Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Michaela Nill leidet seit ihrer Geburt an Cystischer Fibrose.
Eigentlich hätte das Gespräch in einem gemütlichen Café in der Salzburger Innenstadt stattfinden sollen. Doch im Leben läuft nicht immer alles nach Plan. Vor allem nicht im Leben von Michaela Nill. Die 22-jährige Studentin aus Rauris leidet seit ihrer Geburt an der seltenen und bisher unheilbaren Krankheit Cystische Fibrose (CF), auch bekannt als Mukoviszidose. Diese genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung geht mit der chronischen Bildung von zähflüssigem Schleim in den Bronchien einher und bildet lebenslang einen guten Nährboden für Lungenentzündungen.
Seit einigen Tagen liegt Michaela Nill nun mit einer Infektion im Krankenhaus Schwarzach. Sie bekommt Sauerstoff über eine Nasensonde und das Pflegepersonal versorgt sie mit entzündungshemmenden Infusionen. Dünn und blass sitzt die junge Frau auf ihrem Krankenbett und zwirbelt ihre rötlichbraunen Haare zwischen den Fingern.
derStandard.at: Wie beeinflusst die Erkrankung Ihr Leben?
Nill: Ich versuche, relativ normal zu leben. Drei bis vier Stunden täglich investiere ich in meine Therapie - Zeit, in der andere schlafen, etwas unternehmen oder feiern dürfen. Oft bin ich auch einfach zu müde und kann deshalb viele Sachen nicht mitmachen, weil ich einfach zu wenig Luft bekomme. Auf manche Dinge wie den Besuch einer Therme muss ich auch verzichten, weil die Ansteckungsgefahr einfach zu groß ist. Manchmal bin ich aber auch etwas unvorsichtig. Ich habe beispielsweise Topfpflanzen daheim, obwohl in der Erde gefährliche Keime lauern können.
derStandard.at: Wie schaffen Sie es, sich täglich neu für Ihre Therapiemaßnahmen zu motivieren?
Nill: Ein Teil ist Routine. Ich stehe auf und mache meine Therapie, ohne groß darüber nachzudenken. Tue ich das nicht, geht es mir schlechter - das ist schon eine Motivation. Ich kenne auch andere Patienten mit Mukoviszidose, bei denen ich ebenfalls beobachte, dass die Therapie hilft. Wir motivieren uns da quasi gegenseitig.
derStandard.at: Wie wichtig ist der Kontakt zu anderen Patienten?
Nill: Ich wollte lange keinen Kontakt zu anderen CF-Patienten und habe erst vor etwa einem Jahr in einem österreichischen Internet-Forum mit anderen Betroffenen zu kommunizieren begonnen. Im Juni des Vorjahres war dann ein Treffen von CF-Betroffenen, da habe ich die Leute zum ersten Mal persönlich kennengelernt, und seitdem sind wir hauptsächlich über das Netz in Kontakt. Das Internet erweist sich hier als besonders praktisch, weil man sich bei einem Treffen gegenseitig mit gefährlichen Keimen anstecken kann. Mittlerweile ist mir der Austausch mit anderen aber sehr wichtig, weil ich so immer wieder merke, dass ich nicht alleine bin.
derStandard.at: Wie gehen gesunde Menschen mit Ihrer Krankheit um?
Nill: Für viele Menschen ist der Umgang mit Krankheit oder Behinderung sehr schwierig und angstbesetzt, auch unter dem Aspekt, dass es jeden treffen kann. Oft fehlt es auch einfach am Mut, mich auf die Erkrankung anzusprechen. Wenn ich huste oder Tabletten einnehme, beobachten mich zwar alle, aber niemand sagt etwas.
derStandard.at: Wie reagieren Sie darauf?
Nill: Wenn ich huste und andere schauen schockiert, dann sage ich: "Ist ganz normal, nicht ansteckend."
derStandard.at: Wie gehen Sie mit der Tatsache um, dass es sich um eine lebensbegrenzende Erkrankung handelt?
Nill: Meine Diagnose wurde gestellt, als ich 14 Monate alt war, und meine prognostizierte Lebenserwartung damals lag bei fünf bis sechs Jahren. Für meine Eltern war das natürlich ein großer Schock, aber sie wollten, dass ich so normal wie möglich aufwachse. Jetzt bin ich 22 Jahre alt und immer noch da. Ich kenne auch CF-Kranke, die über 40 sind. Ich glaube einfach, dass man seine Zeit gut nutzen muss.
derStandard.at: Sterblichkeitsraten machen Ihnen keine Angst?
Nill: Nein, eigentlich nicht. Es kann ja immer etwas Unerwartetes kommen. Entweder ein schlimmer Keim erwischt mich und ich sterbe frühzeitig, oder aber Forscher finden ein Medikament, das zu meiner Heilung führt. Als ich geboren wurde, sind CF-Patienten durchschnittlich mit Mitte 20 gestorben, jetzt liegt die Lebenserwartung bei Mitte 40.
derStandard.at: Wie schwierig war es, einen Arbeitsplatz zu finden?
Nill: Bis jetzt hatte ich das Problem noch nicht, weil ich gerade meinen Master in Soziologie mache und nebenbei an der Uni arbeite. Ich befürchte aber, dass es noch schwierig wird. Vermutlich werde ich nicht Vollzeit arbeiten und oft ausfallen. Im vergangenen Jahr war ich insgesamt acht Wochen im Krankenhaus - da muss man erst einmal einen Arbeitgeber finden, der das akzeptiert.
derStandard.at: Als CF-Patient kann man den Status "Begünstigter Behinderter" beantragen, der unter anderem einen erhöhten Kündigungsschutz und Lohnsteuerbefreiung garantiert. Werden Sie diesen Status beantragen?
Nill: Nein, ich denke nicht, da ich glaube, dass das nicht nur Vorteile mit sich bringt. Das ist eher ein Stempel, den man nie wieder wegbekommt. Ich sehe das bei einem Freund, der als "Begünstigter Behinderter" keinen Job findet, weil die Arbeitgeber Angst haben, dass er Probleme macht oder dass sie ihn nicht mehr loswerden. Dabei bekämen Unternehmen eine Förderung dafür, dass sie Menschen mit Behinderungen aufnehmen. Ich persönlich möchte aufgrund meiner Leistung eine Arbeit finden und nicht, weil eine Firma mich einstellt, um Geld zu bekommen.
derStandard.at: Haben Sie konkrete Zukunftspläne?
Nill: Früher habe ich immer alles genau geplant. Aber nachdem es mir im letzten Jahr sehr schlecht ging, plane ich nur mehr über kurze Zeitspannen und nicht mehr langfristig. Aber natürlich denke ich auch darüber nach, was in zehn Jahren sein wird. Aber das sind im Wesentlichen Fantasiegebilde und keine konkreten Pläne. Und ich überlege natürlich auch manchmal, wo ich im nächsten Sommer Urlaub machen könnte. Aber ich würde nie jetzt schon eine Reise buchen, weil ich ja nicht weiß, ob es mir dann gut geht. (derStandard.at, 29.2.2012)
Am 29. Februar findet der 5. Internationale Tag der Seltenen Erkrankungen statt. Erkrankungen gelten als selten, wenn statistisch betrachtet maximal einer von 2.000 Menschen davon betroffen ist. Auf der Internet-Plattform Orphanet sind rund 6.000 seltene Krankheiten erfasst, nur ein Sechstel davon ist derzeit behandelbar.
Weiterlesen
Mukoviszidose - Blockierender Schleim
Ein Gendefekt, der um das 40. Lebensjahr zum Abbau von Nervenzellen führt
Eine Studie soll den langfristigen Einsatz der tiefen Hirnstimulation zeigen
Schätzungen zufolge sind rund 400.000 Österreicher von "seltenen Erkrankungen" betroffen - Das derzeitige System benachteiligt solche Patienten, lautet die Kritik von Experten
In der Evolution scheint Glutamin eine Schlüsselrolle bei der Ausbildung geistiger Fähigkeiten zu spielen
CT-Aufnahmen werden speziell auf Blutflussgeschwindigkeit in der Lungenarterie ausgewertet - Ziel ist die Erkennung bereits im Anfangsstadium
Im Schnitt dauert es drei Jahre bis zur Diagnose - Oft chronische und lebensbedrohliche Krankheiten
Der Wirkstoff "Nor-Urso" könnte bei der Therapie der seltenen unheilbaren Lebererkrankung eingesetzt werden
Anenzephale Kinder werden nicht mehr nur aus dem Blickwinkel der Medizin betrachtet - Sie sind vollwertige empfindungsfähige Menschen
Für rund 30 bis 40 Prozent aller klinisch relevanten Immundefekte gibt es bislang keine konkrete Diagnose
Weltweit sind von der Krankheit rund 350.000 Menschen betroffen, darunter auch der Physiker Stephen Hawking
Menschen mit angeborener Amusie nehmen durch Sprachmelodie ausgedrückte Gefühle kaum wahr - Orientierung erfolgt an Mimik und Gestik
Warum Patienten mit "Schmetterlingskrankheit" extreme Schmerzen haben
Untersuchung bei vererbbarer Epidermolysis bullosa
„Der Elefantenmensch" hat das Bild der Neurofibromatose Typ 1 geprägt - Extreme Ausprägungen sind heute selten, ein kosmetisches Problem ist sie oft
Ein speziell abgestimmtes Training kann die Kondition von Patienten mit Lungenhochdruck verbessern, die Therapie unterstützen und das Überleben verlängern
Marfan-Patienten leben mit dem Risiko einer Aortenruptur - Die regelmäßige Untersuchung der Hauptschlagader hat daher oberste Priorität
Mediziner und Lebenswissenschafter diskutieren, wie Laborerfolge zu neuen Therapien führen - Nobelpreisträger Eric Kandel hält Vortrag
Wichtiger Schritt hin zum regulären Mukoviszidose-Neugeborenenscreening - Biochemischer Test könnte Genanalyse überflüssig machen -
Experten warnen vor später Diagnose bei idiopathischer pulmonaler Fibrose
Fehlerhaftes Gen zwingt Gehirnzellen zur Selbstzerstörung - Forscher suchen nach Behandlungsmöglichkeiten in frühen Stadien
Das Wissen länger erkrankter Patienten kann für Neuerkrankte und deren Familien sehr hilfreich sein
Der deutsche Kinofilm "Vincent will Meer" fokussiert das Tourette-Syndrom, eine neuropsychiatrische Erkrankung, die kaum bekannt ist
Aktuelle Studie zeigt Wirksamkeit molekularer Therapie bei Knochenmarkserkrankung
Acht von 100.000 Menschen leiden an Gen-Defekt - Selbsthilfegruppe in Salzburg um Aufklärung und Rat bemüht
Das Problem mit dem Behindertenausweis kann ich sehr gut verstehen, da ich aufgrund meiner Epilepsie auch sofort einen bekommen würde, doch hätte mich z.B. meine jetzige Firma nicht eingestellt, da ihnen Strafzahlungen lieber sind, die sie wegen der Firmengröße und keinen Behinderten im Unternehmen zahlen müssen. Sie sehen uns als "dumme" Personen - so werden leider die Betroffenen eingestuft.
In diesem Punkt würde ich mir wünschen, dass die Politik etwas dagegen unternimmt.
Ich schaff es durchschnittlich 18 Monate in einer Firma, bis auffällt, dass ich "dumm" bin und sie einen Grund finden, mich zu kündigen - meist im Krankenstand
Ich wünsch Ihnen alles Liebe und Gute, bleiben Sie weiter ein Optimist, das Hilft, ich weiß es ;-)
Brille nennt man das Ding, gottseidank wird da keine Sonde in die Nase gesteckt...
War nur ein bisschen zur Aufheiterung bei diesem wirklich traurigen Thema gedacht, selber chronisch krank kann ich den Leidensdruck nachvollziehen.
Diese Krankheit ist wirklich grauslich.
Man kann nur hoffen, dass wenigstens zukünftigen Generationen Heilmittel zur Verfügung stehen, die zumindest den Leidensdruck minimieren.
Ich drücke wirklich ganz fest die Daumen für die Zukunft, eine wirklich sehr starke Frau.
...ist jetzt aber eher eine Notfallanwendung, in meinem Kopf eher im Gebiet der Intubation gespeichert, deshalb gar nicht daran gedacht. Bei uns im Akutbereich war´s immer eine Stufe vor der Intubation, zuerst probiert man´s noch mit der Maske...
Ist übrigens eine Scheusslichkeit, weil der relativ dicke Schlauch durch die Nase, verdammt unangenehm ist und nicht nur beim Legen weh tut. Beim wachen Patienten nicht soooo super toleriert... (Ironie...)
Wobei so munter ist man nicht, wenn die oberen Atemwege bis zum Kehlkopf zugeschwollen sind, wobei das Ding bekommst dann eh fast nicht rein, also wird meistens gleich intubiert...
Na, bevor ich mir das machen lasse, mach ich lieber eine "Clysmolentschlackungskur" :-)
zwar sind eine vielzahl der von CF patienten häufig benötigten antibiotika leberschädigend, doch liegt es in der natur der krankheit neben der lunge auch andere sezernierenden organe zu betreffen, konkret leber und pankreas, was zu einer schädigung per se führt.
nicht immer alles auf die bösen medikamente schieben
einer meiner besten freunde hat dies auch - sowie sein Bruder (zwei weitere Geschwister nicht).
Was ich noch ganz erwähnenswert finde wäre, dass übrigens sehr viele Träger dieser Erbkrankheit sind (ohne es je zu wissen)- dies allerdings egal ist, wenn nicht auch der Partner träger oder selbst erkrankt ist.(testen)
Es kann also sein, dass zwei gesunde personen zusammen ein krankes kind bekommen - ich glaube wenn beide träger und nicht erkrankt sind liegt die wahrscheinlichkeit bei über 25% für ein cf kind. hätte einer cf über 50% (oder so ähnlich)
er bekommt jetzt mit seiner freundin ein kind- allerdings wurden gesunde zellen eingesetzt - sodass eine erkrankung ausgeschlossen werden konnte, geht aber noch nicht in österreich...
und hoffentlich stolz darauf, einmal wirklich ein Vorbild für andere Menschen zu sein !
Ich werde durch Menschen wie Dir (sorry für die persönliche Anrede) etwas leidensfähiger was einfache Erkrankungen betrifft.
Und auch wenn es hier vielleicht nicht reinpasst, für diesen Teilbereich der Genetik bin ich ein Fan (Immunologie), ich hoffe diese Disziplin macht riesige Fortschritte (vieleicht auch an der Uni SBG) und kann eines Tages auch diese Erkrankung heilen.
Meine besten Wünsche für eine erfolgreiche Zukunft.
SB
"Ich persönlich möchte aufgrund meiner Leistung eine Arbeit finden und nicht, weil eine Firma mich einstellt, um Geld zu bekommen."
Ich verstehe diese Einstellung, denke aber, dass man es auch anders sehen kann. Wie sie richtig sagt, würde sie viel ausfallen. Wäre es dann nicht ok, wenn die Firma, die sie anstellt, auch die finanziellen Begünstigungen bekommt, die ihr zustehen?
so traurig es klingt - da hat man als erkrankter nur 2 wahlmöglichkeiten:
stark sein und weitermachen oder aufgeben.
ich hoffe für sie und für viele andere menschen mit solchen erkrankungen, daß sie stark sein können.
die gesundheit vermißt man erst, bis man sie nicht mehr hat.
seit meiner damaligen erkrankung, die auch nicht leicht war, habe ich mir 3 lebensinhalte gesetzt:
x) jeden tag einmal herzhaft lachen
x) jeden tag so leben als wäre er der vorletzte
x) sei ehrlich zu deinen mitmenschen.
der letzte punkt läßt einen erstmal recht "einsam" werden, weil viele menschen mit ehrlichkeit nicht zurecht kommen - aber mit der zeit bildet sich ein recht kleiner, dafür aber wirklicher freundeskreis.
lg, ein mitbürger
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.