Versicherer für neues Modell bei Pensionsvorsorge

28. Februar 2012, 18:06
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Der Prämienschnitt bei der Zukunftsvorsorge stößt den Versicherern sauer auf

Sie fordern Reformen, sonst drohten Folgen wie bei der Lebensversicherung, wo die Prämieneinnahmen seit der Anhebung der Haltedauer bei Einmalerlägen sinken.

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Wien - Nach der Prämienkürzung bei der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge wollen die Versicherer dieses Modell auf neue Beine stellen. Die Veranlagung solle sich an der klassischen Lebensversicherung orientieren. Entsprechende Ideen seien der Politik im Rahmen der Gespräche über das Sparpaket vorgelegt worden, sagt Günter Geyer, Chef der Vienna Insurance Group. Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SP) schlägt nun in dieselbe Kerbe.

Nach den Plänen der Versicherer würde es für das veranlagte Geld eine Förderung geben bzw. eine Befreiung von der Versicherungssteuer. Die Förderung soll es aber nur geben, wenn das Geld als Pension ausbezahlt wird und nicht, wenn der Gesamtbetrag zum Stichtag ausbezahlt wird. Nach diesem Modell könnten die Assekuranzen wählen, wann sie in Aktien investieren und wann nicht. Bei der jetzigen Zukunftsvorsorge ist eine 30-prozentige Aktienquote vorgeschrieben.

"Keine gute Idee"

Als "keine gute Idee" bezeichnete auch Wolfram Littich, Präsident des Versicherungsverbandes und Vorstandschef der Allianz, den staatlichen Prämienschnitt. Littich verglich die möglichen Konsequenzen mit jenen, die die gesetzliche Anhebung der Mindestbehaltedauer von zehn auf 15 Jahre bei Einmalerlägen in der Lebensversicherung hervorbrachte.

Hier sind 2011 die Prämieneinnahmen um fast ein Drittel auf 1,3 Mrd. Euro eingebrochen, wobei der Rückgang bei den 55- bis 60-Jährigen alleine eine Milliarde Euro betrug. Dadurch seien dem Staat rund 40 Mio. Euro an Versicherungssteuer entgangen. Dies entspreche - zufällig oder nicht - genau dem Betrag, den sich der Staat durch den geplanten Prämienschnitt bei der Zukunftsvorsorge ersparen würde, so Littich.

Konkret sind die Einmalerläge in der Lebensversicherung 2011 um 32,2 Prozent auf 1,376 Mrd. Euro von zuvor rund 2,05 Mrd. Euro im Jahr 2010 eingebrochen. Deshalb fordert der Versicherungsverband, die auf 15 Jahre erhöhte Liegedauer für über 55-Jährige wieder auf zehn Jahre und für über 75-Jährige auf fünf Jahre zurückzunehmen.

In Summe haben die österreichischen Assekuranzen 2011 mit 16,5 Mrd. Euro um 1,7 Prozent weniger Prämien eingenommen. Die gesamten Versicherungsleistungen stiegen dagegen um 4,4 Prozent auf 12,3 Mrd. Euro (siehe Grafik). Heuer sollte nach ersten Prognosen das Prämienaufkommen wieder um rund 1,3 Prozent auf 16,7 Mrd. Euro steigen. (APA, bpf, DER STANDARD, Printausgabe, 29.2.2012)

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