Worüber man reden muss

28. Februar 2012, 18:51
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Die FrauenFilmTage präsentieren von 1. bis 8. März aktuelle internationale Produktionen, die Lebenswelten von Frauen thematisieren

Wien - Wenn es den Frieden in ihrem Dorf zu bewahren gilt, dann greifen die Bewohnerinnen auch zu ungewöhnlichen Mitteln: Wo gutes Zureden nicht mehr hilft, da müssen eben andere Ablenkungen her. Aber irgendwann wird der Druck auf die wackeren Libanesinnen und ihren Einfallsreichtum dann doch gefährlich groß.

Nadine Labakis Tragikomödie Where Do We Go Now eröffnet am Donnerstagabend im Filmcasino die FrauenFilmTage, die dann von 2. bis 8. März im Filmhaus-Kino stattfinden. Das Programm ist auf Filme von Frauen, aber auch auf die Darstellung weiblicher Lebenszusammenhänge und Erfahrungen fokussiert. Gezeigt werden zum einen Österreichpremieren internationaler Spielfilme: neben Where Do We Go Now etwa Lynne Ramseys kontroversiell diskutiertes Familiendrama We Need To Talk About Kevin. Tilda Swinton brilliert darin als Mutter eines Sohnes, der ihre Muttergefühle nach und nach aufs Äußerste strapaziert.

Eine andere britische Schauspielerin mit Weltkarriere steht im Zentrum eines dokumentarischen Festivalbeitrags: The Look - Charlotte Rampling hat Angelina Maccarone ihr Porträt genannt und ihre Protagonistin zu Themen wie Tod, Schönheit oder Alter befragt.

Die belgische Filmemacherin Nathalie Borgers (Kronen Zeitung - Tag für Tag ein Boulevardstück) hat hingegen für ihre jüngste Arbeit die verschüttete Geschichte ihrer Tante Susanne ausgegraben: Ausgehend von einer alten Fotografie, auf der Borgers die ihr bis dahin unbekannte Verwandte, Jahrgang 1926, Tochter eines belgischen Beamten und einer Ruanderin, entdeckt, erzählt Liebesgrüße aus den Kolonien eine Familien- und ein Stück Kolonialgeschichte.

Die Personale des Festivals ist heuer der Schnittmeisterin Karina Ressler gewidmet. Ressler arbeitet seit den 1990er-Jahren regelmäßig mit Regisseuren und Regisseurinnen wie Egon Humer, Götz Spielmann, Barbara Albert, Sabine Derflinger oder Fridolin Schönwiese zusammen - aus ihrer umfangreichen Filmografie hat man fünf Arbeiten ausgewählt:

Die Spielfilme Blue Moon, Lourdes und Revanche sowie die Dokumentarfilme Gangster Girls und Postadresse: 2640 Schlöglmühl illustrieren eine Bandbreite an filmischen Möglichkeiten und zugleich jeweils ein präzises ästhetisches und erzählerisches Konzept. Ressler wird dazu auch im Rahmen von Publikumsgesprächen Auskunft geben. (Isabella Reicher, DER STANDARD - Printausgabe, 29. Februar 2012)

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    Eltern, erledigt: Tilda Swinton und John C. Reilly in "We Need To Talk About Kevin".

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