Heiße Spur zu verschwundenen Klimt- und Schiele-Bildern

28. Februar 2012, 14:30
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Zeichnung soll 1962 in der Albertina ausgestellt worden sein - Mutmaßliche Erben wollen 6,25 Millionen Euro

Linz - Bei der Suche der Stadt Linz nach vier verschwundenen Bildern von Gustav Klimt und Egon Schiele zeichnet sich möglicherweise ein heiße Spur ab. Eines der Werke soll in den 1960er Jahren in der Wiener Albertina ausgestellt worden sein, berichtete das "Neue Volksblatt" am Dienstag. Die Zeitung zeigte auch ein Bild der Zeichnung, von der bisher niemand wusste, wie sie aussieht. Für die Stadt Linz wäre eine rasche Klärung des Kunstkrimis wichtig, denn die mutmaßlichen Erben verlangen vor Gericht mehrere Mio. Euro.

Laut Zeitungsartikel stieß der von der Stadt Linz mit Nachforschungen beauftragte Klimt-Experte Alfred Weidinger auf eine Zeichnung, die 1962 in der Wiener Albertina anlässlich einer Jubiläumsausstellung zum 100. Geburtstag des Künstlers gezeigt worden war. Das Bild trug den Titel "Zwei Studien eines nach links liegenden Halbaktes". Die Bleistift-Zeichnung stammt demnach aus dem Jahr 1916 oder 1917, misst 373 mal 568 Millimeter und ist mit einem Stempel "Nachlass Gustav Klimt" versehen. Sie soll nach der Schau wieder an die Neue Galerie der Stadt Linz retourniert worden und auch in der von der Albertina herausgegebenen "Klimtmappe 1964" abgebildet sein.

"Die bewusste Zeichnung war als Katalog-Nummer 209 als ,Linzer Privatbesitz' ausgestellt", bestätigte Chefkuratorin Marian Bisanz-Prakken. Ob es sich bei dem Bild tatsächlich um das mit dem Kurztitel "Zwei Liegende" an die Stadt Linz verborgte Werk handelt, ist allerdings offen. "Es ist kein hundertprozentiger Beweis, aber eine heiße Spur", so der Linzer Kulturdirektor Julius Stieber. Wenn man wüsste, wie eines der vermissten Bilder aussehe, wäre die Suche einfacher. Denn die Beschreibungen der Werke seien sehr vage, eine Zuordnung schwierig. "Aber wenn wir ein Bild finden und seine Spur verfolgen können, dann hoffen war auch eine Spur zu den anderen zu finden." Bei dem Schiele-Ölgemälde "Tote Stadt", stehe allerdings der Verdacht im Raum, dass es sich um eine Fälschung handeln könne, so Stieber weiter, unter anderem weil es auf Pappe gemalt wurde, was für den Künstler sehr ungewöhnlich sei.

Die Bilder wurden von der Eigentümerin Olga Jäger (1880-1965) im Jahr 1951 an die Neue Galerie der Stadt Linz verliehen. Nun sind sie nicht mehr auffindbar. Die mutmaßlichen Erben haben zunächst wegen der Schiele-Zeichnung "Paar" geklagt. Im Juli 2011 sprach ihnen der Oberste Gerichtshof 100.000 Euro zu. Daraufhin brachten sie die nächste Klage ein. Diesmal geht es um die Zeichnung "Zwei Liegende" von Gustav Klimt und das Aquarell "Junger Mann" sowie das Ölgemälde "Tote Stadt" von Egon Schiele. Die Kläger fordern 6,25 Millionen Euro. Anfang Februar setzte die Stadt eine Belohnung für Hinweise aus. Für Angaben, die Linz in die Lage versetzen, die Klageansprüche abzuwehren, winken 5.000 Euro. Der Prozess wird am 23. März fortgesetzt. (APA)

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