Sind wir "Bildungs-Griechenland?"

Leserkommentar

Die eigentliche Krise in der Bildungsdebatte ist das Verschwinden und "Wegsparen" von kritisch denkenden Menschen

Korrupte Politiker, verschwundenes und verschenktes Geld und Sparmaßnahmen dort, wo Menschen das Geld unbedingt benötigen. Dann auch noch Zukunftssperren für Studierende, für die Menschen, die früher oder später einen wertvollen Beitrag für die Wirtschaft, Gesellschaft und Bildung Österreichs leisten werden? Können wir uns das leisten?

Wenn Wirtschaftskrise gleich Bildungskrise bedeutet, sieht es schlecht aus für die Zukunft des Landes. An den Universitäten werden ungerechtfertigte, unfaire und "korrupte" Prüfungen und Studieneingangs- und (Des-)Orientierungsphasen (STEOP) eingeführt, um dem Land auch auf der universitären Seite das wegzunehmen, was es eigentlich braucht - engagierte, kritisch denkende BürgerInnen.

Stupid "steopid"

STEOP bedeutet weder Orientierung noch Einführung, sondern ein Auswendiglernen von Skripten und Büchern. In dieser Zeit ist kein kritisches, verknüpfendes Denken erwünscht - "steopid" ist gefragt. Eine Prüfungen an einem schlechten Tag kann im schlimmsten Fall das Ende der beruflichen Erfüllung bedeuten und den finanziellen Verlust der Stipendien und Beihilfen.

Studieren kann sich in Zukunft nur mehr ein Bruchteil der Gesellschaft leisten. Harte Eingangsverfahren, die zum Rausprüfen dienen, Studiengebühren, teure Bücher, Kinderbeihilfe nur bis 24 Jahre - die Liste ist endlos.

Das Ergebnis ist jetzt schon ersichtlich: Wer studieren möchte, braucht Geld von den Eltern, um sich das Studium leisten zu können. Wer nebenbei arbeitet, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, kann gleich bei der Arbeit bleiben, da Studieren und Arbeiten sich kaum verbinden lassen.

Studieren ist etwas Elitäres

Studien, die länger dauern (wie Medizin und Pharmazie), werden sich in Zukunft nur noch Kinder aus gut situiertem Hause leisten können, da es für sozial schwächer gestellte Studenten weder Platz noch eine gerechte Finanzierung gibt. Wie Minister Töchterle schon im Zeit-Interview am 17. Februar meinte: "Universität, so wie ich sie sehe, ist etwas unausweichlich Elitäres. Und dafür ist nicht jeder tauglich, nicht jeder bringt den langen Atem und den Willen dazu auf." Und ja, er hat recht, nicht jeder kann den langen finanziellen Atem aufbringen. So bleibt die "Elite" die "Elite" und die anderen dürfen schauen, wo sie bleiben.

Rettung gäbe es nur durch Bildung für alle, die es sich wünschen, gebildet und ausgebildet zu werden. Momentan scheint es in der Bildungspolitik in die falsche Richtung zu gehen. (Leserkommentar, Christina Münzker, derStandard.at, 28.2.2012)

Autorin

Christina Münzker studiert seit drei Semestern Englisch und Psychologie/Philosophie (Lehramt).

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Ich habe noch im "alten" System studiert

Konnte mir also in einem gewissen Rahmen aussuchen wann ich welche Fäher absolviere. Auch ein Semester mal verbummeln, why not ?! Ich habe seit der Matura nebenbei gearbeitet und 3 vollakademische und einen FH-Abschluss geschafft - allerdings brauchte ich (inkl Zivildienst) 24 Semster; na und ? Ich lerne allerdings etwas was heute kaum mehr möglich ist: Kritisch-selbständiges Denken auf breiter (Aus)Bildungsbasis und Verantwortung für mich zu übernehmen. Die heutigen Studenten tun mir Leid. Nur mehr Verschulung - von UNIVERSITAS nichts mehr zu sehen; schade.

Also das

Wer nebenbei arbeitet, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, kann gleich bei der Arbeit bleiben, da Studieren und Arbeiten sich kaum verbinden lassen.

wird seit zig Jahren behauptet und dennoch schaffen es sehr viele. Allerdings ist diese EInstiegsphase wohl nur Vollzeit machbar.

Ich bin übrigens für ein unbegrenztes Antreten bei Prüfungen. (allerdings ab dem 3. mal kostenpflichtig)

Antritts-Gebühr

Das ist grundsätzlich ein interessanter Gedanke. Das System würde ich allerdings nur für Prüfungen vorschlagen, die auch einigermaßen objektiv von Statten gehen -mit klar abgegrenztem Stoffgebiet und nachvollziehbaren Benotungskriterien. Sonst richten sich die Raus-PrüferInnen so nur ein Körberlgeld.

Wieso sollen die Prüfer ihre Zeit ausgerechnet an Leute mit Geld verschwenden müssen?

Sie haben jetzt im Kopf den nervösen Studenten, der heutzutage nur zweimal antreten darf.

Am anderen Ende des Spektrums gab es aber den Ufo/Esoterik/etc. Studenten, der schon vor seinen unzähligen Prüfungsantritten zur ersten Prüfung in einem NAWI-Studium den Mitstudenten und Lehrenden die Zeit gestohlen hat.

engagierte, kritische denkende buergerinnen, in oesterreich? unerwuenscht! also erfuellt das system eh seinen zweck. mich wundert eh, dass, nachdem die menschen durchs gymnasium gegangen sind noch welche uebrig sind, die man als engagierte, kritisch denke buergerinnen bezeichnen koennte.

Als Philosophiestudentin wird man mit noch ärgeren Problemen, als der STEOP konfrontiert:

http://www.univie.ac.at/philosoph... =13&t=2284

http://www.univie.ac.at/philosoph... =13&t=2240

Prof. Baders Umtriebe lassen einem die Haare zu Berge stehen, Herr Prof. Liessmann ist Werbefigur für fast alle österreichischen Banken, für Apotheken und viele mehr. Eine Bank bezeichnet ihn in ihrem Geschäftbereicht sogar als "Kundenmagneten". Was soll man da erwarten?

raunz raunz

aber sich von der Allgemeinheit ein (durchaus interessantes) Hobby finanzieren lassen.

So ein Volltroll.

Philosophie für alle, damit weniger Stuss gepostet wird.

Kein Wunder,....

wenn die OECD - also die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - die Bildungsstandards über PISA-Tests indirek dirigiert, dann sieht die Entwicklung eben nun mal so aus wie sie jetzt ist.
Dabei ist zumindest die finanzielle Situation von Studenten in Österreich, glaube ich, sogar noch deutlich besser als in Deutschland. Ich bezahle z.B. jedes Semester einen "Beitrag" (der ausdrücklich keine Studiengebühr ist, aber inklusive Semesterticket für den Stadtbereich) von 280 €, plus monatlich 78 € für die Krankenkasse.
Dass das Studium an sich völlig absurd ist, darüber muss man gar nicht reden - da könnte ich ganze Bücher drüber schreiben!

sind wir bildungsgriechenland?

JA

(da haben die, dies können ihren reichtum auch rechtzeitig ins ausland verfrachtet)

Die Wahrheit liegt wieimmer dazwischen

Ja, es gibt genuegend, die sich ein Studium nicht leisten wollen oder koennen. Das wundert auch nicht weiter, in einem Land wo man - zurecht - mit BHAS Matura eigentlich keinen viel schlechteren Job bekommt als mit Abschluss bei einem Bluemchenfach - und nur um die geht es hier.

Gleichzeitig muss man leider auch Toechterle recht geben: Die Tendenz geht offenbar dahin, dass man im Titelgeilen Oesterreich jedem und jeder einen Titel nachschmeissen moechte. Dass es bei einem Studium aber um Erkenntnisgewinn und Lernen von sinnhaften Dingen geht, ist vielen dabei relativ egal.

hmm, wissen sie, ernsthaft, das problem bei jeder art von einschränkung in qualitativer, quantitativer, monetärer oder sonstiger hinsicht ist in Österreich: Who watches the watchers?

Und auf das Spiel, dass das Börserl oder ein Hr. Töchterle bestimmt, wer studieren darf oder nicht.... nein, das ist ein Weg, den Österreich DEFINITIV nicht einschlagen darf.

Freier Zugang zur Bildung!! Kassieren erst dann, wenn sich ein"Bummelstudium" abzeichnet. Dafür aber rigoros. Der Kreisky und die alten Sozialdemokrat. die sich für eine Gleichberechtigung bei der Bildung stark gemacht haben, drehen sich im Grab um,ob dieser Diskussion. Aber haben wir ja schon gehabt, lasst die Ärmeren in Dummheit wählen und sterben,nur keinen Zugang zur Bildung.Dabei muss es ein elementares Interesse des Staates geben, gute ausgebildete Leute zu haben.

Schauens ich war so ein Bummelstudent..

ich habe aber dennoch nach vielen Jahren ein technisches Fach abgeschloßen. Arbeit und Familie waren halt zeitweise wichtiger

Beschränkte Resourcen

Jede/r soll studieren dürfen, aber nicht alle können studieren, da es beschränkte Resourcen gibt. Sprich STEOP ist offensichtlich dazu da, den Andrang an Studenten zu beschränken, da die Unis zuwenig Geld und Räumlichkeiten haben. Andere Möglichkeiten wären NC wie in Deutschland oder Bewerbung um einen Studienplatz wie in GB oder USA. Oder jede österr. Uni bekommt 1,4 Mrd. Euro, aber das wird's nicht spielen...

Beschränkte Ressourcen noch weiter beschränken ist sicher ein gute Lösung!

Wieso soll die Uni nicht mehr Geld bekommen. Nur weils das sicher nicht spielen wird, muss das nicht als Gottgegeben hingenommen werden.

Tatsächlich wird der Uni nicht nur eine Budgeterhöhung untersagt, sondern ihr Budget wird real gekürzt, bei einer gleichzeitigen Verteuerung der Studien ohne qualitative Steigerung.

Ich spreche hier von dem Studiengebührenfiasko unter Schwarz/Blau, bei dem den Unis Budget in Höhe der Studiengebühren gestrichen wurde. Nachdem diese Gebühren gestrichen wurden, gab es aber keine Erhöhung des Budgets, stattdessen wurde die Umgestaltung der Studien auf das teurere BA/MA System forciert, das zwar teurer ist aber dennoch oft mit Qualitätseinbußungen einher geht.

Jetzt ist so wenig Geld da, wie schon lange nich

Wichtig!

Wer sich für unsere Sache einsetzen möchte ist herzlich eingeladen..
Hier ist der Link für unsere Seite auf Facebook. Des Weiteren gibt es eine Verknüpfung zu unserem Blog wo jeder seine Meinung/Erfahrung mit der STEOP abgeben kann.

http://www.facebook.com/STOPSteop

lieb

Studieren kann sich in Zukunft nur mehr ein Bruchteil der Gesellschaft leisten.

eher das Gegenteil - Studieren wird seit Jahrzenten konsequent entwertet. Heute stehen hinter dem Bankschalter schon WU Absolventen, der Kellner im Lieblingslokal ist Politikwissenschaftler usw. Studieren im eigentlichen Sinn ist das, was in Oesterreichs Massenunis vor sich geht, schon lange nicht mehr.

aha, und was ist studieren in ihren augen?
offenbar nix anderes als ein aufsteigen in fürhugnsetagen.

sie sollten sich selbst mal fragen, was das soll...
der kellner darf also kein politikwissenschaftler sein?
der banker kein wuler...
fein: dann erwarten sie sich beim österreichischen bildungsweg (und damit von kindergarten bis zum uniabsolventen) aber von bestimmten jobs nicht mehr viel...

der heutige bankbeamte muss vielleicht auch ein bisserl mehr können, als der bankbeamte im wilden westen, der scheinchen gezählt hat.

selten sowas dummes gelesen.

wir erleben hier

die logische Weiterentwicklung des UG 2002. Damals wurde ein vorbildliches UOG 1975 mutwillig gekippt und den neoliberalen Grundsätzen geopfert.

endlich ein gescheiter Kommentar

treffenderweise nicht von einer der unzähligen "ExpertInnen", sondern von einer Betroffenen.
Warum starten wir nicht ein Volksbegehren zur Aufnahme des Rechts auf freien Zugang zur Bildung in die Verfassung? (gehörte eigentlich zu den Menschenrechten!)

ein leider sehr zutreffender kommentar.

.

Wenn wir uns die Absolventen der heimischen Unis ansehen, so sind wir schon seit langem ein Bildungs-Griechenland und zwar in dem Sinne, als hierzulande völlig an den realen Gegebenheiten vorbeistudiert wird.

Österreich hat Tausendschaften von Psychologen, Politologen, Soziologen, Publizisten, Philosophen etc.

Das geht doch völlig an den hiesigen Beschäftigungsmöglichkeiten vorbei. Kein Volk kann so neurotisch sein, dass ein Psychologe auf 5000 Einwohner kommt.

Aber freilich, diese Studien sind einfach - ein wenig quatschen, eine wenig hirnen und nach einigen Semestern ist der Magister in der Tasche.

Wo aber bleiben die Physiker, Mathematiker, Chemiker? Denen fehlen natürlich die Mittel die für die Masse der obgenannten da sind.

Da sehen Sie gleich, wie wertvoll Bildung sein kann. Dann würden Sie vielleicht wissen, dass PsychologInnen zu einem Großteil etwas anderes tun, als sich mit Neurosen (oder allgemeiner: psychischen Störungen) zu beschäftigen.

Klassisches Missverständnis von Ausbildung vs. Bildung

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