Der Mann aus dem Eis war laktoseintolerant

28. Februar 2012, 19:51
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Neue Analysen seiner DNA liefern verblüffende Erkenntnisse: Ötzi litt unter Borreliose und hatte eine Veranlagung zu Herzkrankheiten

Außerdem hatte der Mann vom Hauslabjoch gemeinsame Vorfahren mit den Korsen und Sarden.

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Nicht nur seine lebensechte Rekonstruktion im Archäologiemuseum in Bozen legt nahe, dass Ötzi ein echter Naturbursch war: gesundes Essen (Steinbockfleisch als letztes Mahl), jede Menge Bewegung in frischer Luft, kein Übergewicht. Doch Analysen des Ötzi-Genoms zeigen nun Erstaunliches: Der Mann vom Hauslabjoch litt unter einigen Zivilisationskrankheiten - und hatte Veranlagungen dazu.

Ötzi hatte nicht nur Karies und Gallensteine, was man bereits wusste, sondern auch eine genetische Veranlagung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem litt er an der von Zecken übertragenen Infektionskrankheit Borreliose und unter Laktoseintoleranz. Zudem berichtet das internationale Forscherteam um Albert Zink im Fachblatt Nature Communications, dass Ötzi braune Augen und Haare sowie die Blutgruppe 0 hatte. Die genetischen Verwandtschaftsanalysen lieferten dann noch eine weitere unerwartete Entdeckung: Ötzi hatte gemeinsame Vorfahren mit den heute auf Sardinien und Korsika lebenden Menschen.

DNA war in gutem Zustand

Die ersten genetischen Aufschlüsse durch die mehr als 5000 Jahre alte Mumie gelangen erst 2008: In dem Jahr konnte man die sogenannte mitochondriale DNA der 1991 im Südtiroler Teil der Ötztaler Alpen entdeckten Leiche entziffern. Die mtDNA stellt jedoch nur einen Bruchteil der Erbinformationen dar - und lässt nur wenige Rückschlüsse zu.

Vor zwei Jahren konnten Zink, der das Eurac-Institut für Mumien und den Iceman in Bozen leitet, Carsten Pusch vom Institut für Humangenetik der Universität Tübingen und der Bioinformatiker Andreas Keller von der Universität des Saarlands aus einer Knochenprobe des Beckens dann aber auch das Genom zu 85 Prozent entschlüsseln. Das gelang, weil die DNA in sehr gutem Zustand und frei von Kontaminationen gewesen ist.

Die nun entdeckte Veranlagung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen erstaunte auch die Forscher. "Wir waren überrascht, dass es diese Veranlagung schon vor über 5000 Jahren gegeben hat und diese Erkrankungen keineswegs eine moderne Zivilisationserscheinung sind", sagt Zink. Frühere CT-Untersuchungen der Mumie zeigten freilich bereits erste Symptome in Form einer Arterienverkalkung - und das, obwohl Ötzi keinen heute bekannten Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bewegungsmangel ausgesetzt war.

Ebenso überraschend war es laut Zink, bei Ötzi noch eine Infektionskrankheit zu entdecken. Sie fanden im Genom vom Mann aus dem Eis Spuren von Borrelien. Diese von Zecken übertragenen Bakterien verursachen beim Menschen die Krankheit Lyme-Borreliose. Diese Spuren sollen nun mit modernen Erregerstämmen verglichen werden, um zu sehen, ob sie sich in mehr als 5000 Jahren stark verändert haben, sagte Zink.

Weitere Details, welche die genetische Untersuchung enthüllte: Der Mann hatte braune Augen, braune Haare, Blutgruppe 0 und vertrug keine Milch: Ötzi konnte keinen Milchzucker verdauen.

Der 2008 erfolgten Untersuchung der mitochondrialen DNA zufolge hat Ötzi wahrscheinlich keine lebenden Nachfahren. Bei der Analyse des gesamten Genoms haben die Wissenschafter nun auch untersucht, zu welcher sogenannten Haplogruppe der Eismann gehört. Aus einer bestimmten Abfolge der DNA-Bausteine des Y-Chromosoms lassen sich die Verwandtschaftsverhältnisse der väterlichen Linie herauslesen. Es zeigte sich, dass Ötzis Haplogruppe (G2a4) heute in Europa nur mehr relativ selten ist und sich große Übereinstimmungen nur in abgelegenen Regionen, etwa bei der Bevölkerung in Sardinien und Korsika, finden.

Insulare Restbestände

Ötzi, Sarden und Korsen hatten also offensichtlich gemeinsame Vorfahren. " Man weiß, dass Vorfahren von Menschen mit dieser Haplogruppe aus dem Nahen Osten eingewandert sind, dieser Typ aber im Laufe der Zeit durch andere Bevölkerungsgruppen ersetzt wurde und sich offensichtlich nur in entlegeneren Gebieten wie den Inseln gehalten hat", so Zink.

Nun wollen die Wissenschafter in Südtirol verstärkt nach dieser Haplogruppe suchen. "Es kann schon sein, dass sich auch in isolierteren alpinen Regionen noch Gruppen finden, die vielleicht eine direktere Verwandtschaftslinie zu Ötzi haben", spekuliert Zink.

Evolutionär hat sich übrigens seit Ötzis Zeiten nicht viel getan. Vergleiche mit dem Genom des heutigen Menschen hätten keine Unterschiede gezeigt: "Dazu sind 5000 Jahre offensichtlich zu wenig", so Zink. (APA, tasch)

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    Bei seinem Tod mit Mitte 40 war Ötzi schon ein ziemlich alter Mann, der unter etlichen Zivilisationskrankheiten litt.

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