Amputierte Akademie ohne potente Gönner

28. Februar 2012, 18:09
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Gute Forschung solle sich für Forscher auszahlen - nicht die besseren Freunde: Vertreter der Akademie der Wissenschaften protestieren angesichts der ISTA-Milliarde gegen die "Diskriminierung" der Akademie und der Unis

Wien - "Einer muss sich trauen, das zu sagen": Josef Penninger, einer der österreichischen Topforscher, 2002 nach internationaler Karriere in Kanada zurückgekehrt nach Wien, wo er mit dem Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) in der Weltelite mitspielt, traute sich. "Diese Entscheidung war politisch motiviert", sagte der Direktor eines Grundlagenforschungsinstitut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) am Dienstag bei einer Pressekonferenz der ÖAW unter dem Titel "SOS Forschung".

Anlass dafür war die vergangene Woche dem Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg zugesagte Finanzierung über 1,4 Milliarden Euro von 2017 bis 2026 durch Bund und Land Niederösterreich. Penninger meinte den dortigen Aufmarsch von Landeshauptmann Erwin Pröll, Finanzministerin Maria Fekter (beide ÖVP) und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (parteifrei für die ÖVP) bei der Milliardenunterschrift. Die wurde nachträglich am Dienstag im Ministerrat abgesegnet.

IMBA-Direktor Penninger kritisierte vor allem die "Asymmetrie" durch die Geldzusage an das ISTA, während Unis und Akademie mit Budgetnot und engem Planungshorizont kämpfen, und verlangte, dass "die endlichen Gelder nach Prinzipien von Wettbewerb und Fairness vergeben werden". Den Forschern werde immer gesagt: "Wenn ihr gut seid, zahlt es sich aus." Die Umstände der ISTA-Milliarde aber "vermitteln uns: Wenn man jemanden kennt, dann zahlt sich das viel besser aus. Aber wir erwarten uns, dass Spitzeninstitutionen nach gleichen Prinzipien und derselben Großzügigkeit gefördert werden."

Kein negatives Wort über ISTA

Diese selektive Großzügigkeit ist es auch, die ÖAW-Präsident Helmut Denk veranlasste, dem ISTA, über das man von ihm "kein negatives Wort hören" werde, "zu seinen potenten Gönnern und Förderern zu gratulieren", aber eben auch von einer "Diskriminierung der Akademie und der Unis" zu sprechen. Vor allem verwahrte sich Denk "gegen billige und oberflächliche Diffamierung unserer Proteste als Neidreaktion". Und verwies dabei auf die im Herbst 2011 erstmals wie für Unis über drei Jahre abgeschlossene Leistungsvereinbarung mit dem Wissenschaftsministerium - mit eingefrorenem Budget: "Durch diese Budgetrestriktionen wird die Akademie amputiert."

Mit einer 40-Millionen-Lücke könne sie "nur überleben", indem einzelne Forschungsbereiche geschlossen, andere an Unis übertragen werden - "außerordentlich schwierig" übrigens angesichts der Finanzprobleme der Unis.

"Akademisch besonders bedrohlich" ist für Historiker Walter Pohl, Direktor des ÖAW-Instituts für Mittelalterforschung, dass der Spardruck dazu führen könnte, dass "wir eine ganze Generation verlieren", wenn befristete Verträge von jungen Forschern für Sparzwecke nicht verlängert werden.

ÖAW-Vize Arnold Suppan will auch für die ÖAW zehn Jahre Planungssicherheit. ÖAW-Präsident Denk hat derweil eine spezielle Sicherheit angesichts von ISTA-Milliarde und restriktivsten Verhandlungseckpunkten für die ÖAW: "Wir sind desavouiert als Präsidium."

Der Trost aus dem Wissenschaftsministerium klang so: Man wolle fördermäßig "das eine tun, ohne das andere zu lassen". (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 29.2.2012)

  • "SOS Forschung" im Namen der Akademie der Wissenschaften: Josef Penninger, Walter Pohl, Arnold Suppan, Helmut Denk, Sigrid Jalkotzy-Deger, Georg Stingl und Bedanna Bapuly (v. l.).
    foto: standard/cremer

    "SOS Forschung" im Namen der Akademie der Wissenschaften: Josef Penninger, Walter Pohl, Arnold Suppan, Helmut Denk, Sigrid Jalkotzy-Deger, Georg Stingl und Bedanna Bapuly (v. l.).

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