AUA mit Lieferanten einig, harte Fronten bei Piloten

28. Februar 2012, 22:02
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Einigen Piloten winkt beim Betriebsübergang auf die Tyrolean eine Sonderabfertigung von bis zu 600.000 Euro pro Person

Wien - Die AUA hat sich im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch mit den Lieferanten über Einsparungen geeinigt. So wird der Catering-Vertrag mit Do & Co verlängert, allerdings wird an einem neuen (billigeren) Konzept gefeilt: Ab dem Frühjahr oder Sommer sollen die Passagiere in der Economy Class auf der Kurz- und Mittelstrecke das Bordessen zusätzlich zum eher mickrigen Angebot online kaufen können. Und zwar direkt bei der Flugbuchung. Davon nicht betroffen seien die Langstrecke und die Business-Class, heißt es.

So gut wie einig ist man sich auch mit dem Flughafen Wien über eine neue Transferstaffel, die aber allen Fluglinien, allen voran FlyNiki, zugutekommt. Das heißt: Je mehr Transferpassagiere die Airlines nach Wien bringen, desto weniger Gebühren zahlen sie dem Airport. Das Modell gibt es zwar schon, es wurde aber verfeinert. Als harte Nuss erwies sich bisher die Austro Control (AC), hier seien die Verhandlungen mühsam. Allerdings machen die AC-Gebühren nur 1,5 Prozent der Gesamtkosten bei der AUA aus.

Zugeständnisse oder besser gesagt Signale gibt es auch von der Politik. Dazu gehört - wie in Deutschland - die Reduktion der Ticketsteuer noch in diesem Jahr. Als Ausgleich für Mehrkosten durch den Emissionshandel war dies schon bei Einführung der Ticketsteuer (ab April 2011 in Österreich) festgelegt worden. Auch die Kosten für die Mineralölbevorratung sollen reduziert werden.

Harte KV-Verhandlungen mit Piloten

Am allerhärtesten sind die Verhandlungen mit den Piloten, vor allem jenen, die noch den alten Kollektivvertrag (KV-alt) haben. Das ist jener Vertrag, der aus der Zeit vor der Übernahme der Lauda Air stammt. Derzeit gibt es noch rund 300 Alt-Piloten. Zu schaffen machen der defizitären Airline dabei die automatischen jährlichen Vorrückungen in der Höhe von sieben Prozent. Das hat zur Folge, dass die AUA heuer mit 438 Millionen Euro etwa gleich hohe Personalkosten haben wird wie vor drei Jahren, obwohl in diesem Zeitraum 1500 Mitarbeiter abgebaut worden sind. Piloten mit Durchschnittsgehältern von 13.000 Euro bekommen 39 Gehälter Abfertigung. Teuer zu stehen kommen auch die Pensionsregelungen bei den Altverträgen.

Sollte es keine signifikanten Zugeständnisse seitens der Piloten geben, wird die AUA (der KV wurde bereits gekündigt) den Betriebsübergang auf den viel billigere Tyrolean-KV beschließen. Die Mitarbeiter haben dann 30 Tage ein Sonderkündigungsrecht. Das hieße, dass Abfertigungen pro Pilot-Alt von 400.000 bis 600.000 Euro fällig werden. Mit dem Umstieg auf den Tyrolean-KV nimmt die AUA das Risiko eines Streiks in Kauf. In Summe sind 2300 Mitarbeiter des fliegenden Personals betroffen. Von den 1000 Piloten sind 600 bei der AUA und 400 bei Tyrolean. Alle AUA-Mitarbeiter werden am Donnerstag tagsüber in drei "Red Hour"-Veranstaltungen informiert. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe, 29.2.2012)

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    Bereits im Jänner wurde bei einer Betriebsversammlung über den Stand der geplanten Sparmaßnahmen informiert. Die AUA verlangt signifikante Zugeständnisse, die Fronten sind verhärtet.

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