Koi: Bunte Wasserdackel mit Luxusfaktor

  • Große und farbenprächtige Tiere sind sehr teuer und werden sorgsam gepflegt. Immerhin können sie bis zu 60 Jahre alt werden.
    foto: apa/rick nederstigt

    Große und farbenprächtige Tiere sind sehr teuer und werden sorgsam gepflegt. Immerhin können sie bis zu 60 Jahre alt werden.

  • Dieses Exemplar hat in Singapur einen Preis gewonnen.
    foto: apa/roslan rahman

    Dieses Exemplar hat in Singapur einen Preis gewonnen.

Die "Koiflüsterin" Tamara Frank über die Grundlagen der Koihaltung - Bei richtiger Haltung können die edlen Fische aus Japan bis zu 60 Jahre alt werden

Japanische Koizüchter beschäftigen sich jahrelang mit Aufzucht, Ernährung und Haltung des prachtvollen Fischs. Auch Tamara Frank, Fachtierärztin für Fische, hat die Tiere ausgiebig studiert und sich auf die "Juwelen" des Teichs spezialisiert. Sie erklärt im Interview, warum die Karpfenart so freundlich ist, dass Sonnenbrand für das "Herbstlaub auf einem Teich" gefährlich ist und warum die Fische tausende Euro kosten können.

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derStandard.at: Koi werden manchmal auch scherzhaft Unterwasserdackel genannt. Woran liegt es, dass diese Fische so zutraulich werden können? 

Tamara Frank: Genauso wie beim Menschen gibt es auch beim Koi unterschiedliche Charaktere: die Schreckhaften, die Ruhigen, die Hektischen. Am zutraulichsten sind in der Regel Koi, die sich in dezenter einfarbiger Eleganz präsentieren wie der Chagoi. Genauso wie der Ochiba Shigure, zu Deutsch "Herbstlaub auf einem Teich", der sehr vorwitzig sein soll.

derStandard.at: Wo liegt der Ursprung dieser farbenprächtigen Fische?

Frank: Es handelt sich bei dieser Karpfenart um eine Zuchtform, die so in freier Natur nicht vorkommt. Koi ist die Kurzform von Nishikigoi, was zu Deutsch Brokatkarpfen bedeutet. Brokat ist ein edler, mit Gold- und Silberfäden durchstickter Seidenstoff und spiegelt die Kostbarkeit dieser farbenprächtigen Fische wider.

 

Tamara Frank bei der Arbeit.

Den Überlieferungen nach erschienen die ersten Nishikigoi zwischen 1804 und 1829 in der japanischen Präfektur Niigata. Gesicherte Dokumentationen zur Abstammung des Koi gibt es nicht. Die einen sagen, dass ein farblich mutierter Wildkarpfen von einem Fischer aus dem Fluss gefischt wurde, die anderen meinen, dass inmitten von schwarzen japanischen Wildkarpfen ein Fisch mit roten Kiemendeckeln entdeckt wurde. Wie immer der Urahn des Koi auch aussah, führten Zuchtversuche rasch zu erstaunlichen Ergebnissen.

derStandard.at: Was muss man bei der Koizucht beachten?

Frank: Sie ist eine Wissenschaft. In Japan werden von Generation zu Generation die Erfahrungen weitergegeben und somit die Koizucht zur Perfektion gebracht. Über die Elterntiere und Zucht wird genau Buch geführt. Ein guter Koifachmann hat Jahre des Lernens hinter sich. Besonders bei kleinen Exemplaren ist es schwierig, einen qualitativ hochwertigen Koi zu erkennen. Es zählt nicht nur die Darstellung des Fisches in diesem Moment, viel wichtiger ist die Interpretation seiner Anlagen und die Einschätzung der zukünftigen Entfaltung seines Körpers. 

derStandard.at: Für große Exemplare über 60 Zentimeter werden teilweise 5.000 Euro verlangt. Warum sind diese Fische so teuer?

Frank: Der Preis eines Koi ist abhängig von Alter, Geschlecht, Größe, Körperform, Farbe und der Zeichnung. Je älter ein Koi ist, umso größer und desto ausgereifter ist er in seiner Farbe, Zeichnung und Körperform.

derStandard.at: Wie alt können Koi werden?

Frank: Bei artgerechten und optimalen Haltungsbedingungen kann ein Koi bis zu 60 Jahre alt werden. Der älteste Koi, den ich kenne, ist 25 Jahre alt.

derStandard.at: Welche Größe können sie erreichen?

Frank: Koi erreichen im Durchschnitt eine Größe von 80 Zentimetern und mehr. Dies ist von verschiedenen Faktoren wie etwa der Wassertemperatur, der Teichgröße oder dem Erbgut abhängig. Ein unglaubliches Wachstumspotenzial besitzt der vorhin genannte Chagoi, der bis zu 125 Zentimeter groß werden kann.

derStandard.at: Welches Futter ist geeignet und was muss man beim Einkauf beachten?

Frank: Der Koi ist ein Allesfresser. Seine Nahrung besteht im Naturteich hauptsächlich aus Plankton, Bodentieren, pflanzlichen Stoffen, Insekten und auch Kleinstwirbeltieren. In den künstlich von Menschenhand angelegten Koiteichen muss er sich mit dem zufriedengeben, was wir für das Richtige halten und entsprechend füttern.

Das Futter sollte ein ausgewogenes Fett-Eiweiß-Verhältnis besitzen. Weiters soll es hochwertige, leicht verdauliche Eiweißquellen beinhalten, die zum Aufbau von Körpermasse dienen, sowie lebensnotwendige mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Omega-3 und Omega-6, um den Energiebedarf zu decken.

In meinen Augen sollte darauf geachtet werden, dass das Futter in Europa produziert wird und die Futterpackung ordnungsgemäß gekennzeichnet ist. Das bedeutet, dass ein Mindesthaltbarkeitsdatum, Name und Anschrift des erzeugenden oder des verpackenden Unternehmens, Füllmenge, Chargennummer, Produktionsdatum, Inhaltsstoffe und Zusammensetzung am Etikett stehen sollten.

derStandard.at: Von welchen Krankheiten sind Koi betroffen und wie kann man vorsorgen?

Frank: Überwiegend treten parasitäre und bakterielle Probleme auf, aber auch virale Erkrankungen. Immer häufiger werden Tumore diagnostiziert, genauso wie Sonnenbrände. Das Um und Auf für gesunde Koi sind das Einhalten einer Quarantäne und ein regelmäßiger Wasserwechsel von zehn bis 20 Prozent pro Woche. Das heißt, dass das Teichwasser abgelassen wird und Frischwasser hinzugefügt wird. Ein Nachfüllen von verdunstetem Wasser wird darunter nicht verstanden.

derStandard.at: Wie kann man die Tiere in Teichen vor Wildtieren oder Kälte schützen?

Frank: Wildtiere sind in der Regel kein Problem, mit Ausnahme des Fischreihers, der sich in manchen Gegenden auf Koiteiche spezialisiert hat - ein Grund, warum im Handel auch sogenannte "Reiherschrecks" angeboten werden. Ein weitaus größeres Problem für den Koi ist jedoch der lange kalte Winter. Der Koi ist ein wärmeliebender Fisch. Stoffwechsel und Immunsystem funktionieren bei Wassertemperaturen von 23 bis 26 Grad optimal.

Dauerhafte Wassertemperaturen unter vier Grad führen zu Organschäden. Um einer starken Abkühlung des Teiches entgegenzuwirken, ist es in unseren Breitengraden ratsam, den Teich über die Wintermonate abzudecken, damit nicht unnötig Wärme über die Teichoberfläche verloren geht. Im Idealfall sollte ein Koiteich auch mit einer Teichheizung ausgestattet sein, damit im Notfall zugeheizt werden kann.

derStandard.at: Welche Bereitschaft muss man mitbringen, wenn man sich an die Haltung eines Koi wagen will?

Frank: Der Karpfen an sich ist ein relativ anspruchsloser Fisch. In der professionellen Koizucht bleibt der Gesundheitsaspekt jedoch auf der Strecke, da brillante Farben und schnelles Wachstum für die Züchter sehr viel wichtiger sind. Wir haben auch beim Koi eine typische Problematik: Je hochgezüchteter ein Lebewesen ist, umso sensibler wird es. 

Ein gewisses finanzielles Budget muss gegeben sein, um sich dieses Hobby leisten zu können. Angefangen vom Teichbau über Filtertechnik, Ausstattung und nicht zu vergessen den Wasserverbrauch. Der Koi schwimmt nun einmal im Wasser, und von dessen Qualität hängen seine Gesundheit und sein Überleben ab. (derStandard.at, 29.2.2012)

Zur Person

Tamara Frank studierte Veterinärmedizin an der Vetmeduni in Wien. Seit 2002 arbeitet sie als freiberufliche Tierärztin in Hallwang bei Salzburg. Seit 2007 führt sie eine Praxiszweigstelle für Koibehandlungen in Nordrhein-Westfalen. 2010 übersiedelte die Zweigstelle nach Witten, von wo aus die Veterinärmedizinerin in den Monaten März bis November tageweise Hausbesuche durchführt. Seit 2009 ist sie Fachtierärztin für Fische.

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