Erstes Wiener Bürgerkraftwerk auf der Sonnenseite

29. Februar 2012, 06:15
152 Postings

Startschuss für das erste Sonnenkraftwerk mit Bürgerbeteiligung

Salzburg/Wien -Wien/Salzburg - Insgesamt 2100 Paneele wurden Dienstagmittag präsentiert; 2100 Einheiten des ersten Wiener Solarkraftwerkes, bei dem sich Bürger beteiligen und sich so ihren Strom quasi selbst produzieren können. Und wie auch in Linz und Bregenz, wo derartige Beteiligungsmodelle bereits früher gestartet worden waren, gehen auch in Wien die Fotovoltaikeinheiten weg wie die warmen Sonnensemmeln: Dienstagnachmittag waren bereits mehr als 600 Paneele gezeichnet.

"Unser Projekt richtet sich speziell an die Bürger einer Großstadt, die in Miet- oder Genossenschaftshäusern keinen Zugriff auf eine Dachfläche haben", erläuterte Finanzstadträtin Renate Brauner (SP) Dienstagmittag bei der Präsentation des "Bürgersolarkraftwerkes". Und die Energiestadträtin Maria Vassilakou (Grüne), die dieses Projekt in den rot-grünen Regierungspakt eingebracht hatte, sieht drei Vorteile in einer Solarstromoffensive: Jeder Einzelne könne "ein Stückchen energieunabhängig werden". Wien habe mit 55 Prozent der Dachflächen insgesamt ein 29 Millionen m² großes Kraftwerkspotenzial. Und Städte verursachen weltweit 75 Prozent des CO2-Ausstoßes - wären daher die besten Klimaschutz-Motoren.

Strom bereits ab Mai

Das erste Wiener Beteiligungskraftwerk wird am Gelände des Wienstrom-Kraftwerks Donaustadt errichtet - und die 2100 Module mit einer Leistung von 500 Kilowattpeak (kWp) sollen bereits ab Mai 2012 in das Wiener Netz einstromen. Das ist in etwa der Strombedarf von 200 Haushalten. Die Bedingungen für die Beteiligung: Jeder Bürger kann sich mit maximal zehn Paneelen beteiligen. Ein Paneel kostet 950 Euro und dafür gibt es pro Jahr eine Vergütung von 3,1 Prozent - also knapp 30 Euro. Nach der maximalen Laufzeit von 25 Jahren wird das eingesetzte Kapital von der Wien Energie, die das Projekt abwickelt, wieder zurückbezahlt. Die Mindestbeteiligung ist ein halbes Paneel - und die Mindestlaufzeit der Beteiligung ist fünf Jahre.

Brauner und Vassilakou kündigten an, dass noch heuer insgesamt vier derartige Bürgerbeteiligungskraftwerke in Wien errichtet werden sollen. Neben dem Standort im Kraftwerk Donaustadt soll ein weiteres Kraftwerk in Donaustadt, eines auf dem Postverteilzentrum in Liesing errichtet werden - und für den vierten Standort sei man mit dem Hafen Wien in Verhandlung. Binnen zweier Jahre soll mit derartigen Modellen in Wien eine fotovoltaische Leistung von insgesamt 10.000 kWp installiert sein. Das spart pro Jahr 4000 Tonnen CO2 ein - das ist in etwa so viel, wie ein Auto bei 625 Erdumrundungen emittiert.

Auf dem Dach der Salzburger Messehalle

In Salzburg hingegen kommen Bürgerbeteiligungsmodelle zum Ausbau der erneuerbaren Energie nicht aus den Startlöchern. Die Salzburger Grünen wollen das nun ändern und fordern eine 10.000 Quadratmeter große Sonnenstromanlage am Dach der Salzburger Messehallen, an der sich jeder Salzburger finanziell beteiligen kann.

Schon vor einem Jahr hat Landeshauptmannstellvertreter David Brenner (SPÖ) angekündigt, eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Salzburger Messehalle zu errichten. Umgesetzt wurde die Anlage bis heute nicht. " Maßgebliche Entwicklungen werden verschlafen und blockiert", kritisiert die Grüne Umwelt- und Energiesprecherin Astrid Rössler.

Um zu unterstreichen, dass sich eine Fotovoltaikanlage für Bürger rechnen würde, haben die Grünen verschiedene Finanzierungsvarianten von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Energie (ÖGUT) durchrechnen lassen. Das Resümee: Durch den aktuellen Ökostromtarif und die derzeit niedrigen Modulpreise sind Bürgerbeteiligungsmodelle auch finanziell attraktiv.

Stromgutschriften

Würden 10.000 Quadratmeter der Dachfläche mit Solarmodulen ausgestattet werden, könnten rund 350.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden. Das entspreche dem Jahresbedarf von rund 100 Haushalten. Für die Beteiligung der Bürger soll es im Gegenzug Stromgutschriften geben. Ein Anteil soll 500 Euro kosten und für eine jährliche Stromgutschrift von 250 Kilowattstunden stehen. Auch der ÖVP-Energiesprecher und Salzburg AG Aufsichtsratsmitglied Hans Scharfetter begrüßt das Modell des " Bürgerkraftwerks". Die Salzburg AG prüfe schon mögliche Standorte.

Worüber in der Stadt Salzburg noch geredet wird, das ist in Thalgau schon bald Realität. Die Gemeinde installiert eine 140 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Sonderpädagogischen Zentrums. Finanziert soll die Anlage ausschließlich von den Bewohnern von Thalgau werden. Ein Beteiligungspapier werde 800 Euro kosten. Rund 19.000 Kilowattstunden Sonnenstrom soll die Anlage liefern, die ins Netz eingespeist werden. "Die Gemeinde macht damit keinen Gewinn. Der komplette Ertrag, abzüglich der Versicherung, wird an die Bürger ausgeschüttet", erklärt der Thalgauer Bürgermeister Martin Graisberger (ÖVP) das Beteiligungsmodell. (frei, ruep/DER STANDARD-Printausgabe, 29.2.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wie auch bei ähnlichen Projekten etwa in Linz und Bregenz stößt das erste Fotovoltaikkraftwerk mit Bürgerbeteiligung in Wien auf reges Interesse. Im Mai soll es ans Netz gehen.

Share if you care.