlich selbst Meister in der Kunst des Tarnens, Täuschens und Ausnehmens. Nun jedoch sehen sie sich von einem geheimnisvollen Gegner herausgefordert. Johnnie To, Vielfilmer aus Hongkong, hat sich 2008 mit "Sparrow" nach schnellen, harten Mafia-Epen wie "Election" ein leichteres, lichteres Werk geleistet.

Easy-Listening-Pop begleitet schon den Beginn der Geschichte: Während der geschickte Herr Kei noch rasch einen Knopf an seinem Leinenjackett festnäht, verirrt sich ein Spatz in seine Wohnung. Das gibt als Symbol für die kommenden Ereignisse einiges her: Der Spatz ist ein Synonym für Keis Berufsstand, der Vorfall nimmt das Auftauchen der mysteriösen Lady vorweg - schon sind wir mittendrin im spannenden Schichtwerk dieser Erzählung.

Die Taschendiebereien auf den Straßen der Metropole sind übrigens minutiös choreografiert. Das Finale ist als furioses nächtliches Ballett inszeniert - Rasierklingen blitzen im Regen unter Schirmen auf, Dinge wechseln in Sekundenbruchteilen die Besitzer. Das Kino produziert das schönste Blendwerk. (Isabella Reicher, DER STANDARD, Printausgabe, 29.2.2012)

Mittwoch, Arte, 20.15 Uhr

  • Mittwoch auf Arte.
    foto: zdf

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