Fünf Millionen Euro für zeitgenössische Musik gefordert

28. Februar 2012, 14:33
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Musikfonds soll aufgestockt werden - Derzeit gehen 77,5 Prozent der Förderungen in die Klassik

Wien - Mindestens fünf Millionen Euro braucht der österreichische Musikfonds, um die Förderung der österreichischen zeitgenössischen Musikszene sicherzustellen. Das forderte das Forum Musik (ein Zusammenschluss aus 79 Organisationen aus dem Musiksektor) am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Auch der musikalische Nachwuchs war Thema: Bei der Umstellung auf ganztägige Schulen dürfe auf den Musikunterricht nicht vergessen werden, bisher erarbeitete Konzepte müssten schneller umgesetzt werden.

2012 sei der Musikfonds mit einem Budget von 920.000 Euro zwar wieder handlungsfähig, um eine wirksame Förderung sicherzustellen, brauche man aber eine Ausweitung der Kompetenzen und Budgetmittel, so der Geschäftsführer des Musikfonds Harry Fuchs. Aufgrund der Umsatzrückgänge in der Musikbranche können sich Künstler kaum mehr selbst erhalten, ihr Einkommen liegt deutlich unter dem österreichischen Durchschnitt. Bei den Produzenten ist oft kein Risikokapital für Nachwuchsförderung mehr vorhanden, viele ausgebildete Musiker scheitern schon am Berufseintritt. Etablierte Musiker schaffen es kaum über die Grenze. "Der Hut brennt lichterloh", unterstrich Fuchs seine dramatische Skizze der derzeitigen Lage. Nur etwa 13 Prozent aller Förderanträge können vom Musikfonds positiv beantwortet werden, Video-Förderungen und Tour-Support wurden ausgesetzt.

Derzeit gehen 77,5 Prozent des Musikbudgets des Bundes (insgesamt 113,3 Millionen Euro) in das Klassik-Genre, wie eine Studie von Harald Huber, Präsident des Österreichischen Musikrats und Professor an der Universität für Musik Wien, zeigt. Für die zeitgenössische Musik (Jazz, Pop/Rock, World, E-Musik) bleiben deshalb insgesamt nur 6,3 Millionen Euro. "Wenn uns die gegenwärtige österreichische Musik etwas wert ist, müssen wir ihr unter die Arme greifen", so Huber. Zusätzlich hofft das Forum Musik auf die Selbstverpflichtung des ORF mehr österreichische Musik zu spielen: Derzeit schlägt die Waage klar in Richtung internationalem Repertoire aus, wie Hubers Analyse der Austrian Top 75 über zehn Jahre zeigt: Nur 17,5 Prozent der Titel kommen aus Österreich - Schlager inbegriffen. "Wir wollen aber keinen musikalischen Verteilungskampf", stellte Huber klar, "sondern eine Aufstockung."

Allerdings müsse man auch "die Basis dafür schaffen, wie die Musik als Kunstform in späteren Generationen wahrgenommen wird", erklärte Sabine Reiter, geschäftsführende Direktorin des Musikinformationszentrums mica. Dieser Appell richtet sich an das Unterrichtsministerium. Momentan haben die Musikschulen Österreichs 200.000 Schüler. Mit vielen anderen Schulen gibt es Kooperationsprojekte, in denen sich zusätzlich 25.000 Schüler befinden. Noch sind diese jedoch weder rechtlich verankert noch räumlich und finanziell ausreichend ausgestattet. Da der Musikunterricht meist am Nachmittag stattfindet, könnte es außerdem zu Kollisionen mit der Ganztagsschule kommen. Deshalb fordert das Forum Musik die rasche und effiziente Verschränkung von Schulen und Musikschulen und rechtliche Absicherung in einem Rahmenvertrag. (APA)

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