Auf einen Sprung in Fukushima-Nähe

28. Februar 2012, 14:39
14 Postings

Weltcup-Schanze in Zao nur rund 80 Kilometer von Unglücksreaktor entfernt, das sorgt für Besorgnis unter den Sportlerinnen

Wien - Die Chance auf sportliche Erfolge hat für Daniela Iraschko Vorrang. Daher fliegt die Skisprung-Weltmeisterin am Mittwoch trotz Bedenken mit Trainer Harald Rodlauer zu den drei Weltcup-Bewerben nach Zao in Japan. Die Schanze ist nur knapp 80 Kilometer vom Unglücksreaktor Fukushima entfernt. Ihre Teamkollegin Jacqueline Seifriedsberger verzichtet hingegen wegen der Risiken auf ein Antreten.

Die 28-jährige Iraschko macht sich auch Gedanken über die Strahlenbelastung nach der durch einen Tsunami am 11. März 2011 ausgelösten Atomkatastrophe. "Die Strahlung ist angeblich gering, aber es gibt keine Studien", sagte die Gesamt-Zweite des Weltcups, die vier Konkurrenzen vor Schluss 211 Punkte Rückstand auf die US-Amerikanerin Sarah Hendrickson hat.

Sie hätte sich eine Entscheidung von höchster Stelle gewünscht. "Als Sportlerin will ich das nicht entscheiden müssen. Ich will gewinnen und gute Platzierungen holen. Wenn ich die drei Bewerbe verpasse, bin ich nicht mehr in den Top Ten", erklärte die Steirerin mit Wohnsitz in Tirol. "Wenn der ÖSV sagt, es ist möglich, dann verlasse ich mich drauf. Es stellt sich aber die Frage, ob sich die FIS nicht mehr Gedanken machen sollte." Immerhin stünden in Japan mehrere Schanzen in großer Entfernung zu Fukushima zur Verfügung.

Fünfzeilige Erklärung der Organisatoren

Die japanischen Behörden hatten nach dem Reaktorunglück Menschen in einem Umkreis von 20 Kilometern rund um Fukushima evakuiert. Der Chef der US-Nuklearaufsichtsbehörde (NRC) plädierte damals für eine Sperrzone von 80 Kilometern - dort leben etwa zwei Millionen Menschen.

Auch Rodlauer verhehlt seine Bedenken nicht. Eine fünfzeilige Erklärung der Organisatoren, wonach keine Probleme bestünden, beruhigt ihn nicht. "Man kann es nicht einschätzen, es wird sicher nicht unproblematisch sein", erklärte der 45-jährige Coach. Den Athletinnen habe es der ÖSV freigestellt, nach Japan zu reisen. Rodlauer selbst würde privat derzeit nicht nach Zao fliegen. "Aber wenn Daniela will, ist es für mich keine Frage. Ich werde sie nicht im Stich lassen", erklärte der Steirer.

Das ÖSV-Duo hat versucht, das Gesundheitsrisiko zu minimieren. Jod-Tabletten sowie die komplette Verpflegung (Fertiggerichte, Brot, Aufstriche) werden aus Österreich mitgenommen. "Da lassen wir uns auf nichts ein", sagte der Coach. Den Entschluss von Seifriedsberger versteht er völlig. Die 21-jährige Oberösterreicherin habe argumentiert, sie wisse nicht, was auf sie zukomme und wolle wegen möglicher Spätfolgen kein Risiko eingehen. Die Weltcup-Dritte von Ljubno wird wohl als einzige Spitzenspringerin in Japan fehlen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Jacqueline Seifriedsberger verzichtet, Daniela Iraschko nicht.

Share if you care.