Sämtliche Pappeln Maltas gehen auf einen einzigen Baum zurück

28. Februar 2012, 13:36
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Silberpappel kam vermutlich im 16. Jahrhundert aus Italien - Österreichs Pappelbestand ist dagegen eine bunte Mischung

Wien - Alle auf der Insel Malta lebenden Silberpappeln (Populus alba) stammen von einem einzigen Baum ab. Das geht aus molekulargenetischen Untersuchungen eines internationalen Forscherteams hervor, an dem Berthold Heinze vom österreichischen Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) in Wien beteiligt war. Die Wissenschafter berichteten darüber in der Fachzeitschrift "European Journal of Forest Research".

Vermutlich sei die Pappel oder ihr Samen als Klon eines Baumes aus Italien eingeschifft worden und habe im 16. Jahrhundert im Garten des Großmeisters der Malteser Ritter gestanden, so Heinze. Die Forscher untersuchten das Erbgut von 28 Pappeln aus Malta und der Nebeninsel Gozo und fanden nur einen einzigen genetischen Typ.

Der Baum aus dem Garten der Malteser Ritter habe sich offensichtlich durch Wurzelausläufer oder mit menschlicher Hilfe über die ganze Inselgruppe verbreitet, so Heinze. Bereits in früheren Untersuchungen wurden in Sardinien (Italien) und im östlichen Spanien großflächige Silberpappel-Klone festgestellt.

Bunte Pappelwelt Österreichs

Die in Österreich ansässigen Pappeln hingegen sind eine bunte Mischung, wie Heinze und seine Kollegen in einer früheren Studie festgestellt haben. Nach der Eiszeit gab es hier zunächst die recht kälteresistenten Zitterpappeln, auch Espen genannt. Aus dem Mittelmeerraum und an der Donau entlang wanderten später Silberpappeln ein und kreuzten sich mit den Zitterpappeln, erklärte Heinze. Aus diesen Hybriden seien die Graupappeln hervorgegangen.

Heute gebe es im warmen Osten Österreichs kaum noch reine Zitterpappeln. Die meisten Bestände, die die Forscher an der Donau, der unteren Mur und an den Nebenflüssen untersucht haben, sind ein Gemisch aus reinen Silberpappeln und Graupappeln.

Pappeln sind für die Pflanzengenetiker eine Modellbaumart. An ihnen können sie grundlegende Prozesse studieren und Modelle erstellen, die oft auch für andere, schwieriger zu handhabende Baumarten gelten.

Ökosysteme auf Wanderschaft

Die Kenntnisse über verschiedene Einwanderungs-Mechanismen seien in Zeiten des Klimawandels wichtig, denn veränderte Temperatur- und Niederschlagsmuster beeinflussen das Verbreitungsgebiet vieler Pflanzenarten. Mit den Bäumen gingen immerhin ganze Ökosysteme, nämlich Wälder, auf Wanderschaft, so die Forscher in einer Aussendung des BFW. (APA, red)

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