"Vorhandene PS auf die Straße bringen"

28. Februar 2012, 17:36
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Österreichs Fußballteam startet gegen Finnland in die Saison - Teamchef Koller erwartet von seiner "Boygroup" einen Sieg

Klagenfurt - Ein Kurzlehrgang schaut so aus: Acht Spieler des österreichischen Nationalteams, beispielsweise Marko Arnautovic und Andreas Ivanschitz, trainieren mit Fußbällen auf dem Nebenplatz des Klagenfurter Stadions. Sie werden beaufsichtigt von sieben Betreuern. Denen entgeht logischerweise nichts. Der Rest des Kaders wurde derweil in Pörtschach gepflegt, gehegt, massiert, stabilisiert, aktive Regeneration heißt das.

Emanuel Pogatetz musste das Land Kärnten verlassen, das linke Knie des Hannover-Legionärs zwickt und lehnt einen Einsatz gegen Finnland dezidiert ab. "Eine reine Vorsichtsmaßnahme", sagte Teamchef Marcel Koller. Der Körper des Schalkers Christian Fuchs ist in seiner Gesamtheit verspannt, eine zeitgerechte Entspannung ist ungewiss, aber nicht auszuschließen. Der Salzburger Franz Schiemer wurde nachnominiert. Koller lehnt es ab zu jammern. "Ziel muss es sein, einen Großkader von 30 Spielern zu entwickeln. Ausfälle sind immer eine Chance für andere."

Es gibt auch positive Nachrichten. Österreich hat einen Tormann. Robert Almer ist am Dienstagvormittag eingetroffen, am Vorabend hatte er noch den Kasten von Fortuna Düsseldorf bewacht, das Match gegen Aachen endete 0:0. "Für mich persönlich war es ein Erfolg." In Düsseldorf wurde der 27-jährige Almer zur neuen Nummer eins erklärt, das hat sich seit Wochen im Training angekündigt. "Und jetzt, gerade noch rechtzeitig, ist es passiert, davon profitiert sicher auch das Team." Koller ließ vor 104 Tagen den damals praxislosen Almer beim 1:2 in der Ukraine debütieren.

Janko im Stress

Österreich hat einen Kapitän. Marc Janko ist da, die Anreise aus Porto war strapaziös, die Lotsen in Frankfurt waren partout nicht bereit, ihren Streik zu unterbrechen. Janko kickt bereits am Freitagabend in Lissabon gegen Benfica, diese Partie könnte die portugiesische Liga vorentscheiden. Trotzdem wird er gegen Finnland "Vollgas geben. Das Leben eines Profifußballers ist eben anstrengend." Dass er nur das Abschlusstraining bestreiten konnte, sei kein Nachteil. "Man kennt sich." Sollte Janko zwei Tore schießen, darf er laut Koller nach 45 Minuten aufhören. Falls nicht, wahrscheinlich auch, aber das muss Janko ja nicht unbedingt wissen.

Er hat sich in Porto gut eingelebt, dort wird im Vergleich zu den Niederlanden auf engerem Raum kombiniert, der technische Fußball präferiert. "Ins Tor treffen musst du überall auf der Welt." Klagenfurt zählt zu dieser Welt. Janko nimmt brav Sprachunterricht, drei zweistündige Einheiten pro Woche sollen eine Annäherung ans Portugiesische bescheren. Gegen Finnland (Mittwoch, 20.30 Uhr) gehe es darum, "unsere Qualitäten zu zeigen. Wir müssen die vorhandenen PS auf die Straße bringen." Österreich sei trotzdem nicht zum Siegen verdammt. "Aufgrund unserer jüngeren Geschichte wäre diese Behauptung kühn."

Die Finnen sind 79. in der Weltrangliste, liegen acht Plätze hinter Österreich. Die Mannschaft von Trainer Mikku Paatelainen besteht ausschließlich aus Legionären, einer ist Petri Pasanen, er leidet in Salzburg. Sollt es einen Star geben, ist es Teemu Pukki. Er darf hin und wieder für Schalke ab der 85. Minute oder später stürmen und Kollege von Fuchs sein. Die Bilanz gegen Finnland ist äußerst positiv, sieben Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage. Koller stuft den Gegner "als kompakt und im Konter gefährlich" ein.

Der Schweizer wird ein 4-2-3-1-System praktizieren lassen, an einer Alternative wird gebastelt, aber dazu reicht ein Kurzlehrgang sicher nicht. Koller sagte, dass seine "Boygroup" Spaß habe und vor Selbstvertrauen strotze. "Aber der Spaß bringt nichts, wenn du dann auf dem Platz eine auf den Deckel kriegst." Was er sich wünscht? "Hinten soll bei uns die Null stehen und vorne nicht." (DER STANDARD, Printausgabe, 29.2.2012)

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    Österreichs Fußballer wollen möglichst bald nach den Sternen greifen ...

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    Teamchef Koller über den Gegner Finnland: "Kompakt, im Konter gefährlich."

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