Schulverweigerer: Projekt setzt auf Unterstützung statt auf Strafe

28. Februar 2012, 16:51
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Projekt "SOS-School-Beaming" bringt "schulmüde" Pflichtschüler wieder zum Unterricht

Graz - Die Gründe, warum Kinder und Jugendliche den Schulbesuch verweigern, sind vielschichtig. Von der klassischen Schul- und Versagensangst bis hin zu traumatischen Erfahrungen und der Vermeidung von persönlichen Überforderungssituationen. Der Grazer Sozialpädagoge Wolfram Pernjak ist überzeugt, dass die Unterstützung der betroffenen Kinder hilfreicher ist als die Strafe. In Graz-Straßgang versucht er mit dem Projekt "SOS-School-Beaming", schulmüde Schüler wieder in den Schulalltag zu integrieren - Ziel ist der Pflichtschulabschluss.

"SOS-School-Beaming"

"Die Ursachen für die Verweigerung des Schulbesuches sind breitgefächert, da kann man nicht mit simplen Lösungen kommen, sondern muss auf die spezifische Situation des jeweiligen Kindes eingehen", sagte Pernjak. Er leitet das SOS-Kinderdorf Burschenwohnen Graz, wo das Projekt "SOS-School-Beaming" organisatorisch angesiedelt ist. "Manche Kinder gehen nicht mehr in die Schule, weil es konkrete Probleme im engen sozialen Umfeld der Schule gibt. Oder auch, weil sie sich gemobbt fühlen, gewisse Fächer sie überfordern oder konkrete Probleme mit Lehrern oder ihrer familiären Situation haben. Da muss man genau hinsehen - und das tun wir", erläuterte der Sozialpädagoge. Auf Initiative seiner Mitarbeiterin Elisabeth Mock haben beide vor vier Jahren das österreichweit einzigartige Projekt auf die Beine gestellt.

Schüler sind überfordert

Die Reaktionen der Kinder und Jugendlichen auf die sie überfordernden Situationen seien sehr unterschiedlich, berichtete Pernjak: Manche sperren sich auf der Toilette ein, damit sie nicht zur Schule müssen. Andere seien schweißgebadet, sobald sie in die Nähe des Schulgebäudes kommen - oder wie festgefroren. "Wir konzentrieren uns auf das, was die Kinder brauchen", erklärte Pernjak. "Wir beginnen in kleinen Schritten. Wer es anfänglich gar nicht in die Schule schafft, bekommt den Unterricht in unserer Wohngruppe. Dann beginnen wir langsam, sie wieder an die Schule zu gewöhnen, umkreisen zum Beispiel die erste Woche das Schulgebäude, in der zweiten Woche gehen wir hinein und wieder hinaus, einfach bis sie so weit sind, wieder in die Klasse zu gehen, begleiten sie zur Schule, holen sie wieder ab". Das Team versteht sich als Bindeglied zwischen den jungen Menschen und der Schule, der Schulsozialarbeit und -psychologen sowie den Eltern. "Ziel ist ein normale Schulalltag und damit ein erfolgreicher Pflichtschulabschluss", sagte Pernjak.

14 Kinder in Betreuung

Die Einrichtung steht allen Pflichtschülern offen: "Egal ob sie in SOS-Kinder- und Jugendwohneinrichtungen oder in anderen Stellen der Jugendwohlfahrt untergebracht sind oder bei ihren Eltern wohnen, egal in welche Schule sie gehen", so der Projektleiter. Zurzeit werden von vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 14 Kinder und Jugendliche in sieben Schulen betreut: "Sie werden über die zuständigen Sozialarbeiter zu uns verwiesen und bleiben so lange wie nötig und so kurz wie möglich. Nicht alle sind Schulverweigerer. Wir betreuen auch Kinder, die verhaltensauffällig geworden sind und für gewisse Zeit aus der Schule genommen werden". Insgesamt wurden bisher 35 Kinder im Alter ab neun Jahren begleitet. Bis auf drei konnten alle wieder zum Besuch der Regelklasse motiviert werden. (APA)

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